CIA: "Abteilung für digitale Innovation" soll die "antizipatorische Aufklärung" verbessern

CIA-Werbung. Bild: CIA

Angeblich will man bereits mit Deep Learning und Daten aus öffentlichen Quellen Ereignisse auf 3-5 Tage genau vorhersagen können

Im Oktober des letzten Jahres verkündete der Geheimdienst CIA die Eröffnung einer neuen Abteilung. Das war seit 1963 nicht mehr geschehen. Mit dem neuen "Directorate of Digital Innovation" will der Geheimndienst auch demonstrieren, dass man mit der technischen Entwicklung im digitalen Zeitalter mithalten kann und will. Die Abteilung ist natürlich kreativ und soll die Innovation im digitalen und Cyber-Bereich beschleunigen und die Arbeit der Angestellten mit Techniken und Werkzeugen im Cyberraum und mit Big Data verbessern.

Man müsse in einer sehr viel stärker vernetzten Welt arbeiten, so sagte der Direktor der Abteilung, Andrew Hallman, aber weiterhin verdeckt bleiben. Wichtig sei es nicht nur, den CIA-Agenten beim Hacken und Ausspähen zu helfen, sondern auch an Quellen an Orten heranzukommen, an denen keine Agenten am Boden sind, was er "standoff access" nennt.

Verbessert werden müsse auch das Datenmanagement und vor allem die Auswertung der vielen digitalen Daten aus der ganzen Welt, die beim Geheimdienst einlaufen. Aus denen müsse man die Möglichkeit gewinnen, besser Ereignisse vorhersagen zu können. Er verwendete das Wort "forecast" und versuchte, dies von "prediction" abzugrenzen: "Wir gewinnen die Fähigkeit, die Bedingungen der Veränderung zu antizipieren, um festzustellen, ob es sich um Anomalien handelt oder um Bereiche, auf die wir uns konzentrieren müssen. Diese Abteilung wird die Aufmerksamkeit auf diese "antizipatorische Aufklärung" richten." Dazu würden etwa die Sozialen Netzwerke helfen. Sie würden wie ein Thermometer die "Temperatur einer ganzen Bevölkerung" messen, also dabei helfen, die kollektive Gefühlslage zu erfassen.

Das war bereits das Ziel eines Programms von IARPA, der Forschungsbehörde der Geheimdienste. Automatisch und kontinuierlich sollen alle offen zugänglichen Quellen (Open Source Indicators - OSI) ausgewertet werden, um so "wichtige gesellschaftliche Ereignisse wie Krisen, Aufstände, Flüchtlingsbewegungen, ökonomische Instabilitäten, Epidemien … zu entdecken oder zu antizipieren". Bislang sind die US-Geheimdienste eher nicht durch Vorhersage größerer Ereignisse hervorgetreten.

If we are to excel in the wired world, the digital domain must be part of every aspect of our mission. In practical terms, it means that our operations officers must be able to maintain their cover in a dynamic digital environment and collect in it as well. It means that our analysts must be able to quickly process and analyze enormous volumes of data. And it means that our IT experts must be able to harden our networks against intrusion and better protect our sources and methods.

CIA-Direktor John Brennan über die neue Abteilung

Jetzt erklärte Hallmann, dass seine Abteilung nach einem Jahr deutliche Fortschritte bei der "antizipatorischen Aufklärung" erzielt habe, um den weltweiten Fluss von Schwarzgeld bis hin zu Extremisten besser vorhersagen zu können. Deep Learning und andere Methoden des Maschinenlernens scheinen eingesetzt zu werden, um die Analysten auf die Verbindung von unterschiedlichen Datensets zu bringen oder eben Vorhersagen auf künftige Ereignisse zu ermöglichen. Hallman erklärte auf einer Konferenz, dass es gelungen sei, die Entwicklung von sozialen Unruhen und gesellschaftlichen Instabilitäten" auf "drei oder fünf Tage" genau vorhersagen zu können.

Ob das nur eine Erfolgsmeldung ist, weil erste Fortschritte nach einem Jahr erwartet werden, oder genauere Vorhersagen tatsächlich erreicht wurden, muss natürlich offen bleiben, da der Geheimdienst gerne alle verfügbaren Daten absaugt, aber selbst verschlossen bleibt. Hallman erklärt freilich auch, dass seine Abteilung versucht, aus Erkenntnissen der Gesellschaftswissenschaften Indikatoren für die Entwicklung von Instabilität, Regierungsstürzen und Wirtschaftskrisen abzuleiten, um so zu erfassen, was die "Instrumentierung des Planeten" wird.

Die CIA will ihre Agenten "im Außendienst" mit einem besseren Verständnis der "digitalen Aufmerksamkeit" ausstatten, was immer das näher heißen mag. Hallman spricht lediglich davon, dass mit Cloud Computing und anderen Methoden besser die wachsenden Datenmengen ausgewertet werden können. Das ist nicht neu und könnte nur ein Zwang sein, der aus der Neigung entstanden ist, erstmals alle Datenströme anzuzapfen und einzusammeln, um dann zu sehen, was man daraus machen kann, anstatt gezielt nach bestimmten Informationen zu suchen. Man gewinnt den Eindruck, die CIA und die anderen Geheimdienste fahren nur noch mit dem Navigationsgerät durch die Welt, die sie direkt gar nicht mehr erkunden. Nun sollen auch die Agenten vor Ort möglichst im Datennebel eingehüllt werden.

Hallmann kritisiert allerdings, dass die Politiker und Entscheidungsträger jahrzehntelang das Vertrauen in traditionelle Geheimdienstarbeit gepflegt hätten, während es viel schwerer sei, deren Vertrauen bei Entscheidungen durch "fortgeschrittene Analytik mit Deep-Learning-Algorithmen" zu erlangen. Das habe sich aber mit dem Start seiner "digitalen Abteilung" verändert. Die Analysten würden öfter Beobachtungen gegenüber Politikern äußern, die auf diese Weise erlangt wurden. Man könne dadurch "ein klareres Bild von den sich entfaltenden Ereignissen in einer zunehmend unklaren Welt" erhalten. Wenn man jetzt noch wüsste, warum die Welt zunehmend unklar werden soll, was die Anwendung von Big Data und damit das umfassende weltweite Sammeln von Daten rechtfertigt, würde man vielleicht schon ein wenig klarer sehen. (Florian Rötzer)