China will erste KI-Kolonie für Unterwasserroboter in der Tiefsee bauen

Das unbemannte U-Boot Hailong 11000 ist in diesem Jahr bis in eine Tiefe von 5600 Meter gelangt. Bild: CCTV

Nicht nur im Weltraum, sondern auch auf und in den Meeren sucht China technisch und militärisch aufzurüsten, primär ist die Sicherung der Ansprüche im Südchinesischen Meer

China will nicht nur seine Aktivitäten im Weltraum ausbauen, sondern plant auch, eine Präsenz in der Tiefsee einzurichten, und zwar im Südchinesischen Meer, das von China beansprucht wird. Die Station soll unbemannt sein, aber die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz weiter voranbringen und zu einer ersten KI-Kolonie namens KI-Atlantis werden.

Schon lange haben sich im Südchinesischen Meer Konflikte mit den Nachbarstaaten aufgeschaukelt, was die USA benutzen, um mit diesen als Allianz China einzudämmen, das bereits auf einigen Riffs und Inseln Militärstützpunkte eingerichtet und auch einen ersten Flugzeugträger fertiggebaut hat, der seit 2016 einsatzbereit ist. Der zweite, im Land gebaute Flugzeugträger soll 2020 einsatzbereit sein, gerade kündigte Peking an, dass ein dritter Flugzeugträger der nächsten Generation gebaut werden soll.

Weltraumpläne

China durfte sich anders als Russland nicht an der Internationalen Raumstation (ISS) beteiligen. Der US-Kongress hatte 2011 jedem Vertreter der USA verboten, in Kontakt mit dem chinesischen Weltraumprogramm aus Gründen der nationalen Sicherheit zu treten, weil China sich amerikanische Technik aneignen könne. Allerdings flog 2003 der erste chinesische Astronaut mit der Shenzhou 5 in den Weltraum, ohne von den Amerikanern Technik geklaut zu haben. China hat bereits eine erste Raumstation 2012 von Astronauten besuchen lassen (Auf dem Weg zum Mond), 2016 eine eigene Raumstation für einen Monat lang mit Astronauten betrieben und will bis 2022 eine modulare Raumstation bauen, wofür auch andere Staaten eingeladen wurden. Das Kernmodul wurde bereits letztes Jahr fertiggestellt und soll als erstes in eine Umlaufbahn gebracht werden.

China will aber darüber hinaus eine bemannte Mondmission durchführen und eine Raumstation auf dem Mond errichten. Gesprochen wird in weiterer Zukunft auch von einer bemannten Marsmission. Chinesische Wissenschaftler haben im Mai in Nature Nanotechnology berichtet, sie könnten Kohlenstoffnanoröhren bauen, die im Bündel einen Druck von 80 Gigapascal standhalten und für einen Weltraumlift geeignet seien. Das wird freilich noch eine Weile dauern.

Die Amerikaner äußern immer wieder Sorge über chinesische Antisatellitenwaffen (Testet China eine neue Antisatellitenwaffe?). 2007 hatten die Chinesen einen alten Wettersatelliten erfolgreich abgeschossen, was die Ängste ins Kraut schießen ließ, dass die von den USA beanspruchte Dominanz im Weltraum gefährdet sein könnte (China testete Antisatellitenwaffe). Wenig später demonstrierte das Pentagon mit dem Abschuss eines alten Spionagesatelliten mit einer SM-3-Abfangrakete von einem Aegis-Zerstörer, dass es dazu auch in der Lage ist. Erst 2016 wurde bekannt, dass auch Russland eine Antisatellitenrakete getestet hat (Aufrüstung im Weltraum). US-Präsident Trump hat die Schaffung eines eigenen Weltraumkommandos befohlen, das vom Pentagon eingerichtet wird.

