Bundeswehreinsätze zur Rohstoffsicherung für E-Mobilbatterien?

Elektrokarren. Foto: Norbert Schnitzler. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Bundesverband der Deutschen Industrie fürchtet um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit, wenn der Rohstoffnachschub nicht mehr gesichert ist

Dieser Tage machte eine Warnung der Deutschen Rohstoffagentur vor der starken Abhängigkeit der Wirtschaft von ausländischen Lieferanten die Runde. Man befürchtet, dass der Nachschub an Kobalt, Graphit, Lithium und Mangan ins Stocken geraten könnte. Deutschland, das diese Metalle für den Bau von E-Mobilbatterien benötige, sei hier auf Importe angewiesen. Würden diese unterbrochen, wäre die weitere E-Mobilisierung gefährdet.

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Aufgrund des durch die Umstellung auf E-Mobile erhöhten Bedarfs werde das Angebot immer knapper und die Minenbetreiber könnten die Preise für die Rohstoffe diktieren. Eine Entwicklung, die vor wenigen Jahren schon ganz allgemein bei den Seltenen Erden befürchtet wurde. Inzwischen scheint sich diese Angst nicht bewahrheitet zu haben. Zumindest wird darüber derzeit nicht gesprochen.

Torsten Brandenburg von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) stellt fest, dass es bei den für die Batteriefertigung benötigten Metallen in den meisten Fällen entweder nur wenige Anbieter gebe oder die Rohstoffe würden in Ländern mit sogenannten erhöhten politischen Risiken gefördert.

So kommen nach vorliegenden Informationen der DERA 60 Prozent des global benötigten Kobalts aus der Demokratischen Republik Kongo und 70 Prozent des Graphits aus China. Befürchtet wird nicht die Erschöpfung der Vorkommen. Es seien aber nach Aussage der DERA nur wenige Länder bereit, die von der deutschen Industrie benötigten Rohstoffe auch abzubauen. Und dies würde nicht zuletzt damit begründet, dass ein bergmännischer Abbau dieser Rohstoffe mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden sei.

Solche Umweltbelastungen gelten inzwischen auch als ursächlich für die fehlende politische Akzeptanz des Bergbaus in Europa. Somit ist es wenig verwunderlich dass es in Europa nur noch wenige aktive Graphitbergwerke gibt. Die EU-Kommission warnte schon 2010 vor einem Rohstoffmangel und führte in diesem Zusammenhang zu strikte Umweltschutzauflagen als Förderungshindernis an. So überlegt man in Brüssel immer wieder, ob die EU ihre Umwelt- und Naturschutzregeln wie die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie überarbeiten müsse und den Umweltschutz nicht stärker an die Bedürfnisse der Industrie anpassen sollte.

Beim BDI und seiner Abteilung Sicherheit und Rohstoffe spitzt man die Frage der Rohstoffabhängigkeit der deutschen Industrie noch weiter zu:

Unser Auftrag ist es, weltweit den Schutz unserer Unternehmen sowie von Handels- und Logistikketten zu stärken. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass hierzu Streit- und Sicherheitskräfte auf eine leistungsfähige technologische Ausrüstung Made in Germany zurückgreifen können. Gleichermaßen bedeutsam ist die Sicherheit der Rohstoffversorgung.

Im Mai 2010 wurde der damalige Bundespräsident Horst Köhler für seine Aussage zum Einsatz des Militärs zum Schutz der Rohstoffversorgung massiv angegriffen und trat in der Folge zurück. Er hatte damals die Meinung vertreten, dass ein militärischer Einsatz im Notfall notwendig sei, "um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."

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Damals war die Aussage Köhlers in erster Linie auf den Bundeswehreinsatz in Afghanistan bezogen worden, wo die Bundeswehr ja eine friedensstiftende Mission erfüllen sollte. Inzwischen scheint die damals stark kritisierte Aussage auch über den Afghanistan-Einsatz hinaus gesellschaftsfähig geworden zu sein.

Es ist grundsätzlich nicht so, dass die für die Fertigung von E-Mobilbatterien benötigten Rohstoffe wie Graphit, Kobalt, Lithium oder Mangan in Deutschland oder Europa geologisch nicht vorkommen. Ihr Abbau scheitert vielfach an hohen Kosten und diese rühren nicht zuletzt aus den europäischen Umweltstandards. Diese gelten in Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo nicht und daher kommt der Löwenanteil des Kobaltbedarfs aus diesem Land.

In früheren Jahrhunderten wurde Kobalt auch im Erzgebirge und im Schwarzwald abgebaut. Es wurde damals zum Färben von Glas (Kobaltblau) genutzt. Heute sind die damaligen Gruben nicht mehr in Betrieb und die Kosten für eine Wiederinbetriebnahme dürften das Unterfangen unwirtschaftlich machen, solange die großen Rohstoffhändler wie die Schweizer Gigant Glencore, der auf Jersey registriert ist, auf den Abbau im Kongo (Katanga Mining Limited) zugreifen können.

Beim Abbau von Graphit sah es um die Jahrtausenwende ähnlich aus. In Deutschland wird erst seit 2012 von der Graphit Kropfmühl GmbH in Hauzenberg in der Nähe von Passau wieder Graphit abgebaut. Im Jahre 2000 war die Förderung in Niederbayern mangels Wettbewerbsfähigkeit eingestellt worden. Hinter dem bayerischen Graphitabbau steht heute die international verschachtelte AMG Advanced Metallurgical Group N.V. mit ihrem Aufsichtsratsvositzenden Heinz Schimmelbusch, der früher bei der Metallgesellschaft AG die Fäden zog.

In Österreich ist seit 2008 der Grafitbergbau Kaiserberg in St. Stefan ob Leoben in der Steiermark wieder in Betrieb, wo schon vor 250 Jahren mit dem Abbau von Graphit begonnen wurde. Weitere europäische Graphitminen gibt es in der Tschechischen Republik sowie in der Ukraine. Außerhalb Europas gelten Ceylon oder Simbabwe als maßgebliche Graphit-Lieferanten.

Lithium wurde ab 1923 von der damaligen Metallgesellschaft in der Hans-Heinrich-Hütte in Langelsheim im Harz produziert. Der Hüttenbetrieb wurde jedoch 1965 eingestellt. Heute kommt Lithium zumeist aus Südamerika. Hier verfügen Bolivien, Chile und Argentinien über die größten Vorkommen. Die Volkrepublik China kann auf eigene Vorkommen zurückgreifen. Auch Mangan wurde in der Vergangenheit im Harz abgebaut. Darüber hinaus ist die Grube Amalienhöhe bei Bingen am Rande des Hunsrücks bekannt, die 1971 schließen musste. Von den heute bekannten Ressourcen liegen etwa 75 Prozent in Südafrika (Kalahari), Australien, Brasilien und China. In Europa finden sich größere Manganvorkommen in der Ukraine.

Da sich die Erschließung der vorhandenen Rohstoffreserven innerhalb der EU nicht zuletzt aufgrund der umfangreichen EU-Umweltschutzvorschriften nur in den seltensten Fällen wirtschaftlich gestalten lässt und ein konsequentes Absenken der EU-Umweltstandards im Bereich der Rohstoffgewinnung bislang nicht gelungen ist, wird weiterhin versucht, den Bedarf aus Quellen zu decken, wo die Umweltbeeinträchtigung weniger zu Buche schlägt. Der Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung des Rohstoffbedarfs der deutschen Industrie wurde zwar immer mal wieder erwähnt, ein konkreter Einsatzfall wurde dabei jedoch noch nicht öffentlich diskutiert. (Christoph Jehle)

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