Bundesgericht von Manhattan veröffentlicht Anklage zu Anschlagsplänen in New York

Times Square. Foto: MK Feeney. Lizenz: CC BY 2.0

Ein kanadischer Araber, ein in Pakistan lebender US-Bürger und ein Filipino werden beschuldigt, für den IS Explosionen auf dem Times Square und in der U-Bahn geplant zu haben

Das Bundesgericht von Manhattan hat am Freitag in Abstimmung mit dem US-Justizministerium und dem FBI eine vorher geheim gehaltene Anklage gegen den 19-jährige Kanadier Abdulrahman El B., den ebenfalls 19-jährigen in Pakistan lebenden US-Amerikaner Talha H. und den 37-jährigen Filipino Russell S. veröffentlicht. Die drei sollen vor ihrer Festnahme im letzten Jahr daran gearbeitet haben, knapp 15 Jahre nach den Flugzeuganschlägen auf das World Trade Center bei erneuten Anschlägen in New York möglichst viele Menschen zu töten.

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Hauptbeschuldigter ist Abdulrahman El B., der inzwischen ein Geständnis ablegte, dessen Details teilweise geheim bleiben. Ob damit ein "Deal" mit der Staatsanwaltschaft verbunden war, ist nicht bekannt, aber angesichts der Standardpraxis in den USA wahrscheinlich. El B. kaufte im Mai 2016 etwa 20 Liter Wasserstoffperoxid (mit dem der Initialsprengstoff Triacetontriperoxid hergestellt werden sollte) und wurde daraufhin am 21. Mai in New Jersey festgenommen.

Einem vom FBI in die Gruppe eingeschleusten Agenten, der sich als IS-Anhänger ausgab, hatte El B. vorher gesagt, zum Bau der Bombe suche er eine Hütte mit einem Kühlschrank, die nicht allzu weit von New York entfernt sein und nicht zu nahe an anderen Siedlungen liegen solle, damit er dort Schießen üben könne. Diesem verdeckten Ermittler offenbarte der kanadische Araber darüber hinaus, dass er sich in Kontakt mit einem IS-Partner in Pakistan befinde, der die Anschläge offiziell absegnen solle.

Dort, in Pakistan, versicherte H. dem Agenten (den ihm El B. via elektronischer Kommunikation vorgestellt hatte), man habe die Rückendeckung der Gruppe. Nach eigenen Angaben holte sich H. von einem Gewährsmann in einer anderen pakistanischen Stadt persönlich Informationen zum Bombenbau. Mehrmals betonte er, kurz vor Beginn der Anschläge nach New York zu reisen, um auch direkt an deren Durchführung mitzuwirken. Im September 2016 wurde er von den pakistanischen Sicherheitsbehörden festgenommen, nachdem die USA die dortige Regierung über ihn informiert hatten. Seine Auslieferung an die USA steht noch aus.

Als konkrete Ziele für ihre Anschläge diskutierten El B. und H. unter anderem die New Yorker U-Bahn. El B. hatte bereits Stadtpläne mit Stellen an U-Bahn-Linien markiert, an denen er Anschläge als besonders effektiv und gut durchführbar erachtete. Am 12. Mai 2016 hatte er dem FBI-Agenten ein Foto des Times Square mit der Bemerkung geschickt, er solle sich diese "Menge an Leuten" ansehen und man müsse dort unbedingt eine Autobombe platzieren. Darüber hinaus eiferte er den Pariser Bataclan-Attentätern nach und wollte in Konzertsälen massenhaft Zuhörer erschießen.

H. plädierte anfangs ebenfalls für die U-Bahn als Ziel. Dort solle man "so viele Passagiere wie möglich töten" - auch "Frauen und Kinder". Gehe die Munition zu Ende, könne man die Sprengsätze zünden. Später sagte er dem Agenten, der Times Square sei "der perfekte Ort, um sie zu treffen". Dort solle man ein Drive-By-Shooting veranstalten oder den Platz umzingeln, um Tausende von "Ungläubigen" zu töten, "niemanden stehenzulassen" und "aus ihrem Blut einen Ozean zu machen". Statt für den am 5. Juni 2016 beginnenden Ramadan plädierte H. für den Memorial Day am 30. Mai, an dem die USA ihrer gefallenen Veteranen gedenken. So würden sie nie mehr vergessen, dass "die Soldaten Allahs überall bereit sind".

Anfang Mai 2016 hatte El B. den FBI-Agenten darüber informiert, dass er S. gebeten habe, die Vorbereitung des Anschlags und den Kauf von Munition zu finanzieren. Dazu sollte der Filipino (der von den anderen beiden Dschihadisten "Abu Khalid" und "der Doktor" genannt wurde), auf eine nicht näher beschriebene Weise elektronisch Geld übermitteln. Eine erste Rate in Höhe von 423 US-Dollar traf am 11. Mai 2016 ein.

S., der sich in Sozialen Medien offen als IS-Anhänger zu erkennen gab, meinte dazu, er habe so etwas schon öfter gemacht und anders als in Australien oder im Vereinigten Königreich könne man auf den Philippinen ein Bekenntnis zum IS offen zeigen, dafür interessiere sich niemand. Das war, bevor am 23. Mai 2017 in der Stadt Marawi der Krieg zwischen der philippinischen Regierung und der islamistischen Terrororganisation ausbrach (vgl. Terrorkrieg auf den Philippinen weitet sich aus).

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Nachdem der Agent S. am 12. Mai eine Fotografie des gekauften Wasserstoffperoxids übersandt hatte, signalisierte S. Interesse daran, selbst in die USA zu reisen, um am Verüben der Anschläge in der "Hauptstadt der Kuffar" teilzunehmen. Das "Abschlachten", so S., würde ihm ein "großes Vergnügen" sein. Seit April 2017 befindet sich der "Doktor" in Gewahrsam der philippinischen Bundespolizei. Dieser Gewahrsam dauert trotz eines amerikanischen Auslieferungsersuchens weiter an. Der philippinische Justizminister Vitaliano Aguirre signalisierte am Sonntag zwar grundsätzliche Bereitschaft zu einer Übergabe, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass gegen S. wegen eines anderen Falls auch auf den Philippinen ermittelt werde. (Peter Mühlbauer)

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