Chinas gigantischer ELF-Sender in einem dicht besiedelten Gebiet

Chinesisches Atom-U-Boot der JIN-Klasse.

Nur Russland und Indien haben noch solche Sender für U-Boot-Kommunikation, die US-Marine soll ihren Sender Sanguine 2004 geschlossen haben

Vermutlich gibt es noch aus dem Kalten Krieg nur noch einen aktiven ELF-Sender, der extrem niedrige Frequenz nutzt, nämlich ZEVS der russischen Marine auf der Kola-Halbinsel bei Murmansk, der mit 82 Hertz arbeitet und elektromagnetische Signale mit einer Wellenlänge von 3700 km sendet. Damit lässt sich mit U-Booten bis zu einer Tiefe von 300 Metern kommunizieren, wenn auch mit einer sehr geringen Bandbreite und nur einseitig vom ELF-Sender zum U-Boot. Gesendet wird mit einem Bodendipol als Antenne, der aus zwei parallelen Antennen mit jeweils einer Länge von 60 km besteht.

Die US Navy legte angeblich 2004 die Sendeanlage Sanguine still. Sie arbeitete mit 76 Hertz und einer Wellenlänge von 3950 km und besteht aus den Sendern am Clam Lake in Wisconsin und im Escanaba River State Forest in Michigan, die 260 km weit auseinander liegen und mit einem Kabel verbunden sind.

Sender in Clam Lake. Bild: Navy

2014 wurde von der indischen Marine der Very Low Frequency-(VLF)-Sender INS Kattabomman in Tirunelveli (Tamil Nadu) für die U-Bootkommunikation mit neuen Atom-U-Booten eröffnet. VLF reicht allerdings nicht so tief unter den Meeresspiegel wie ELF.

Auch China, das militärisch aufrüstet und seine Marine mit Flugzeugträgern, aber eben auch mit mehr nuklear angetriebenen U-Booten ausstattet, besitzt nun nach 13 Jahren Bauzeit die wohl größte ELF-Sendanlage, die sich über 3700 Quadratkilometer erstrecken soll. Zwar können ELF-Sender auch zivilen Zwecken dienen, etwa zur Entdeckung von Bodenressourcen oder zur Erdbebenforschung. Der Ort des Senders ist angeblich nicht genau bekannt und angeblich auch für Spionagesatelliten kaum zu entdecken, weil der Sender wie eine normale Stromanlage aussehe. Zudem soll der Sender im Landesinneren besser vor Angriffen geschützt sein.

ELF-Anlage. Bild: Chinesisches Verteidigungsministerium

Nach der Zeitung SCMP sendet die Anlage, die unter dem Namen Wireless Electromagnetic Method (WEM) läuft, mit 0.1 bis 300 Hertz und einer Wellenlänge von 3500 km. Die Anlage soll in der zentralchinesischen Region Huazhong liegen, in der sich die Provinzen Hubei, Henan und Hunan befinden und die im Unterschied zu der russischen und amerikanischen Anlage mit 230 Millionen Menschen dicht bevölkert ist.

Der WEM-Sender besteht aus sich überkreuzenden Hochspannungskabeln auf Türmen, die ein Kreuz mit einer Breite von 60 km und einer Länge von 80-100 km bilden. Jeweils am Ende gehen die Kabel unter die Erde zu zwei Stromwerken, die starken Strom in den Boden schicken und diesen in eine "aktive Quelle elektromagnetischer Strahlung" verwandeln.

Die Lage in einem dicht besiedelten Gebiet ruft auch in China Bedenken wegen möglicher gesundheitlicher Folgen des Senders hervor. Ob sich elektromagnetische Wellen extrem niedriger Frequenz auf den menschlichen Organismus oder auf das menschliche Gehirn schädlich auswirken, ist nicht klar. Die WHO berichtet, es gebe Hinweise, dass bei Kindern durch ELF (50-60 Hertz) Leukämie und andere Krankheiten wie Depressionen, Gehirntumore, Fehlgeburten oder Schlafstörungen ausgelöst werden könnten. Allerdings würde ein Mensch, der auf dem Boden der Anlage steht, nur 10 Watt ausgesetzt sein, das sei nach der chinesischen Marine nicht bedenklich. Nach chinesischen Maßstäben wird erst eine Aussetzung an mehr als 300 Watt als riskant betrachtet.

Gesundheitliche Risiken würden, so SCMP, in China, wenn es sich um militärische Projekte handelt, meist heruntergespielt. Ein Forscher, der an Militärprojekten beteiligt war, sagt, dass ELF wohl keine direkten körperlichen Schäden bewirken, aber auf die Wahrnehmung einwirken könne. Man müsse mögliche Folgen aber vorsichtig behandeln, um keine Panik auszulösen. China baut auch eine Hochfrequenzanlage wie das amerikanische HAARP am Südchinesischen Meer (Russland und China haben die Ionosphäre mit Radiowellen erhitzt). (Florian Rötzer)

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