China: Innen Hui, Außen Pfui

"Nicht anders als die westliche Konkurrenz"

Die Weltbank ist Nepals größter Kreditgeber. Das chinesische Gegenstück zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfond ist die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB). "Sie arbeitet nicht anders als die westliche Konkurrenz - nur drückt sich China gewählter aus", sagt der Menschenrechtler Hasan Mehedi und fährt fort:

Die chinesischen Verantwortlichen luden mich sogar nach Peking ein, wo ich meine Kritik gegen einige ihrer Projekte in Bangladesch vortragen durfte. Über eine Stunde nickten sie verständig und gelobten Besserung… nichts ist seitdem besser geworden. Zurzeit arbeite ich an einem Handbuch mit vielen Beispielen für den Umgang mit China, damit meine Kollegen wissen, dass sie sich nicht von den schönen Worten einlullen lassen dürfen. Unter dem Strich geht es auch Peking nur um Einfluss und darum, die Entwicklungsländer durch Kredite in die Schuldenabhängigkeit zu treiben.

Hasan Mehedi

Auch Pakistan hilft China mit Kohlekraftwerken auf die Sprünge. In Islamabad plant die Regierung die Stromgewinnung aus Kohle von unter Ein-Prozent auf über 50 Prozent zu steigern. Alleine aus der Wüste Thar sollen durch chinesische Firmen jedes Jahr 3,8 Millionen Tonnen abgebaut werden - die gesamten Kohlevorkommen in der Wüste Thar reichen aus, um die nächsten 100 Jahre jährlich 200.000 MW Strom zu produzieren.

Doch die Kohleförderung ist sehr wasserintensiv und schon jetzt sind Grundwasserstöcke in der Nähe der Kohlegruben leer. In Anbetracht von Pakistans schweren Wasserproblemen fördert das den "Selbstmord auf Raten" des Landes.

Auch die indischen Gerbereien wie in Kolkata Bantala arbeiten nur eine Idee sauberer. Foto: Gilbert Kolonko

Dazu gibt es auch in Pakistan für China spezielle Wirtschaftszonen, in denen die Gesetze des Landes sogar offiziell nicht gelten.

Doch in Pakistan zeigt sich auch, dass China gelernt hat, eigene Pläne zu hinterfragen: Pakistans Generäle haben schon die Vereinigten Staaten von Amerika knapp 30 Jahre an der Nase herumgeführt und die letzten 19 Jahre als Melkkuh benutzt. 60 Milliarden hat China in den letzten Jahren im Zuge der Neuen Seidenstraße in Form von Krediten in Pakistan investiert, trotzdem ist das Land weiter in einem jämmerlichen Zustand.

Die pakistanische Rupie stürzte im ersten Amtsjahr von Imran Khan von 122 gegen über den Dollar auf 150 Rupien ab. Die pakistanische Börse ging Ende Mai so dramatisch auf Talfahrt, dass die Aktienhändler ihren Premierminister um Hilfe riefen.

Doch der ist trotz bester Absichten ein Gefangener der Geister, mit denen er zusammenarbeiten musste, um die Wahlen zu gewinnen: Der Armee, die andauernd das eigene Land bestiehlt und der Geister des Establishments, dem er erneut Steuern erlassen musste.

Die Zeche zahlte die Masse der Bevölkerung, mit der Erhöhung der indirekten Steuern. Trotzdem ist Pakistan wieder pleite und musste erneut beim IWF betteln gehen, um die laufenden Kosten bezahlen zu können: Über die Hälfte des Staatshaushaltes muss für die Armee und die Schuldenbegleichung ausgegeben werden. Doch den pakistanischen Generälen hat China jetzt gezeigt, dass es wegen ihrer Spielchen mit den Extremisten nicht das Geschäft mit Indien aufs Spiel setzt.

Vor einem Monat hat China zugestimmt, dass Mazood Azhar auf die Terrorliste der UN gesetzt werden kann. Mazood Azhar ist der Führer der Jaish-e-Mohammed, die hinter zahlreichen Anschlägen in Indien steckt und von der pakistanischen Armee und den Geheimdiensten hofiert wurde, da die Terrororganisation hilfreich im Kampf um Kaschmir war.

