CDU und SPD verlieren dramatisch, auch die CSU bricht ein

Die AfD erreicht aus dem Sprung 13 Prozent und will Merkel "jagen", die SPD will in die Opposition

Der Bundestagswahlkampf galt als langweilig. Bezeichnend dafür war das "Duell" der Kanzlerkandidaten, die sehr verständnisvoll miteinander umgingen und den Anschein erweckten, sie tasteten schon einmal die Bedingungen für noch einmal vier Jahre Große Koalition. Interessant erschien vielen weniger die Themen, hier machte keine der Parteien einen mutigen Sprung in die Zukunft, denn die Frage, wie viel Prozent die AfD erhalten wird und ob es die FDP schafft, zu einem Koalitionspartner der Union zu avancieren.

Nach den ersten Hochrechnung von infratest dimap (die Forschungsruppe Wahlen kommt zu ganz ähnlichen Ergebnissen) verlieren die Parteien der einstigen Großen Koalition massiv, die Union mit 9 Prozent am meisten und kommt nur noch auf 32,7 Prozent (das zweischlechteste Ergebnis), die SPD erreicht mit Verlusten von 5 Prozent nur noch 20 Prozent. Der Schulz-Effekt ging also nach hinten los. Zwar wäre noch eine Regierungskoalition Schwarz-Rot möglich, aber sie wäre nicht größer als eine Jamaika-Koalition.

Die SPD kündigte an, nicht mehr mit der Union eine Koalition zu bilden und in die Opposition zu gehen, die Wahl sei eine Absage an eine Große Koalition.

Die AfD kündigte schon mal über Alexander Gauland und unter frenetischem Beifall an, dass sie Merkel "jagen" und "unser Land zurückholen". Sie wird drittstärkste Partei im Bundestag und könnte 89 Sitze erreichen.

Die Linke konnte zwar leicht zulegen, musste aber der AfD weichen und wird zur kleinsten Oppositionspartei. Die FDP kommt auf 10,5 Prozent und überholt die Linke (8,9%) und die Grünen (9,5%) - allerdings haben sich inzwischen die Ergebnisse für Linke und Grüne angenähert. Man hatte ja schon gewähnt, dass die Gefahr bestünde, dass die Grünen aus dem Bundestag fallen könnten. Desto erleichterter war man nun dort und feierte das Ergebnis begeistert. Jetzt ist man im Spiel, wieder an die Regierung zu kommen.

Wenn die SPD wirklich in die Opposition geht, dann bleibt als einzige Option eine Jamaika-Koalition mit der Alternative Neuwahlen. Grüne und Liberale werden die Union zu vielen Zugeständnissen zwingen, die Position von Angela Merkel ist deutlich geschwächt. Oder tritt sie vielleicht noch zurück? Man habe sich "ein wenig mehr erhofft", sagte sie, man habe die "strategischen Ziele" erreicht. Die Union sei stärkste Kraft, sie könne eine Regierung bilden, gegen sie könne aber keine gebildet werden.

Die CSU kann nicht triumphieren, auch sie brach massiv ein und kommt wohl nicht einmal mehr auf 40 Prozent. Wohin die Richtung geht, machte Ministerpräsident Seehofer klar: "Wir haben eine offene Flanke auf der rechten Seite." Das nachdem die Strategie, AfD-Positionen zu übernehmen, gerade nicht verfangen hat. Aber man will nun weiter auf mehr Sicherheit und eine Anti-Flüchtlingspolitik setzen. (Florian Rötzer)

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