Chelsea Manning begeht Suizidversuch

C helsea Manning auf der re:publica 2018. Bild: Gregor Fischer/re:publica/CC BY-SA-2.0

Whistleblowerin in Krankenhaus verlegt. Anhörung am Freitag. Heftige Reaktionen im Netz

Die ehemalige Informantin der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Chelsea Manning, hat nach fast einjähriger Beugehaft in den USA einen Suizidversuch begangen. Nach Angaben ihrer Anwälte wurde sie in ein Krankenhaus verlegt und werde dort stationär behandelt. Trotz des Suizidversuchs sei weiterhin geplant, dass die Whistleblowerin am Freitag vor einem Bundesgericht erscheint, wo sie im Zuge einer Anhörung aussagen soll.

Im Netz sorgte die Nachricht für teils heftige Reaktionen. "Chelsea Manning versucht, sich das Leben zu nehmen, damit sie nicht gegen (WikiLeaks-Gründer) Julian Assange aussagen muss, der ebenfalls in sehr schlechtem Gesundheitszustand ist", kommentierte der britische Sachbuchautor, Aktivist und Journalist Iain Overton auf Twitter: "Ich hätte gehofft, dass diese Geschichte von einigen wichtigen Journalisten, die über WikiLeaks berichtet haben, stärker aufgegriffen wird", so Overton weiter. Dies sei leider nicht der Fall.

Manning hatte vor einer geschlechtsangleichenden Operation als Mann gelebt und WikiLeaks als Bradley Manning im Jahr 2010 Hunderttausende geheime Regierungs- und Militärdokumente zukommen lassen. Dabei ging es maßgeblich um die US-Militäreinsätze und Kriegsverbrechen in Irak und Afghanistan. So enthüllten Manning und WikiLeaks einen Angriff auf Zivilisten und Journalisten durch einen US-Kampfhubschrauber in Bagdad.

Manning sitzt nach einem Geheimverfahren seit Mai 2019 wegen angeblicher Missachtung des Gerichts in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Virginia in Beugehaft. Sie hatte sich geweigert, über den Gründer von WikiLeaks, Julian Assange, belastende Aussagen zu Protokoll zu geben. Bei der Anhörung an diesem Freitag nun soll es um eine mögliche Haftentlassung gehen. Dies hatten die Anwälte Mannings mehrfach gefordert, seit sie in Beugehaft genommen worden war.

Zuvor hatte Manning nach ihrer Enttarnung bereits sieben Jahre in US-Militärhaft gesessen, nachdem sie 2010 in Untersuchungshaft genommen worden war. Von einem Militärgericht wurde sie zu 35 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Manning kam 2017 aufgrund einer Anordnung des damals scheidenden US-Präsidenten Barack Obama vorzeitig frei.

Wie auch Overton beklagte der US-Journalist und WikiLeaks-Experte Kevin Gosztola heute die mangelnde Solidarität von Journalisten und Medien. "Wie viele Journalisten, die in den Jahren 2010 bis 2011 eng über WikiLeaks berichteten, fühlen sich überhaupt noch verpflichtet, jetzt darüber zu berichten?", schrieb er auf Twitter. Sie missachteten Assange und machten sich dabei mitschuldig an der unmenschlichen Behandlung von Manning.

Die Linke "fordert die sofortige Freilassung der Whistleblowerin Chelsea Manning aus der US-Beugehaft, damit sie medizinisch angemessen behandelt werden und genesen kann. Die Bundesregierung muss der Dissidentin Chelsea Manning politisches Asyl anbieten“, erklärt Sevim Dagdelen, Außenexpertin der Fraktion Die Linke und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. (Christian Kliver)