China soll von westlicher Technik abgeschnitten werden

Europäische Firmen kommen immer häufiger unter die Räder, weil die USA ihre Handelssanktionen gegen China immer stärker ausweiten

Derzeit finden in erster Linie die US-amerkanischen Blockadedrohungen gegen Nord Stream 2 ihren Weg in die mediale Öffentlichkeit sowie die Idee, den Smartphone- und Netzausrüstungshersteller Huawei vom Markt zu verdrängen, was den Aufstieg der Chinesen bislang nicht wirklich bremsen konnte.

Steht hinter der Nord-Stream-2-Blockade das seltsamerweise auch von den deutschen Grünen unterstützte Interesse, verflüssigtes Frackinggas aus den USA in Deutschland zu verkaufen, ist die Situation im Bereich der Elektronik deutlich komplexer und lässt sich nicht durch den Bezug teurerer US-Technik lösen, weil es die im Bereich der Consumer Electronic in der benötigten Vollständigkeit gar nicht mehr gibt.

Zwar werden noch einzelne Komponenten wie Glas für Displays in den USA produziert, aber das Know- how beispielsweise in der Fertigungslogistik ist bei chinesischen Fertigern inzwischen so hoch entwickelt, dass kaum ein Anbieter von höheren Stückzahlen hier um die chinesische Erfahrung herumkommt.

Da der chinesische Binnenmarkt heutzutage den in den USA und der EU gemeinsam deutlich übersteigt, wäre der asiatische Vorsprung nur noch dadurch zu bekämpfen, dass man versucht, chinesische Hersteller von westlichem Know-how abzuschneiden und keine Komponenten, Software oder Fertigungsanlagen nach China verkauft.

Das mag kurzfristig zwar die von den USA gewünschte Wirkung zeigen, dürfte mittelfristig aber dazu führen, dass die westlichen Firmen China als Absatzmarkt verlieren und China gleichzeitig zwingen wird, die fehlende Technologie selbst zu entwickeln, um von westlicher Technik unabhängig zu werden.

US-Blockade gegen Huawei

Im Bereich der Software hat das Verbot, US-amerikanische Software in neuen Smartphones von Huawei einzusetzen, letztlich nur in den USA funktioniert, wo der Absatz von Huawei eingebrochen ist, was jedoch durch die Absatzsteigerungen auf dem Heimatmarkt überkompensiert wurde. Inzwischen haben die USA die Blockade gegen Huawei auf 38 weitere Huawei-Tochterunternehmen ausgedehnt, die mehrheitlich ihren Sitz außerhalb Chinas haben.

Gerade der große Verkaufserfolg von Huawei, der das chinesische Unternehmen in die Spitzenposition der Smartphonehersteller geführt hat, bringt die Firma inzwischen in die Klemme, weil ihre Chip-Vorräte dahinschmelzen und die bisherigen Vertragslieferanten von den USA bedrängt werden, keine weitere Bausteine zu liefern und jetzt keinen der Lieferverträge verlängern.

Jetzt rächt sich die vergangene Firmenpolitik, zwar Chips selbst zu entwickeln, deren Produktion jedoch an etablierte Foundries zu vergeben, die ihre Fertigung nicht in Mainland China haben und zumindest teilweise US-amerikanisches Know-how nutzen oder US-amerikanische Komponenten. Da mit dem faktischen Verbot, Huawei zu beliefern, sich auch für den Chipentwickler Qualcomm drastische Umsatzeinbußen abzeichnen, könnte das Unternehmen aus San Diego sich als potenter Fürsprecher für Huawei erweisen, denn Qualcomm befürchtet (Bezahlschranke), sein Chipgeschäft mit Huawei an Samsung in Südkorea und Mediatek in Taiwan zu verlieren.

Die Südkoreaner haben nicht zuletzt für Huawei eine Fertigung eingerichtet, die nur Komponenten von europäischen und japanischen Ausrüstern verwendet und frei von Rechten US-amerikanischer Unternehmen sein soll.

