Bundeswehr-Drohne kollidierte mit einem Berg

Eine Heron-1, wie sie von der Bundeswehr verwendet wird. Bild: DLR, CC-BY 3.0

Zum dritten Mal verzeichnet das deutsche Militär einen Crash seiner israelischen "Heron" in Afghanistan. Der Flugroboter sei "aus bisher ungeklärter Ursache mit einem Berg" kollidiert

Wieder ist eine Bundeswehr-Drohne des Typs "Heron" in Afghanistan abgestürzt. Der Crash ereignete sich nach Angaben der Bundeswehr am Freitag gegen 10 Uhr Ortszeit. Das unbemannte Luftfahrzeug kollidierte demnach "aus bisher ungeklärter Ursache mit einem Berg". Die Verbindung zwischen der Bodenstation in Mazar-i Sharif und der "Heron" sei abgebrochen. Allerdings wird nicht mitgeteilt, ob dies vor oder nach dem Crash passierte. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr drückt sich dadurch um die Frage, ob die Langstreckendrohne wegen fehlerhafter Steuerung, technischer Defekte oder Manipulationen Dritter abstürzte. Laut dem Militär habe es sich um einen Unfall während eines Aufklärungsfluges gehandelt.

Die "Heron" sei durch den Aufprall "schwer beschädigt" worden. Eine schnell eingeleitete Suchaktion habe tags darauf zum Auffinden der Trümmer in der Provinz Badakhshan geführt. Eine Bergung sei aber wegen der "geografischen Gegebenheiten an der Absturzstelle" nicht erfolgt. Zudem erlitt die "Heron" ohnehin Totalschaden. Um jeglichen Nutzen für gegnerische Kämpfer auszuschließen, wurden die Überreste zerstört. Gemeint ist vermutlich eine nachträgliche Sprengung der Trümmer.

Die Langstreckendrohne der MALE-Klasse ("Medium Altitude Long Endurance") "Heron" wird vom israelischen Hersteller Israel Aeronautics Industries gefertigt. Die Bundeswehr operiert drei Exemplare als vorübergehende Nutzung. Vertragsnehmer gegenüber dem Militär ist der Rüstungskonzern EADS. Die Firma ist hierfür mit der Bundeswehr ein "Betreibermodell auf Leasingbasis" eingegangen. Der Leihvertrag wird verlängert, bis das Verteidigungsministerium über den Kauf eigener Systeme entscheidet.

Für Wartungsarbeiten ist stets ein Instandsetzungsteam vom EADS-Ableger Cassidian vor Ort. Im Juli wurde mitgeteilt, die "Heron” habe inzwischen 15.000 Flugstunden (mehr als 1.300 Flüge) absolviert. Pro Flugstunde kostet das Gerät 8.675 Euro. EADS berichtet weiterhin, dass der Konzern laut Vertrag sogar für Starts und Landungen in Mazar-e-Sharif zuständig ist. Erst in der Höhe von etwa 1.000 Fuß werden die Drohnen "an das Bundeswehrpersonal übergeben". Es ist also durchaus möglich, dass die "Heron" beim Crash am Freitag von EADS-Technikern gesteuert worden war.

Zuerst war im März 2010 eine "Heron" nach der Landung in Mazar-i-Sharif gegen eine Transportmaschine der Bundeswehr gekracht (Neue Drohne der Deutschen Luftwaffe nach erstem Probeflug in Afghanistan bereits zerstört). Das unbemannte Flugzeug setzte sich auf dem Rollfeld plötzlich wieder in Bewegung und machte sich daran, zwei Soldaten zu überrollen. Eine weitere "Heron” stürzte ebenfalls in Afghanistan ab und wurde danach sicherheitshalber aus der Ferne zerstört. Insgesamt werden die Kosten für beide Crashs mit rund 9,3 Millionen Euro angegeben. Auch in Israel gehen immer mehr MALE-Drohnen zu Boden, die Flüge der "Heron" wurden deshalb vorübergehend ausgesetzt (Abstürze von "Reaper" und "Heron" häufen sich).

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