Bundeswehr: Tiger-Hubschrauber müssen am Boden bleiben

Vom Aussehen her könnte man eher an andere Tiere denken: Der Bundeswehr-Kampfhubschrauber Tiger. Foto: ILA-boy. Lizenz: CC BY-SA 3.0

In der Rotorsteuerung verbaute Bolzen der mehrfach abgestürzten Geräte könnten an einer "Wasserstoffversprödung" leiden

Der "Eurocopter Tiger" ist eines der Geräte, die der deutsche Staat dem Airbus-Konzern abkauft. Im letzten Jahr waren von den 53 Kampfhubschraubern dieses Typs, über die die Bundeswehr verfügt, im Durchschnitt 11,6 einsatzbereit. Seit 2. August sind es gar keine mehr, wie das Presse- und Informationszentrum des Heeres gestern mitteilte.

Anlass dafür war eine Warnung des Herstellers. Der hatte bei Wartungsarbeiten herausgefunden, dass in der Rotorsteuerung verbaute Bolzen möglicherweise an einer "Wasserstoffversprödung" leiden, die Brüche und daraus folgende Abstürze nach sich ziehen könnte. In den Transporthubschraubern NH90 und den Schulungshubschraubern EC135, in denen Airbus die Bolzen ebenfalls verbaut hat, geschah das angeblich "nicht an sicherheitsrelevanten Stellen", weshalb diese Geräte nicht vom vorläufigen Flugverbot betroffen sind.

"Keine Auswirkungen" auf aktuelle "Einsatzverpflichtungen"

Auf aktuelle "Einsatzverpflichtungen" hat die Zwangspause zur Überprüfung und eventuellen Reparatur der Helikopter nach Angaben der Bundeswehr "keine Auswirkungen", weil die Hubschrauber unmittelbar vor der Ruhepause nur zu Schulungszwecken im hessischen Fritzlar und im französischen Le Luc genutzt wurden.

Vorher waren vier Tiger Teil der deutschen Truppen in Afghanistan, wo sie insgesamt 1860 Flugstunden absolvierten, ohne abzustürzen. Anders ging es zwei deutschen Tiger-Piloten im malischen Gao, die 2017 Rotorblätter verloren, abstürzten und verbrannten. Ein Untersuchungsbericht kam im Jahr darauf zum Ergebnis, das habe an einem "Wartungsfehler" gelegen.

Kein Kassenschlager

Vier Jahre vor dem Absturz in Mali war ein Tiger-Pilot in den bayerischen Alpen abgestürzt. Ein daraufhin verhängtes Flugverbot wurde kurz danach wieder aufgehoben. Auch Frankreich verzeichnete bereits Tiger-Abstürze: 1998 in Australien und 2011 in Afghanistan, wo ein Taliban-Einwirken als Ursache ausgeschlossen werden konnte.

Außer Deutschland und Frankreich haben bislang nur Spanien und Australien das Airbus-Produkt erworben, das damit im Vergleich zu anderen Kampfhubschraubern nicht gerade ein Kassenschlager ist. International deutlich beliebter sind die amerikanischen Apache, die insgesamt 18 Länder einsetzen - von Israel über Japan bis hin zu Großbritannien.

Der Irak und Algerien griffen dagegen zum preisgünstigen russischen Mil Mi-28, in dem die im russischen Afghanistankrieg zutage getretenen Schwächen beim Mi-24 beseitigt worden sein sollen. Und China hat mit dem Wuzhuang Zhisheng 10, dem "heftigen Blitz", einen eigenen Kampfhubschrauber mit Panzerabwehrlenkraketen, Fly-by-Wire-Avionik, Laserentfernungsmesser und FLIR-Nachtsichtsensoren entwickelt (vgl. Russland und China entwickeln gemeinsam neuen Militärhubschrauber).

SPD-Politikerin beklagt "zu kleinen Anzahl an Schiffen"

Die Tiger sind - vorsichtig formuliert - nicht die einzigen Geräte der Bundeswehr, die wegen mangelnder Einsatzfähigkeit Schlagzeilen machten (vgl. Sehr, sehr bedingt abwehrbereit). Zuletzt drehte sich die Diskussion unter anderem um die Marine, die dem Willen der US-Staatsführung nach an einer Tankerschutzmission an der Straße von Hormus teilnehmen sollte.

Nach dem vorläufigen Abschlagen dieser Bitte mutmaßten Beobachter, ob das nicht nur etwas mit dem politischen Willen der Bundesregierung, sondern auch mit der Verfügbarkeit von Schiffen zu tun hat. Immerhin wurden in den letzten Jahren zahlreiche davon außer Dienst gestellt, während die bestellten Nachfolger auf sich warten ließen oder noch lassen.

Die ostfriesische SPD-Politikerin Siemtje Möller, zu deren Wahlkreis Friesland/Wilhelmshaven/Wittmund ein großer Marinestützpunkt gehört, beklagte deshalb in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), Deutschland habe "die kleinste Marine mit einer zu kleinen Anzahl an Schiffen gemessen an den Einsatzszenarien, für die wir angefragt werden".