Britischer Finanzdienstleister mahnte mit erfundenen Anwaltskanzleien

... und stellte Schuldnern dafür erfundene Honorare in Rechnung

Seit den Nuller Jahren verzeichnet eine bestimmten Form von Finanzdienstleistern in Großbritannien enorme Zuwachsraten: Es handelt sich um sogenannte "Payday Lender", die Kurzkredite bis zum nächsten Zahltag verleihen. Der ist in England, Schottland, Wales und Nordirland häufig nicht am Ende des Monats, sondern am Ende jeder Woche - vor allem bei geringer qualifizierten Tätigkeiten.

Für hundert bei einem Payday Lender geliehene Pfund muss ein Schuldner am Ende einer Woche typischerweise 125 zurückzahlen. Hinzu kommen häufig noch Prüfgebühren. Der effektive Jahreszins für Payday Loans kann deshalb ohne weiteres bei mehr als 1.000 Prozent liegen. In manchen Fällen zahlten Schuldner sogar 5.000 Prozent.

Der größte auf solche Payday Loans" spezialisierte Findanzdienstleister in Großbritannien ist die Firma Wonga, die den Fußballverein Newcastle United sponsort. 2012 vermittelte das Unternehmen etwa vier Millionen Kredite an eine Million Kunden. Damals machte Wonga Schlagzeilen, weil herauskam, dass der Finanzdienstleister von zahlreichen Briten Geld verlangte, mit deren Identitätsdaten Betrüger Kredite aufgenommen hatten.

Nun hat die britische Financial Conduct Authority (FCA) entschieden, dass Wonga 45.000 Kunden mit insgesamt 2,6 Millionen Pfund entschädigen muss, weil die Firma von 2008 bis 2010 mit nicht existierenden Rechtsanwaltskanzleien wie "Chainey, D'Amato & Shannon" und "Barker and Lowe Legal Recoveries" gemahnt hatte. Die erfundenen Kanzleien sollten Schuldner offenbar dazu bringen, Wonga vorrangig zu bedienen. In einem Teil der Fälle berechnete man ihnen für die nicht erbrachten Leistungen der nicht existierenden Anwälte Honorarkosten, die sie zusätzlich zu Tilgung, Zinsen und Gebühren zu zahlen hatten.

Wonga entschuldigte sich öffentlich und betonte, man habe diese Praxis "freiwillig" aufgegeben. Im Juli will der Finanzdienstleister betroffene Kunden anschreiben, denen die Entschädigung bis zum August ausbezahlt werden soll. Würden die Geschädigten für die bis zu 296 Wochen, die Wonga unberechtigt ihr Geld behielt, Zinssätze wie ein Payday Lender berechnen dürfen, dann müssten sie für 100 Pfund fast 10.000 bekommen. Rechnet man mit Zinseszins, könnten sie sich sogar eine Elbphilharmonie oder ein Stadtschloss bauen. Allerdings gilt auch in Großbritannien das Sprichwort: "Quod licet Iovi, non licet bovi".

Die FCA bezeichnete die Masche mit den erfundenen Anwaltskanzleien als "sehr ernstes" Vergehen, dessen Opfer Menschen waren, die sich bereits in einer "schwierigen Situation" befanden. Weil die Ermittlungen von der FCA-Vorgängerbehörde Office of Fair Trading (OFT) aufgenommen wurden, sieht man sich jedoch nicht in der Lage, ein Bußgeld zu verhängen. Auch strafrechtliche Ermittlungen soll es nicht geben, da diese angeblich die Entschädigungen hinauszögern würden. (Peter Mühlbauer)