Chavez und die Todesspritze

Interimspräsident Maduro verbreitet die Ansicht, dass die Krebserkrankung von Chavez ein Anschlag war und dass nun CIA und Co. planen, seinen Gegenkandidaten bei den Wahlen zu töten

Auf Fidel Castro hatte die CIA zahlreiche Anschläge vorbereitet, aber alle scheiterten. Schließlich erließ Präsident Gerald Ford 1975 eine "Executive Order" (11905), nach der es jedem, der für die amerikanische Regierung arbeitet, verboten wurde, sich an Mordanschlägen zu beteiligen. Dass Militär und Geheimdienste keine einzelnen Menschen gezielt töten dürfen, wurde aber nach 9/11 schnell aufgehoben (Lizenz zum Töten). George W. Bush gab der CIA die Erlaubnis für gezielte Tötungen von Terroristen, Barack Obama hat die Lizenz zum Töten mit dem Drohnenkrieg und verdeckten Einsätzen wie der Operation, in der Osama Bin Laden und weitere Personen getötet wurden, auch auf das Militär erweitert und vor allem Drohnenkrieg zu einer Dauerstrategie gemacht.

Hugo Chávez Frías. Bild: www.chavez.org.ve

Wenn der venezolanische Interimspräsident Nicolas Maduro als Nachfolger von Hugo Chavez nach dessen Tod am 5. März verkündete, dass dessen "unnatürlicher" Tod von "historischen Feinden" verursacht worden sei, dann sind damit die USA gemeint. Bekanntlich hatte sich die Bush-Regierung hinter die Putschisten gestellt, wahrscheinlich auch direkt mit diesen kooperiert, die 2002 Chavez für einen Tag gestürzt hatten, bevor er wieder vom Militär befreit wurde.

Chavez hatte selbst Ende 2011 diese Vermutung verbreitet, nachdem er selbst an Krebs erkrankt war und dies auch von der argentinischen Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner bekannt geworden war (Venezuelas Wahlcomputer sind nach Chavez nicht manipulierbar). Er sagte damals, die USA würden ungeliebte Politiker in ihrem Hinterhof nicht mehr wie Jahrzehnte lang durch Gewalt, verdeckte Aktionen und Unterstützung der jeweiligen Opposition stürzen, sondern durch Krebs. Zumindest sei es "sehr seltsam", dass viele linke Regierungschefs in Lateinamerika wie er, Kirchner, Paraguays Präsident Fernando und Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff Krebs bekommen hätten. Auch Luiz Inácio Lula da Silva leidet an Krebs.

Maduro, der von Chavez selbst gekürte Nachfolger, der am 14. April auch als Präsidentschaftskandidat bei den Wahlen antritt, setzt, ebenso wie Evo Morales, der Präsident Boliviens, die angesichts der Eingriffe der USA in ihren "Hinterhof" suggestive Verschwörungstheorie fort. Maduro sagte, Chavez habe selbst diese Intuition seit seiner Erkrankung im Juni 2011 gehabt. Warum die Krebserkrankung von Chavez, dessen Leichnam zunächst einbalsamiert werden sollte, um im Museum der Revolution ausgestellt zu werden, so ungewöhnlich gewesen sein soll, verrät er zwar nicht, hat aber angekündigt, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Der Wissenschaftsminister und Interims-Vizepräsident Jorge Arreaza, ein Schwiegersohn und Vertrauter von Chavez, soll die Kommission leiten, was nicht für Unabhängigkeit spricht. Maduro sagte, man werde wichtige Wissenschaftler aus aller Welt einladen, um den Tod zu untersuchen.

Vollständig von der Hand zu weisen ist nicht, dass Krebs durch eine Injektion heimlich induziert werden könnte, auch wenn es höchst unwahrscheinlich ist. Man könnte beispielsweise starke Karzinogene injizieren oder menschliche Krebszellen. Letzteres dürfte nicht ganz so einfach sein, da Krebszellen, die nicht vom Opfer selbst stammen, vermutlich vom Immunsystem vernichtet werden. Das Opfer könnte starker Strahlung ausgesetzt worden sein, am besten würde ein solcher "Anschlag" vielleicht mit Onkoviren erfolgen können. Aber bislang ist noch kein Fall einer solchen Krebsübertragung bei Menschen bekannt. Manche Ärzte sagen, technisch sei es durchaus möglich, andere betrachten einen solchen Mordanschlag als Unsinn.

Mittlerweile verbreitet Maduro bereits eine weitere Verschwörungstheorie. Angeblich soll er bei US-Präsident Obama angerufen und ihn gewarnt haben, dass "Mitarbeiter des Pentagon und der CIA" sowie die früheren Botschafter Roger Noriega und Otto Reich zusammen mit rechten Kräften aus Venezuela die Ermordung des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Henrique Capriles planen würden, um Venezuela ins Chaos zu stürzen und die Schuld der bolivischen Regierung in die Schuhe zu schieben. Die Übergangsregierung werde die Sicherheit aller Präsidentschaftskandidaten, besonders die von Capriles, schützen. Überdies würden Teile der Opposition, finanziert durch Gelder der "imperialistischen Eliten", versuchen die Regierung zu stürzen, sagte Maduro am Samstag.

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