In Bangladesch, Indien und Pakistan wird zudem auch ohne Chinas Hilfe Kohle in Massen verbrannt. Foto: Gilbert Kolonko

Es bleibt zu hoffen, dass Peking auch eigene Fehler begriffen hat: Einfach ein paar tausend chinesische Arbeiter unvorbereitet in eine völlig fremde Kultur zu schicken, funktioniert nicht. Auch wenn anzumerken ist, dass sich nur eine geringe Anzahl von Chinesen in Pakistan danebenbenimmt, irgendwann macht es die Masse der "unangenehmen" Vorfälle und die Stimmung kippt: chinesische Banden, die Bankautomaten manipulieren; ein chinesischer Menschenschmuggler-Ring, der pakistanische Frauen nach China verkauft.

China hat den Schlüssel in der Hand

Dazu chinesische Arbeiter, die ihre pakistanischen Aufpasser verprügeln. Dabei war es ein pakistanischer Wachmann, der sich im November 2018 vor dem chinesischen Konsulat in Karatschi einem Selbstmordattentäter in den Weg stellte und mit seinem Leben Schlimmeres verhinderte. In China wurde daraufhin Geld für die Angehörigen gesammelt.

Zwei Monate zuvor gab es einen Selbstmordanschlag auf chinesische Arbeiter in Belutschistan, der drei pakistanischen Polizisten das Leben kostete. Trotzdem kam es auch schon zu ermordeten chinesischen Staatsbürgern. Wenn Peking in Pakistan erfolgreich sein möchte, müssen die Parteimanager aufhören, rein strategisch und profitabel wie der größte Konzern der Erde zu denken.

Ein Blick auf die Taten der USA in dieser Region verrät, dass einzig China einen Schlüssel in der Hand hält, um das beinahe Unmögliche zu schaffen: Pakistan wieder auf die Beine zu bekommen und die pakistanischen Generäle zur Vernunft zu bringen. Das würde auch Afghanistan eine echte Chance ermöglichen.

Wer wirklich glaubt, die USA sind in Afghanistan wegen der Bodenschätze oder eines anderen ausgeklügelten Planes, traut Washington bei weitem zu viel zu: In seinem mit wissenschaftlichen Methoden erarbeiteten Buch Directorate S zeigt Steve Coll detailliert auf, dass die Erde nicht von Verschwörern gelenkt wird, sondern von Stümpern.

Selbstverständlich war Afghanistan für die amerikanische Kriegsindustrie in großes Geschäft, aber ansonsten ein riesiges Desaster, das entstand, weil es keinen wirklichen Plan gab, was die USA eigentlich nach "Kriegsende" in Afghanistan wollten.

In Gabtoli wird die Kohle von Schiffen auf Laster verladen, dabei verfärbt sich die Umgebung schwarz. Bild: Gilbert Kolonko

Natürlich ist China auch nicht der Hauptschuldige am Klimawandel. 1948 entwickelte Maria Telkes in den USA ein Solarhaus, dass sich zu 75 Prozent selbst versorgte. Schon Mitte der 1950er-Jahre besaßen 80 Prozent aller Haushalte in Kalifornien einen solarbetriebenen Durchlauferhitzer.

Doch dann setzten sich die Industriebosse der Kohle- und Stromindustrie zusammen und nahmen dabei einen Schauspieler zur Hilfe, der das in Werbespots machte, was er später als Präsident der Vereinigten Staaten mit Margarete Thatcher tat: Im Auftrag der Industrie die Bevölkerung verblöden und es freie Marktwirtschaft nennen. Beides passiert heute noch, nur die Namen der Schauspieler in Werbung, Politik und Presse wechseln, um für das Märchen vom freien Markt zu werben.

Wenn der Westen wirklich einen freien Markt gelebt hätte, würde China wohl schon seit Jahren massenweise Solaranlagen an Bangladesch, Indien oder Pakistan verkaufen, anstatt Kohlekraftwerke. Obwohl wahrscheinlicher ist, dass China ohnehin ein sehr anderes Land geworden wäre. (Gilbert Kolonko)