Chinas neue Kohlekraftwerke: Lohnt sich das?

Jiangsu Nantong Kohlekraftwerk, China. Bild: Kristoferb / CC-BY-SA-4.0

China will Blackouts mit neuen Kraftwerken bekämpfen, baut aber zugleich massiv Wind- und Sonnenenergie aus. Wohin steuert das Land mit seiner Klimapolitik?

Zu den Ritualen der internationalen Klimaverhandlungen gehört seit langem, dass die alten, westlichen Industriestaaten, auf deren Konto bis vor kurzem – gemeinsam mit Russland und einigen Ölstaaten – das Gros der Treibhausgasemissionen ging, mit dem Finger auf China und Indien zeigen, um die eigene Verantwortung zu relativieren und die lähmende Trägheit ihrer Klimaschutzmaßnahmen zu rechtfertigen. (Siehe auch: Deutschland kann sich nicht hinter China verstecken.)

Und in der Tat sind Chinas Emissionen in den letzten nicht ganz 20 Jahren massiv angestiegen, nachdem man zuvor über einige Jahrzehnte trotz enormen Wirtschaftswachstums die Emissionen gering halten konnte. Das war seinerzeit zwar kein Ergebnis gezielter Klimaschutzmaßnahmen, aber immerhin ein löblicher Nebeneffekt von besserer Ausnutzung der fossilen Energiequellen.

Seit Anfang des Jahrtausends wurden dann jedoch im großen Umfang Kohlekraftwerke gebaut und der Abbau modernisiert, was unter anderem die vormals hohe Zahl von Grubenunglücken minderte. Aber diese Kraftwerke sind zumindest auf dem neuesten Stand der Technik, sodass der durchschnittliche Wirkungsgrad der chinesischen Kraftwerksflotte höher als zum Beispiel jener der US-amerikanischen Anlagen ist. Oder mit anderen Worten: Im Durchschnitt nutzen chinesische Kraftwerke die Kohle deutlich besser aus.

Trotz neuen Booms Zukunft der Kohle ungewiss

Dennoch: 2022 lagen die chinesischen CO2-Emissionen nach den Daten des Global Carbon Projects voraussichtlich bei 11,4 Milliarden Tonnen, was ein knappes Drittel des weltweiten CO2-Ausstoßes wäre. Das ist umgerechnet auf die Bevölkerung immer noch etwas weniger als in Deutschland, aber für die Stabilisierung des globalen Klimas viel zu viel.

Immerhin sind die Emissionen aber mit voraussichtlich -0.9 Prozent wieder leicht rückläufig. Ob das schon ein neuer Trend ist, muss sich allerdings noch zeigen. Offizielles Regierungsziel ist es, das Emissionswachstum bis 2030 zum Stillstand zu bringen.

China hat einerseits extrem ehrgeizige Ausbauziele für die erneuerbaren Energieträger und wird in diesem Jahr rund das 20-fache wie Deutschland an neuen Solaranlagen – gerechnet in elektrischer Leistung – ans Netz bringen. Die Stromerzeugung von Windkraftanlagen hat zum Beispiel 2021 um 40,5 und die von Solaranlagen um 25,2 Prozent zugelegt. Andererseits gibt es nach den Blackouts der letzten beiden Jahre aber wieder grünes Licht für zahllose neue Kraftwerksprojekte.

Ob diese nach ihrer Fertigstellung wirtschaftlich arbeiten können, ist eine durchaus offene Frage. Schon jetzt sind nämlich chinesische Kohlekraftwerke schlecht ausgelastet. 2021 hatten sie nur 4.448 Volllaststunden, während das Jahr 8.760 Stunden hatte. (Hier finden sich Daten zur Stromerzeugung in China.)

Entsprechend machen sich nach einem Bericht des chinesischen Wirtschaftsmagazin Caixin einige Betreibergesellschaften Sorgen, die Investitionen in neue Kraftwerke würden sich letztlich als unrentable erweisen.

Es bleibt also abzuwarten, ob die vielen Pläne tatsächlich umgesetzt werden. Nach 2015 hatte es schon einmal eine Periode gegeben, in der der Bau neuer Kraftwerke stark eingeschränkt und sogar bereits existierende Baustellen stillgelegt wurden. Dadurch und durch Energiesparmaßnahmen konnte der Anstieg der Treibhausgasemissionen für ein paar Jahre angehalten werden. (Wolfgang Pomrehn)