Der Verkauf von Fertigungstechnik nach China wird derzeit massiv behindert

Der Widerstand der USA gegen die mögliche Lieferung fortgeschrittener Technologie an China trat in Deutschland erstmals mit dem beabsichtigten Verkauf des Maschinenbauers Aixtron an den Fujian Grand Chip Investment Fund ans Licht der Öffentlichkeit. In der Folge des amerikanischen Widerspruchs zog das Bundeswirtschaftsministerium im Oktober 2016 seine nur einen Monat zuvor erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung zurück, was den Verkauf verhinderte.

Seither wurden die Einspruchsmöglichkeiten gegen chinesische Unternehmenskäufer deutlich verschärft. Zwei Jahre darauf ist dann der Übernahmeversuch der Leifeld Metal Spinning AG durch die chinesische Yantai Taihai Gruppe am Einspruch der Bundesregierung gescheitert und von chinesischer Seite zurückgezogen worden. Verkauft wurde das Unternehmen dann im Mai 2020 an Nihon Spindle, eine Tochtergesellschaft von Sumitomo Heavy Industries in Japan.

Im Falle des Industrieroboterherstellers Kuka in Augsburg konnte der Mehrheitsanteil noch an den Midea-Konzern verkauft werden. Erfolgreich war 2018 auch der Verkauf von Ledvance, dem ehemaligen Consumerbereich von Osram an das chinesische Lichtunternehmen MLS. Und beim Sitzhersteller Grammer kam ebenfalls im Jahre 2018 der Übernahmeversuch der bosnischen Prevent-Gruppe letztlich dern Beteiligungswünschen der chinesischen Ningbo Jifeng zu Hilfe.

Niederländischer Machinenbauer ASML derzeit im US-Feuer

Der niederländische Hightechkonzern ASML, der aus dem Eindhovener Philips-Konzern hervorgegangen ist, hat eine Maschine entwickelt, die mit Hilfe von extreme ultravioletten Licht (EUV) deutlich mehr Informationen auf einen noch kleineren Mikroprozessor packen kann als alle bisher üblichen Verfahren und hat damit die japanischen Wettbewerber Nikon und Canon weitgehend aus dem Geschäft geboxt.

Die Lichtquelle kommt vom schwäbischen Maschinenbauer Trumpf und die Optik von Carl Zeiss SMT, an welchem sich ASML inzwischen beteiligt hat. Weiteres optische Know-how hat man sich mit der äußerlich eher unscheinbaren Firma Berliner Glas zugekauft, in der das Wissen zahlreicher alteingesessener Optikspezialisten aufgegangen ist. So gehört die auf Wild in Heerbrugg in der Schweiz zurückgehende SwissOptic mit ihrer chinesischen Tochter in Wuhan zum Verkaufspaket.

Der chinesische Chiphersteller SMIC wartet auf eine der Maschinen von ASML, kommt aber aufgrund des Einspruchs der USA nicht mehr zum Zuge. Gerade für 5G sind die Chips, die mit den Maschinen von ASML produziert werden können, von essentieller Bedeutung. Dennoch bleibt China gegenüber den Restriktionen der US-Verwaltung bemerkenswert ruhig und zeigt keine sichtbare Angst vor dem von den USA angekündigten "tödlichen Schlag".

Möglicherweise zählen da auch die inzwischen bekannt gewordenen Aktivitäten der chinesischen Chiphersteller QXIC und HSMC dazu, Mitarbeiter der Taiwaner Foundry TSMC, die bislang auch Huawei beliefert hat, für das doppelte Gehalt anwerben, um eine konkurrenzfähige chinesische Chipindustrie aufzubauen.

Wenn die aktuellen Chips von Unternehmen wie QXIC und HSMC derzeit noch nicht wirklich überzeugen, muss man berücksichtigen, dass die beiden Unternehmen erst 2017, bzw. 2019 gegründet wurden. Dass der chinesische Kapitalmarkt für den Aufbau einer eigenen Chipindustrie ausreichend Volumen bereitstellen kann, mag heute kaum noch jemand bezweifeln. Somit besteht die begründete Gefahr, dass China im Ernstfall auf westliches Know-how schon in absehbarer Zukunft gar nicht mehr angewiesen sein könnte. (Christoph Jehle)