Chinesische Hersteller bieten "hochqualitative Flüchtlingsboote" an

Im Angebot: Aufblasbare Dinghis als Flüchtlingsboote aus China.

Die EU hat im Juli eine Anordnung erlassen, um den Verkauf und die Lieferung von aufblasbaren Booten und Außenbordmotoren nach Libyen zu verhindern, die oft aus China stammen

Ein zynisches, wohl aber reales Angebot macht ein chinesischer Hersteller auf der Handelsplattform Alibaba.com. Wie Will Horner auf Middleeasteye.com bemerkt hat, werden dort weiterhin Schlauchboote für Flüchtlinge angeboten, optional mit Schwimmwesten. Vermutlich hat man nicht die Flüchtlinge selbst im Auge, sondern Schlepperorganisationen, die damit ihr Geld machen. Obgleich die EU versucht, den Handel mit solchen großen aufblasbaren Booten zu unterbinden, wird dafür, wie das Beispiel zeigt, ganz offen geworben. Ein Großteil der Schlauchboote, die in der EU auf den Markt sind, stammen ebenfalls aus China.

Angeboten werden von Huayu "hochqualitative Flüchtlingsboote" aus PVC im Preis zwischen 800 und 1100 US-Dollar. Es handelt sich um aufblasbare Dinghis für 25-30 Personen in jeder Farbe mit einer Länge von 9 m und einer Breite von 4,2 m. Ausgestattet sind sie mit einer Luftpumpe, einem Reparaturset, Sitzen und Rudern, zusätzlich kann man u.a. Rettungsjacken, eine elektrische Luftpumpe, eine Überdachung oder einen Anker kaufen. Geeignet sei es allerdings nicht nur Flüchtlinge, sondern auch zum Fischen, Retten, Freizeit, Tourismus etc. Versandt wird es per Schiff oder Flugzeug oder Express mit einem Tür-zu-Tür-Service. Die normale Lieferzeit betrage 15 Tage. Angeboten werden auch Spezialanfertigungen.

Für Annemarie Loof von Ärzte ohne Grenzen ist der Verkauf von solchen aufblasbaren, nicht seetüchtigen Dinghis als "Flüchtlingsboote" sehr unverantwortlich, da dies das Leben von Menschen gefährdet. Es würde allerdings auch nicht ausreichen, den Verkauf zu stoppen, solange es keine sicheren und legalen Wege für Migranten und Flüchtlinge gebe.

Ein bereits von Alibaba gelöschtes Angebot hatte ebenfalls aufblasbare Flüchtlingsboote beworben, die nicht sinken sollen. Sie hätten eine "gute Kapazität des Nicht-Untergehens" hieß, selbst wenn das Boot voll beladen und auch voll mit Wasser sei, könne es weiter auf dem Wasser treiben.

Aus einem Bericht von der Operation Sophia, der von WikiLeaks veröffentlicht wurde, geht hervor, dass schon 2015 Schlepper aus China aufblasbare Dinghis einsetzten. Sie werden von China nach Libyen über Malta oder die Türkei verfrachtet. Zum Problem wurde dies, nachdem die europäische Operation die größeren und eher seetauglichen Holzboote der Schlepper zerstörte und diese daraufhin zu einmal verwendbaren und billigen, aber eben auch für die Flüchtlinge und Migranten sehr riskanten aufblasbaren Boote umschwenkten.

Das hält auch ein EU-Bericht von Anfang 2017 fest, Das "Geschäftsmodell" der Schmuggler habe sich verändert. Sie würden Migranten und Flüchtlinge zunehmend in "billige und völlig seeuntaugliche aufblasbare Dinghis setzen, die keine Aussicht haben, jemals die italienischen Küsten zu erreichen". Die Schmuggler würden davon ausgehen, dass die Menschen bald nach der libyschen Küste gerettet werden. 70 Prozent aller Boote, die von Libyen a,us losfahren seien solche Dinghis, die die Überfahrt zunehmend gefährlicher machen und die Zahl der Ertrunkenen steigen lassen.

Eines der üblichen aufblasbaren Boote, die von Schleppern für Flüchtlinge und Migraten verwendet werden: Bild: CSDP EEAS/gemeinfrei

Am 17. Juli hat die EU Maßnahmen erlassen, um den Export von aufblasbaren Booten und Außenbordmotoren nach Libyen einzuschränken. EU-Staaten können seitdem den Export oder die Lieferung nach Libyen verbieten, wenn es nachvollziehbare Gründe gibt, dass sie von Menschenschmugglern verwendet werden. Man will damit aber nicht den Verkauf verhindern, wenn es um legitime Verwendungen wie Fischer gehe, die Außenbordmotoren brauchen. So ist nun für Außenbordmotoren und aufblasbaren Booten "eine vorherige Genehmigung erforderlich "für den Verkauf, die Lieferung, die Weitergabe oder die Ausfuhr … mit oder ohne Ursprung in der Union unmittelbar oder mittelbar an Personen, Organisationen oder Einrichtungen in Libyen oder zur Verwendung in Libyen".

Im Mai hatte bereits Dimitris Avramopoulos, EU-Kommissar für Migration, bei einem Besuch in Peking die chinesische Regierung gebeten zu verhindern, dass in China hergestellte Boote in die Hände von Schmugglern gelangen. Das wird freilich nicht viel genutzt haben, zumal es um Geschäfte geht und China kaum ein Interesse haben dürfte, den Export mit großen Auflagen zu behindern.

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