China testet künstlichen Beleuchtungsmond

Gao Qipei - Bambus, Pflaumenblüten und der Mond (1713)

Der Satellit soll dabei helfen, Strom zu sparen

Wu Chunfeng, Leiter der Wissenschaftsgesellschaft Tian Fu und Vorsitzender des eng mit dem chinesischen Weltraumprogramm verbundenen Unternehmens Casc, hat in der Zeitung China Daily angekündigt, dass man vom Sichuaner Weltraumbahnhof Xichang 2020 einen Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde schicken wird, der nicht der Kommunikation, sondern der Beleuchtung dienen soll. Dafür ist er mit Reflektoren ausgestattet, die Sonnenlicht zur Erde umleiten.

Damit soll der nicht (wie sein natürlicher Verwandter) 380.000, sondern nur 500 Kilometer von der Erde entfernte künstliche Himmelskörper nachts nicht als Mond, sondern nur als heller Stern sichtbar, aber trotzdem in der Lage sein, Gebiete mit einem Durchmesser von bis zu 80 Kilometern zu erhellen. Wo er hinleuchtet, lässt sich Wu Chunfeng zufolge mit einer Genauigkeit von "ein paar Dutzend Metern" einstellen und auf einen Durchmesser von zehn Kilometer verkleinern. Das kann seinen Worten nach unter anderem bei Stromausfällen und in Katastrophengebieten sehr hilfreich sein.

Neben einer kompletten Abschaltung ist angeblich auch die Helligkeit des Trabantenwiderscheins regulierbar. Maximal möglich ist danach das Achtfache des Mondlichts, was Wu Chunfeng nach von Menschen als Dämmerungslicht wahrgenommen wird. Ersetzt man damit auf der Erde erzeugte künstliche Beleuchtung, könnte die Sichuaner Provinzhauptstadt Chengdu seinen Berechnungen nach jährlich 1,2 Milliarden Yuan einsparen - das wären umgerechnet gut 150 Millionen Euro.

Vor so einem Einsatz steht eine Testphase, die nicht in dieser Millionenstadt, sondern auf einem Flecken Wüste stattfindet. Dort will man unter anderem untersuchen, ob und welche Auswirkungen die Beleuchtung auf die Fauna hat. Verläuft der Test erfolgreich, sollen 2022 drei Beleuchtungssatelliten folgen, mit denen sich ein zwischen 3.600 und 6.400 Quadratkilometer großes Areal nicht nur nachts, sondern auch tagsüber mit Zusatzlicht versorgen lässt.

China ist nicht das erste Land, in dem diese Idee ausprobiert wird: In den 1990er Jahren experimentierte die russische Weltraumagentur Roskosmos damit unter dem Projektnamen "Znamya", ließ es aber wieder sein, nachdem sich 1999 ein Spiegel nicht entfaltete (vgl. Neues vom Weltraum und Künstliche Sonne im All - nicht aufgegangen). Erfolgreicher waren etwas weniger ambitionierte Versuche in Norwegen und in Italien:

In Norwegen profitiert seit fünf Jahren ein Teil der Stadt Rjukan von Sonnenlicht, das auf Bergen platzierte bewegliche Spiegel spenden. Ihre Ausrichtung wird von einer Software automatisch dem Sonnenstand angepasst. In Italien beleuchtet man mit dieser Methode bereits seit 2006 den Piemonter Gebirgsgemeindeverbund Viganella, in dem vorher zwischen dem 12. November und 1. Februar 83 Tage lang keine Sonne zu sehen war, weil sie zu dieser Jahreszeit nicht über die Berggipfel hinauskam. Die Prozession, mit der sie zu Mariä Lichtmess die Wiederkehr des Wärmespenders feierten, behielten die Bewohner bei.

Eher ein Gimmick ist dagegen der von der Privatfirma Rocket Lab angekündigte Humanity Star - eine Art reflektierender Discokugel, die zwar von der Erde aus sichtbar sein, aber nicht in nutzbarem Maßstab Licht spenden soll.

Auch bei anderen Weltraumprojekten scheint China in den letzten Jahren ernsthaftere Anstrengungen unternommen zu haben als die Amerikaner. 2016 gab es dort mit 22 Weltraumraketenstarts genau so viele wie in den USA - und 2017 verbrachten die beiden Taikonauten Jing Haipeng und Chen Dong mehrere Wochen auf der Test-Raumstation Tiangong 2. Die soll ab 2022 durchgehend bemannt und mit dem Tianzhou-Raumfrachtern versorgt werden. 2024 soll dann ein bemannter Mondflug folgen, bis 2050 einer zum Mars (vgl. Musk plant Marsbesiedlung ab 2025).

Noch ambitionierter sind die Pläne indischer Wissenschaftler wie Sivathanu Pillai: Der bei der Indian Space Research Organisation (ISRO) beschäftigte Professor will die Energieprobleme des Landes durch den Abbau von Helium-3 auf dem Mond lösen. Das auf der Erde extrem seltene Mondstaubisotop könnte seiner Einschätzung nach bereits 2030 in Fusionsreaktoren zur Energieversorgung Indiens beitragen, obwohl bislang noch nicht einmal das Problem gelöst ist, wie man das Helium-3 oder die daraus gewonnene Energie so unaufwendig auf die Erde bekommt, dass sich der Abbau wirtschaftlich lohnt (vgl. Neues Rennen zum Mond). (Peter Mühlbauer)

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