Buskampagne wird zur Bustour

Weil städtische Verkehrsbetriebe ablehnten, will die religionskritische Initiative im Mai und Juni kostenlose Themen-Rundfahrten in ganz Deutschland anbieten

Die Buskampagne wollte nach britischem Vorbild mit gespendetem Geld skeptizistische Slogans auf Bussen in deutschen Städten anbringen lassen. Das Geld dafür kam bereits im März zusammen, aber bisher fanden sich keine Verkehrsbetriebe, welche die Werbung erlauben wollen.

Gestern zog auch die Essener Verkehrs-AG (EVAG) eine im April gegebene Zusage zurück. Als Begründung wurde angeführt, dass die Bekanntgabe auf der Website der Kampagne zu "massiven Beschwerden einzelner Kunden geführt" habe, die sich "in ihrer Weltanschauung gekränkt fühlen und deshalb die Dienstleistung der EVAG zukünftig nicht mehr in Anspruch nehmen wollten". Weil das kommunale Unternehmen aufgrund dieser Drohungen "Umsatzeinbußen und Kündigungen von Abonnements" erwarten würde, sei die Entscheidung vom Vorstand des Unternehmens "korrigiert" worden.

Bild: Buskampagne.de

Bei den Berliner und Leipziger Verkehrsbetrieben, der Hamburger Hochbahn, den Regensburger Stadtwerken und den Stuttgarter Straßenbahnen hieß es, man würde grundsätzlich keine Werbung mit weltanschaulichem oder religiösem Inhalt mehr zulassen. Die angefragten Stellen in Dresden, Hannover und München sagten ohne nähere Begründung ab. In Bremen zog man dazu den bevorstehenden Kirchentag sowie eine mögliche Imageschädigung und in Köln den Einsturz des Stadtarchivs beim U-Bahn-Bau heran. Münster und Potsdam verwiesen auf einen angeblichen Mangel an Werbeflächen.

Von Seiten der Nürnberger Stadtwerke war zu hören, man wolle nicht mit Werbung herumfahren, die "persönliche Betroffenheit" auslösen könne, in Dortmund verwies man wiederum auf "lange Diskussionen", in denen man zum Ergebnis kam, dass die Werbebotschaft "gottesverachtend" sei und deshalb nicht angenommen werden dürfe. Auf die traditionellen Stärken einer Mischung aus Behörden und großen Unternehmen besann man sich dagegen beim Frankfurter RMV und bei der Fuldaer LNG: Dort konnte angeblich niemand gefunden werden, der zuständig ist.

Weil den Initiatoren der Kampagne zufolge viele der Absagen nur telefonisch mitgeteilt wurden, könnte ein juristisches Vorgehen, das ein Anwalt derzeit prüft, schwierig werden. Für eine exemplarische Klage am besten eignen sich möglicherweise die Städte Bremen und Dortmund, wo die Betriebe ganz offen zwar religiöse Werbung zulassen, aber der Buskampagne ihr Anliegen verweigern.

In Dortmund wirbt seit kurzem ein Katholisches Forum mit dem in Schwarz und Lila gehaltenem Slogan "Keine Sorge: Es gibt Gott. Also: Schönen Tag!" auf einem Bus der Stadtwerke. Die Gruppe fühlte sich durch die skeptizistischen Kampagnen in England, Spanien und Italien "herausgefordert" und möchte ihrem Sprecher Pater Jürgen Heite zufolge "dazu einladen, über Gott nachzudenken und für Gottvertrauen werben".

Aufgrund der potentiell langen Dauer von Prozessen, in denen mit Verstößen gegen den verfassungsmäßig geschützten Gleichheitsgrundsatz argumentiert wird, wollen sich die Buskampagne-Initiatoren aber lieber auf eine "große Deutschland-Tour" konzentrieren, für die sie bereits einen zweistöckigen Bus angemietet und mit Slogans beklebt haben. Vom 30. Mai bis zum 18. Juni soll dieser Bus über Hannover, Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen zurück nach Berlin fahren.

In insgesamt 24 Städten soll es dabei kostenlose Themen-Rundfahrten geben, in denen angeblich "Spannendes [...] über Aufklärung, Wissenschaft, Religionsgeschichte und Atheismus" zu hören sein wird. Einstiegshaltestellen und Abfahrtszeiten werden den Initiatoren zufolge noch auf der Website bekannt gegeben. An den Abenden sind Veranstaltungen außerhalb des Gefährts geplant, bei denen "Nichtreligiöse, Agnostiker und Atheisten" erfahren sollen "dass sie nicht alleine sind". Sie könnten dadurch, so der Kampagnesprecher Phillip Möller, "mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einmischen."

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