CDU-Politiker Jens Spahn nimmt an Bilderberg-Konferenz teil

2012 fand die Konferenz schon einmal in Chantilly statt. Bild: Mark Taylor/CC BY-2.0

"Krieg um Informationen" auf der Agenda des Machteliten-Zirkels

Der CDU-Politiker Jens Spahn nimmt an der Bilderberg-Konferenz teil, die vom 1-4. Juni im US-Bundesstaat Virginia stattfindet. Das geht aus der Teilnehmerliste hervor, die der Machteliten-Zirkel auf seiner Webseite veröffentlicht hat.

Das Bundestagsbüro von Spahn hat auf eine entsprechende Anfrage von Telepolis bis zum späten Nachmittag nicht reagiert. Bei der Bilderberg-Konferenz, die zum ersten Mal 1954 in den Niederlanden gehalten wurde, handelt es sich um eine 3-4 tägige Zusammenkunft von hochrangigen Persönlichkeiten aus zentralen gesellschaftlichen Teilbereichen - unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Journalisten, Vorstandsvorsitzende großer Verlage, Spitzenpolitiker, Geheimdienstleute, Wirtschaftsgrößen und Top-Vertreter aus dem akademischen Feld: Auch in diesem Jahr versammeln sich auf der Bilderberg-Konferenz 130 Weltenlenker und globale Strategen, um hinter verschlossenen Türen, über die große Weltpolitik zu reden.

Auf der Bilderberg-Internetseite, die seit 2010 online ist, findet sich neben der aktuellen Teilnehmerliste auch die Liste der Themen , die Bilderberg für sein Treffen im Marriot Hotel in der US-Stadt Chantilly auf die Agenda gesetzt hat. Es diskutiert werden über

  • den "Krieg um Information"
  • die "Trump-Regierung"
  • die "Richtung der EU"
  • "Arbeit, Einkommen, nicht-verwirklichte Erwartungen"
  • "Russland in der Internationalen Ordnung"

Die "Bilderberger", wie die Teilnehmer der Konferenz auch bezeichnet werden, gehen außerdem der Frage nach, warum sich "der Populismus" immer weiter ausbreitet und wollen über "aktuelle Ereignisse" sprechen.

Die Treffen der Bilderberg-Gruppe (Die Geldelite verselbständigt sich) , die über Jahrzehnte nahezu völlig unter dem Radar der Medien stattgefunden haben, finden seit einigen Jahren eine zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit.

Als die Konferenz im vergangenen Jahr in Dresden stattgefunden hat, haben zahlreiche Medien über das Treffen im Taschenberg Palais berichtet, während beispielsweise zu den Konferenzen in Wiesbaden (1966), in Aachen (1980), in Baden-Baden (1991), in Rottach-Egern (2005) keine bzw. nur eine sehr spärliche Berichterstattung vorzufinden war.

Die Bilderberg-Konferenzen stehen seit Jahren aufgrund ihrer Geheimniskrämerei in der Kritik. Insbesondere aus demokratietheoretischer Sicht werfen die Zusammenkünfte viele Fragen auf. Der Vorsitzende der Linkspartei in Sachsen bezeichnete 2016 gegenüber Telepolis das Treffen der Machteliten als "absolut vordemokratische Veranstaltung" und für den Münchner Mediensoziologen Rudolf Stumberger spiegeln sich in der Zusammenkunft "Tendenzen der Re-Feudalisierung" ab: "Das heißt, dass neben den offiziellen Strukturen, neben den demokratischen Strukturen, dass die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbst ernannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab."

Die Bilderberg-Konferenzen bieten aber auch im Hinblick auf die Einbindung von Medienvertretern reichlich Kritikpunkte (Leitartikler und Machteliten). So haben über viele Jahre hochrangige Journalisten der Wochenzeitung Die Zeit nicht nur an der Konferenz teilgenommen, sondern waren auch im Lenkungsausschuss der Gruppe integriert.

In einem Interview mit Telepolis verriet der Grünen-Politiker Jürgen Trittin , dass ihn zur Bilderberg-Konferenz 2012, die ebenfalls in Chantilly stattgefunden hat, der Internationalen Korrespondenten der Wochenzeitung "Die Zeit", Matthias Nass, eingeladen hat.

An der aktuellen Bilderberg-Konferenz nimmt beispielsweise neben Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender Axel Springer SE) aus Deutschland auch Oliver Bäte (Allianz), Werner Baumann (Bayer), Thomas Enders (Airbus) oder Susanne Klatten (SKion) auch Frank Bsirske von der Gewerkschaft ver.di teil.

Der Autor des Beitrages hat zusammen mit Björn Wendt, Sascha Pommrenke und Michael Walter das Buch "Wie Eliten Macht organisieren - Bilderberg & Co: Lobbying, Thinktanks und Mediennetzwerke" herausgegeben.

Anzeige