Chinesischer Roboter implantiert mit 3D-Drucker hergestellte Zähne

An solchen Phantomköpfen werden Zahnarztstudenten eingeübt, demnächst vielleicht Roboter. Phantomkopf_001.JPG:Bild: Bin im Garten/CC BY-SA-3.0

Die Technik wurde entwickelt, weil 400 Millionen Chinesen künstliche Zähne benötigen, es aber zu wenige Zahnärzte gibt

Das nächste Mal, wenn es um den Einbau von Zahnimplantaten geht, hält sich der Zahnarzt vielleicht zurück und überlässt die Arbeit einem Roboter. In China hat zumindest ein solcher erstmals autonom zwei Zahnimplantate in die Kiefer operiert. Medizinisches Personal war zwar präsent, soll aber in die Operation, die sich über eine Stunde hinzog, nicht eingegriffen haben.

Entwickelt wurde der Roboterzahnchirurg vom Robotikinstitut der Beihang-Universität in Peking, der Test fand in einem Militärkrankenhaus in Xian vor einer Woche statt. Nach der South China Morning Post war die Technik entwickelt worden, da es zu wenige Zahnärzte gibt und es zu häufig zu Problemen kommt. Nach einem Bericht warten 400 Millionen Chinesen auf neue Zähne. Nur eine Million Implantate werden pro Jahr eingesetzt, die Qualität sei aber oft schlecht. Die Roboter könnten viel zu tun haben und bei dem Markt profitabel sein, sofern die Menschen sich ihnen anvertrauen wollen. Wie es der Frau dabei erging, erfährt man leider nicht.

Dr. Zhao Yimin, dem führenden Zahnersatzexperten, der in dem Krankenhaus arbeitet, preist den Roboter an. Er verbinde die Erfahrung eines Zahnarztes mit den Vorzügen der Technik. Just weil er die Operation selbst ausführt, könnten Fehler durch menschlichen Irrtum vermieden werden. Die Implantate seien innerhalb des Fehlerbereichs von 0,2-0,3 mm gesetzt worden, das sei Standard bei solchen Operationen. Die künstlichen Zähne waren mit 3D-Druckern hergestellt worden

Die Probleme beim Setzen von Implantaten haben auch damit zu tun, dass die Zahnchirurgen in dem kleinen Raum im Mund arbeiten müssen, wobei manche Bereiche schwer einzusehen sind. Damit der Roboter sich orientieren kann, wurde die Patientin mit Orientierungs- und Positionssensoren ausgestattet. Autonom arbeitete der Roboter dann lediglich das Programm ab, da seine Bewegungen festgelegt waren, ebenso der Winkel und die Tiefe, um die neuen Zähne in den Kiefer einzusetzen. Zunächst wurden die Bewegungen des Roboters getestet, um sie anzupassen, dann wurde die Frau lokal betäubt und begann die Operation. Während der Operation soll sich der Roboter Bewegungen der Patientin angepasst haben.

Bis Roboter bohren oder andere zahnärztliche Eingriffe vornehmen können, wird es wohl noch eine Weile dauern. Und ob sich genügend Menschen finden lassen, die sich ihre Zähne von einem Roboter behandeln lassen, ist wohl auch noch fraglich. Gut möglich, dass Humanoide, die sprechen können, eher angenommen werden. (Florian Rötzer)

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