CSU-Bundesminister will wöchentlich drei Veggie-Tage an Schulen erzwingen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung soll Umsetzung kontrollieren

Am Dienstag veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Pressemitteilung zum Essen in Schulkantinen. Darin heißt es, Ziel des Ministeriums sei, dass der "Qualitätsstandard" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für alle deutschen Schulen "verbindlich" wird.

Dazu sollen Schulen von Essenslieferanten Nachweise einfordern, über die ein "Nationales Qualitätszentrum" der DGE wacht. Wer sich nicht an deren Vorgaben hält, soll keine Genehmigung des neuen "Ernährungs-TÜVs" und keine Aufträge von Schulen bekommen. Will ein Caterer dies vermeiden, dann muss er sich "im Wesentlichen" an folgende Vorgaben halten:

Jeden Tag Gemüse, Salat oder Rohkost und Trink- oder Mineralwasser. Dazu mindestens zweimal die Woche Obst und Milchprodukte, Fleisch maximal zweimal [Hervorhebung TP], Seefisch mindestens einmal in der Woche.

So kann es Wählern in Deutschland gehen: Da verschmähen sie die Grünen wegen des Veggie Days - und bekommen genau diesen in verdreifachter Turbo-Version von einem CSU-Landwirtschaftsminister serviert. Vorerst betrifft sie die Drei-Fünftel-Veggie-Woche allerdings nicht direkt, sondern nur ihre Kinder.

Die sollen der Pressemitteilung des Bundesernährungsministeriums nach "stärker mitreden, was auf die Teller kommt und wie es präsentiert wird". Dabei könne es allerdings "nicht darum gehen, jeden Tag Pizza und Pommes auf den Tisch zu bringen". Anderswo nennt man so etwas "gelenkte Demokratie".

Dass die Schüler etwas anderes wollen als Bundesernährungsminister Christian Schmidt, zeigen ihre Antworten aus einer Umfrage der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit über 12.000 Teilnehmern: Danach schmecken Jungen wie Mädchen Pizze, Nudelgerichte und Pfannkuchen. Suppen, Spinatgerichte und Fisch mögen sie dagegen gar nicht.

Es ist deshalb denkbar, dass die mindestens drei wöchentlichen Veggie-Tage an Schulen auf Schmidt und die CSU zurückfallen: So ging es unlängst der amerikanischen Präsidentengattin Michelle Obama, die unter dem Banner der Übergewichtsbekämpfung neue Regeln für das Mittagessen an US-Schulen durchsetzte. Dem folgte ein Shitstorm, bei dem Schüler unter dem Hashtag #ThanksMichelleObama massenhaft Fotos der salz- fett- und geschmacksarmen Matschgerichte posten, den sie nun teilweise vorgesetzt bekommen.

Dabei ist keineswegs sicher, dass das von der DGE empfohlene Essen tatsächlich zu gesünderem Nachwuchs führt: Das liegt zum einen daran, dass Kinder in Zukunft wahrscheinlich öfter mal zum Kiosk als in die Schulkantine gehen, wenn es Gemüse statt Pizza gibt. Zum anderen sind die Empfehlungen der DGE nicht immer wissenschaftlich fundiert, sondern manchmal eher ideologiegeprägt:

Das zeigte der Eschborner Oecotrophologe Uwe Knop, als er nachbohrte, warum die DGE trotz mangelnder Nachweise für einen Schutz vor Krebs und vor Herz-Kreislauf-Krankheiten und trotz Hinweisen auf eine mögliche Begünstigung von Magen-Darm-Krankheiten an ihrer Fünf-mal-am-Tag-Obst-und-Gemüse-Empfehlung festhält.

Ähnliches gilt für das DGE-Schuldogma, höchstens zwei Mal in der Woche Fleisch zu servieren: Hier zeigt ein Blick auf die Statistiken, dass Franzosen, Spanier und Italiener deutlich mehr Fleisch essen als Deutsche - und länger leben.

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