Brücke zwischen russischem Kernland und Krim eröffnet

Bild: Informationszentrum Krim-Brücke. Screenshot: Telepolis

In Sozialen Medien vergleicht man das ein halbes Jahr früher fertig gewordene Bauwerk mit Projekten wie dem BER-Flughafen und dem Stuttgart-21-Bahnhof

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hat heute die Brücke über die Meerenge von Kertsch für den Autoverkehr freigegeben - ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant, wie russische Medien stolz anmerken (vgl. Russland nimmt Unterwasserkabel zur Krim in Betrieb).

Die gut 19 Kilometer lange, 35 Meter hohe und mit einem Absperrzaun und Beleuchtungsstützen versehene Brücke verbindet die Halbinsel Krim (die nach ihrer Lossagung von der Ukraine am 18. März 2014 in die Russischen Föderation aufgenommen wurde) mit der Region Krasnodar und damit mit dem russischen Kernland. Das erleichtert den Transport von Personen und Waren, die nach einer Blockade durch die Ukraine jahrelang auf Fähren und Flugzeuge angewiesen waren.

Neben einer vierspurige Autobahn verläuft auf dem Bauwerk auch eine zweigleisige Bahnstrecke für täglich 94 Züge, die aber erst Ende 2019 in Betrieb genommen werden soll. Gebaut wurde die umgerechnet etwa drei Milliarden Euro teure Brücke von Arkadi Rotenberg Firma Stroigasmontasch, die im Westen mit ihren Bauten zur Winterolympiade in Sotschi bekannt wurde. Die New York Times mutmaßt, dass das Unternehmen über die (durch den Panama-Papers-Skandal in Verruf geratene) Kanzlei Appleby Sanktionen umging.

In Den Haag nahm die Generalstaatsanwaltschaft im September Ermittlungen gegen zwei niederländische Firmen auf, die verdächtigt werden, mit Stroigasmontasch unter Umgehung der EU-Wirtschaftssanktionen Geschäfte gemacht zu haben. Diese Ermittlungen wurden inzwischen auf fünf weitere Unternehmen ausgedehnt - bislang allerdings ohne Ergebnis.

In Sozialen Medien löst die dahinter liegende Vorstellung, dass Russland die Brücke nicht ohne westliche Hilfe bauen hätte können, teilweise Belustigung aus. Dort denkt man an Bauprojekte wie den für 2011 geplanten Berliner BER-Flughafen, der nicht wie die Kertsch-Brücke ein halbes Jahr vor dem geplanten Termin fertig wurde, sondern bislang gar nicht (vgl. Länderfinanzausgleich hoch wie nie zuvor).

Diese Dauerbaustelle könnte der beim Unternehmertag im März geäußerten Prognose des Lufthansa-Vorstands Thorsten Dirks nach vielleicht sogar "abgerissen und neu gebaut" werden. Kurz vorher war bekannt geworden, dass dort für 500.000 Euro 750 Monitore ausgetauscht werden müssen, weil sie sechs Jahre lang eingeschaltet auf die Eröffnung warteten.

Der Einschätzung des ehemaligen Bitkom-Präsidenten nach wird dieses Problem wahrscheinlich nicht nur Bildschirme, sondern auch zahlreiche andere technische Geräte und Einrichtungen betreffen. Die Frage von Telepolis, was bis 2021 erneuert werden muss und wie teuer das wird, nahm die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH zwar entgegen, schickte aber keine Antwort darauf.

Die "systemischen Mängel", die der TÜV im letzten Jahr auf der Baustelle entdeckte, betreffen unter anderem den Brandschutz, der bereits bei vergangenen Verzögerungen als Hauptursache genannt wurde. Entrauchungssteuerung, Sprinkleranlagen, Brandmelder, elektroakustische Notwarnsysteme und Sicherheitsbeleuchtungen funktionieren vor allem im Bereich "Mainpier Nord" immer noch nicht zufriedenstellend (vgl. Berlin: BER-Betreiber bestätigt Berichte über neue Mängel).

Ein anderes deutsches Großprojekt, das nicht so fortschreitet wie geplant, ist der Tiefbahnhof Stuttgart 21, der ursprünglich mit 4,5 Milliarden Euro veranschlagt wurde: Alleine die bislang dafür berechneten Mehrkosten in Höhe von 3,7 Milliarden Euro übersteigen bereits die Gesamtkosten für den Bau der Kertsch-Brücke.

Nachdem Anfang 2018 bekannt wurde, dass sich die eigentlich für 2021 vorgesehene Fertigstellung mindestens bis 2025 verzögert, verlautbarte Bahnchef Richard Lutz, wenn man das vorher gewusst hätte, dann hätte man mit dem Projekt gar nicht begonnen - aber jetzt sei es für einen Baustopp halt zu spät.

Bau der Krim-Brücke zwischen 2015 und 2018 im Zeitraffer

(Peter Mühlbauer)

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