Chinesisches Lasergewehr wird als nichttödlich propagiert

Laserwaffe von der Chengdu Hengan Firma für Polizeiausrüstung. Bild: Nach SCMP ein Handout

Unhörbar soll die Waffe mit einer Batterieladung tausendmal gefeuert werden können, menschliches Gewebe würde sofort verkohlt

Angeblich wurde nun in China eine tragbare Laserwaffe entwickelt, mit der sich Ziele bis auf eine Entfernung von fast einem Kilometer in Brand setzen kann. Bislang gibt es vor allem große Lasersysteme, mit denen in Tests erfolgreich Drohnen oder Raketen abgeschossen werden konnten. Das Pentagon investiert massiv in die Entwicklung. Der Vorteil einer Laserwaffe liegt auf der Hand, denn sie "feuert" einen Lichtstrahl in Lichtgeschwindigkeit, also mit 300.000 km/sec.

Auch die in den USA, Russland und China derzeit entwickelten Hyperschallwaffen würden zwar herkömmlichen Raketenabwehrsystemen entgehen können, nicht aber Laserwaffen. Die haben noch dazu den Vorteil, dass sie geräuschlos funktionieren. Mit einer weiter reichenden Laserkanone könnte man so etwa ein Flugzeug wie die MH17 im Geheimen abschießen, ein Lasergewehr wäre eine Superwaffe für einen Anschlag oder einen Mord aus größerer Entfernung, da niemand wüsste, aus welcher Richtung der Laserstrahl kam.

Nach der South China Morning Post (SCMP) wird das Lasergewehr ZKZM-500 genannt und wird als "nichttödlich" eingestuft. Erwähnt wird, dass der Strahl durch Fenster dringen kann und zu einer "unmittelbaren Karbonisierung" menschlichen Gewebes führt, was nicht sehr harmlos klingt, da eine Verkohlung nach dem Verbrennen auftritt und irreversibel ist.

Ein Wissenschaftler, der am Xian Institut für Optik und Präzisionsmechanik der Chinesischen Akadmie der Wissenschaften an der Entwicklung des Prototypen der Laserwaffe beteiligt war, wird zitiert, der sagte, der Laserstrahl könne sich blitzschnell durch Kleidung brennen: "Wenn das Gewebe brennen kann, wird der Mensch in Flammen stehen." Und er fügte hinzu, dass der Schmerz nicht aushaltbar sei.

Die Waffe wiegt gerade einmal 3 kg, hat eine Reichweite von 800 Metern und kann auf Autos, Booten und Flugzeugen oder Drohnen angebracht werden. Ausgestattet ist das Lasergewehr mit einer wiederaufladbaren Lithium-Batterie. Es soll mit einer Ladung tausendmal jeweils für 2 Sekunden schießen können.

Angeblich könne die Laserwaffe jetzt in die Produktion gehen und würde zunächst Antiterroreinheiten der Polizei übergeben. Die mit dem Xian-Institut verbundene Firma sucht noch nach einem Partner, der Waffen produzieren darf. Die Waffe soll um die 15.000 US-Dollar kosten. Man stellt sich vor, dass man beispielsweise Entführer durch Fenster hindurch mit der Laserwaffe ausschalten könnte, aber der Laserstrahl könnte auch durch die Hülle von Tanks gehen und diese etwa auf Flughäfen zur Explosion bringen.

Eine andere Firma, die an Polizeibehörden Waffen und Ausrüstung liefert, soll schon vor einem Monat ein Laser-"Maschinengewehr" auf den Markt gebracht haben. Das soll eine Reichweite von 500 m haben und einige hundert "Schuss" pro Ladung abfeuern können. Schon 500 Meter reichen, um einen Hubschrauber oder eine Drohne zum Absturz zu bringen oder den Tank eines Fahrzeugs explodieren zu lassen. Und wenn man Hunderte von Schüssen abfeuern kann und mehrere Batterien mit sich führt, kann man davon ausgehen, sein Ziel auch von größerer Entfernung zu treffen.

Es wird also ungemütlich. Kaum vorstellbar ist, dass die Verbreitung der Laserwaffen so kontrolliert werden könnte, dass sie nur Sicherheitsbehörden oder Militärs zur Verfügung stehen. Auch das beruhigt nicht sonderlich, zumal die Technik vermutlich schnell in andere Hände gelangen wird. Das ist bei größeren Systemen wie Laserkanonen, die von Militärs entwickelt werden, weniger zu erwarten. Regelungen für Laserwaffen gibt es ebenso wie für autonome Waffensysteme (Killerroboter) noch keine. Verpönt sind nur nach einem UN-Abkommen von 1995 Laserwaffen, die zur permanenten Erblindung führen. China hat das Abkommen auch ratifiziert.

Offenbar wird versucht, die Laserwaffe in ihrer Gefährlichkeit herunterzuspielen, wenn man sie als nichttödlich einstuft. Tatsächlich kann ein einzelner "Schuss" mit einer Laserwaffe nur zu einer Verbrennung führen, aber keinen Menschen töten (wohl aber ein ungeschütztes Auge zerstören). Wird der Strahl wiederholt auf einen Menschen gerichtet, kann er sich durch das Fleisch brennen und tödlich sein. Insofern unterscheidet sich das Lasergewehr von der in den USA vom Rüstungskonzern Raytheon entwickelten "Schmerzwaffe".

Das Active Denial System (ADS), auch "Silent Guardian" genannt, ist immer noch ein Ungetüm gegenüber dem Lasergewehr und arbeitet mit Mikrowellen, die nur die obersten Hautschichten durchdringen und dort zu Verbrennungen und Schmerzen führen, die nach kurzer Zeit unerträglich sind. Das Pentagon hat verzichtet, die "Schmerzwaffe" in Afghanistan oder im Irak einzusetzen. Man fürchtete wohl, dass dies große Proteste auslösen würde. Desgleichen setzte die USA keine bewaffneten und fernsteuerbaren Bodenroboter ein.

Das störte freilich nicht, einen Drohnenkrieg zu führen oder mit Luftschlägen Städte anzugreifen. Das sind Angriffsarten, die offenbar von der Öffentlichkeit akzeptiert werden, auch wenn ihnen Zivilisten zum Opfer fallen. Wenn ein Roboter aus der Luft Menschen tötet, scheint dies anders zu sein, als wenn dies ein Bodenroboter macht. Jetzt wird es also darum gehen, wer als erstes Laserwaffen in Form von Gewehren einsetzt. (Florian Rötzer)

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