Bundeswehr startet Serie zur Personalwerbung für die KSK

Mit einer neuen Serie auf YouTube und WhatsApp über die KSK will die Bundeswehr jungen Menschen anlocken. Screenshot aus dem Trailer

Insgesamt stagniert die Personalstärke der Bundeswehr, was trotz oder wegen steigender Rüstungshaushalte die Diskussion über eine Wiedereinführung der Wehrpflicht stärken wird

Nach dem Willen der Bundesregierung wird der Etat für die Bundeswehr weiter steigen. 2019 soll er um mehr als 4 Milliarden von jetzt 38,9 Milliarden auf 43,2 Milliarden Euro steigen. Die Bundeswehr und die Bundesverteidigungsministerin von der Leyen würden den Etat gerne bis 2023 auf 60 Milliarden anheben. Damit will man nicht nur der Forderung Trumps näherkommen und das Material verbessern, sondern auch die Truppenstärke erhöhen und mehr Sold zahlen können. Geplant ist, wie von der Leyen im Februar 2017 sagte, bis 2024 eine Personalstärke von 198.000 Soldaten zu erreichen. Doch die Zahl stagniert bei knapp unter 180.000.

Zwar waren die Werbekampagnen mit den Serien "Die Rekruten" und "Mali" erfolgreich, was die Aufrufe betraf, aber offenbar nicht für die Personalwerbung. Jetzt will man trotzdem mit der Serie "KSK - Kämpfe nie für dich allein" auf WhatsApp und YouTube (Trailer), als Podcast und als Alexa Fitness-Skill Werbung für die Spezialkräfte machen. Angeblich würde bei der Suche nach der Bundeswehr am häufigsten nach KSK auf Google gefragt. Ab heute startet die auf 20 Teile angelegte Serie: "Das Drehteam begleitete Unterstützungskräfte des KSK im Dschungel von Belize sowie Kommandosoldaten auf einer internationalen Übung von Spezialkräften in Dänemark. Um sowohl der gebotenen Geheimhaltung zu entsprechen und zugleich Transparenz in die Aufgaben der Spezialtruppe zu bringen, wird die Geschichte nun erstmals aus der Sicht eines Zivilisten erzählt. Der Fotograf und Abenteurer Robert Marc Lehmann, der vorher keinerlei Erfahrungen mit der Bundeswehr hatte, begleitet bei den Ausbildungen und bringt der Community durch sein eigenes Erleben die Besonderheiten des KSK näher."

Einige Jahre nach der Abschaffung der Wehrpflicht und der Einführung einer politisch einfacher handhabbaren Berufsarmee ist angesichts der Rekrutierungsprobleme der Bundeswehr in diesem Jahr wieder einmal die Diskussion aufgebrochen, wieder zur Wehrpflicht zurückzukehren oder auch EU-Ausländer anzuwerben. Die AfD hat die Forderung nach Wehrpflicht im Parteiprogramm, andere wie die Junge Union, die Mittelstandsvereinigung (MIT) der Union, Jens Spahn oder Annegret Kramp-Karrenbauer wollen die Wehrpflicht versteckt hinter der Forderung nach einer allgemeinen Dienstpflicht wieder einführen.

Eine Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey im August 2018 ergab, dass mit 55,6 Prozent auch eine Mehrheit der Deutschen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu wünschen scheint. 40 Prozent wollen dies auf keinen Fall. Wenig verwunderlich stößt die Wehrpflicht bei AfD-Sympathisanten auf die größte Zustimmung, bei den Anhängern der Grünen und vor allem der Linken ist die Ablehnung hingegen am stärksten. Und eine YouGov-Umfrage im Juli 2018 machte deutlich, dass die Deutschen mehrheitlich keine Erhöhung der Rüstungsausgaben befürworten.

Anfang September, als Washington mitsamt Paris und London warnten, bei einem erneuten Giftgaseinsatz in Syrien erneut zu bombardieren, und die Bundesregierung, die sich immer in der internationalen Verantwortung für Militärmissionen sieht, erklärte, möglicherweise sich auch zu beteiligen, sprach sich in einer Umfrage eine Mehrheit von 56 Prozent dagegen aus, nur 23 Prozent waren dafür.

Zur eher geringen Begeisterung am Militär passt auch, dass die Deutschen kaum dazu neigen, ihre Soldaten als Helden zu sehen. 30 Prozent lehnen das ab, 20 Prozent machten keine Angaben. In den USA sind es 5 bzw. 12 Prozent, in Großbritannien 6 bzw. 12 Prozent. Dagegen sagen 50 Prozent in den USA, dass alle Militärangehörige, unabhängig von Rolle und Erfahrung, als Helden anzusehen seien. In Großbritannien sind noch 32 Prozent der Meinung, in Deutschland nur 15 Prozent. Aber Helden sein, wollen nicht mehr so viele, zumal auch die Zahl derjenigen jungen Menschen wächst, die für das Militär nach geltenden Kriterien untauglich sind (71 Prozent der jungen Amerikaner untauglich fürs Militär).

In Großbritannien, wo das Militär fester als in Deutschland verankert ist und es auch gerne als Alliierter der USA in den Krieg zieht, würden sich nach einer aktuellen Umfrage immer noch 20 Prozent der Männer und 9 Prozent der Frauen freiwillig melden, wenn ein neuer Krieg ausbrechen sollte. Gefragt wurde im Kontext des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Zum Beginn des Krieges waren viele Briten ebenso wie viele Deutschen freiwillig aus nationalistischen Gründen und mit dem Glauben an einen kurzen, siegreichen Krieg eingetreten. 2016 musste Großbritannien nach verlustreichen Kämpfen die Wehrpflicht einführen, wenn auch nur für ledige Männer zwischen 18 und 40 Jahren. Bei der Umfrage wiegten sich 53 Prozent sowieso in Sicherheit, dass sie aus bestimmten Gründen wie dem Alter gar nicht eingezogen würden. 20 Prozent erklärten, sie würden sich einer Einberufung entziehen, 17 Prozent würden dies nicht tun.

Unter den 18-40-Jährigen würden sich 23 Prozent einer Einberufung nicht entziehen, aber 39 Prozent hätten keine Lust, in den Krieg zu ziehen. Bei den alten Baby Boomers, die Mitte der 1940er bis Mitte der 1960er Jahre geboren wurden, gehen über 80 Prozent davon aus, dass für die Sache mit dem Dienst an der Waffe gelaufen ist, auch wenn 9 Prozent noch mitmachen würden. Am ehesten würden mit 23 Prozent die zwischen 1965 und 1980 Geborenen, also die 38-53-Jährigen, in den Krieg ziehen, wobei Frauen sich etwas stärker einer Einberufung widersetzen würden. Bei den Jungen, den 18-38-jährigen Millennials, ist der Widerstand gegen eine Mitwirkung am Krieg mit 41 Prozent am höchsten. 34 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen würden sich im Kriegsfall einer Einberufung entziehen, aber immerhin 23 Prozent würden dies nicht machen, also sich einziehen lassen.

Auch in Großbritannien müsste man in einem zwischenstaatlichen Kriegsfall wohl eine Wehrpflicht einführen, um ausreichend Soldaten in einer Zeit zur Verfügung zu haben, die man als postheroisch bezeichnen kann und in der die schon geschrumpften Armeen immer mehr Schwierigkeiten haben, genügend geeignete Soldaten rekrutieren zu können. (Florian Rötzer)

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