Unbemannte Kolonie in der Tiefsee

Verwegener ist allerdings das Tiefseeprojekt, das auf Anregung von Präsident Xi Jinping entwickelt wird, der forderte, dass in der Tiefsee etwas gemacht werden soll, was bislang noch nie realisiert wurde. Man könnte das auch als Wettrüsten mit einem Programm bezeichnen, das die USA nach dem Sputnik-Schock mit der Darpa, der Forschungsbehörde des Pentagon, institutionalisiert hat, um durch ungewöhnliche, auch exotische Vorhaben, die scheitern dürfen, den technischen Vorsprung zu wahren.

Nach der SCMP, der in dem Projekt involvierte Wissenschaftler und Regierungsvertreter davon berichtet haben, ist ein Zentrum in der Tiefsee für Wissenschaft und auch militärische Operationen geplant, das zur ersten KI-Kolonie der Erde werden soll. Nach dem Besuch von Xi Junping im Meeresforschungsinstitut in Sanya, startete die Chinesische Akademie der Wissenschaften die Entwicklung des Projekts. Veranschlagt sind dafür 160 Millionen US-Dollar.

Der Tiefseeposten mit Andockplattformen für unbemannte U-Boote und andere Roboter soll in einer Hadal-Rinne eingerichtet werden, also in einer Tiefe zwischen 6000 und 11.000 Metern. Gedacht wird an den Manila-Graben mit einer Tiefe von 5400 Metern, westlich der Philippinen, die tiefste Stelle im Südchinesischen Meer. In der Nähe liegt das Scarborough-Riff, auf das China, die Philippinen und Taiwan Ansprüche erheben. 2012 kam es hier zu einem Konflikt zwischen chinesischen und philippinischen Kriegsschiffen. China hat sich faktisch durchgesetzt, nach einer Klage der Philippinen wies der Ständige Schiedshof die Ansprüche Chinas zurück, was China aber nicht weiter stört.

Ein Wissenschaftler sagte: "Es ist so herausfordernd wie der Bau einer Kolonie auf einem anderen Planeten für Roboter mit Künstlicher Intelligenz. Die Technik kann die Welt verändern." Geplant ist die Erforschung der Tiefsee mit unbemannten U-Booten, die auch Steinproben sammeln sollen, die dann im Zentrum im Labor analysiert werden, um dann die Auswertung nach oben zu senden.

Die Missionen sollen autonom vom KI-System erfolgen. Ganz autonom wird das Zentrum allerdings nicht sein. Geplant sind Kabel für Stromversorgung und Kommunikation, die mit einem Schiff oder einer Plattform auf dem Meer verbunden sind. Der Tiefseestützpunkt, der wohl in erster Linie militärischen Zwecken als Frühwarnposten und Entwicklung von autonomen Kampf-U-Booten dienen dürfte, muss dauerhaft enormen Druck aushalten, weswegen extrem starke, aber flexible Materialien entwickelt werden müssen, dazu kommen schwierige geologische Bedingungen und mögliche Erdbeben. Gerade im Manilagraben gibt es viele Erdbeben.

Flugzeugträger 001A. Bild: GG001213/CC0

Um China, wie vom Präsidenten gefordert, zu einer Seestreitmacht aufzubauen, die nicht nur die beanspruchten Gebiete im Südchinesischen Meer sichern, sondern weltweit operieren kann, wird nicht nur die Marine aufgerüstet. Neben dem KI-Tiefseezentrum soll auch noch eine von Dutzenden von Menschen bewohnbare Unterwasserstation in einer Tiefe von 3 km entwickelt und gebaut werden.

Oder es ist geplant, 20 mobile AKWs auf Schiffen zu bauen, die auch militärischen Zwecken dienen sollen. Das erste AKW-Schiff soll 2020 natürlich im Südchinesischen Meer eingesetzt werden. Im Juli wurde berichtet, dass China große, aber relativ billige unbemannte und KI-U-Boote bis 2020 entwickeln will, die weltweit autonom unterwegs sein sollen, um zu erkunden, Minen zu platzieren oder andere Schiffe angreifen können, indem sie sie rammen. (Florian Rötzer)

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