Ciao Bello!

Italiener gehen am Junk Food zugrunde

Der Niedergang eines Mythos: italienische Kinder gehören zu den dicksten in Europa, stellte schon eine EU-Statistik am Ende vergangenen Jahres fest. Nun gibt es neue, alarmierende Zahlen: neun von zehn Todesfällen in Italien sind auf schlechten Lebenswandel zurückzuführen, der Herzkrankeiten, Diabetes und Erkrankungen der Atemwege fördert, warnt ein Regierungsbericht.

Die Flasche Olivenöl, welche seit Jahren in keinem deutschen Haushalt mehr fehlt, erinnerte uns bisher täglich daran, wie einfach das Gute und Gesunde auch bei uns zu haben ist. Und wie schön gesund es doch die Südvölker und besonders die Italiener haben, deren tolles Essen, das wir uns für viel Geld vielleicht einmal im Monat bei der Trattoria Antiqua leisten können, sie noch als weit über 80jährige mit Zigarette, Rotwein und Espresso am Tisch sitzen lässt, wo sie dann eloquent über Fußball und Amore reden. Doch das „gute italienische Leben“ ist gar und gar ein Klischee aus vergangenen Zeiten, wie jetzt jede Olivenölflasche weiß.

Italiener sterben in Scharen aufgrund von Krankheiten, die mit übermäßigen Alkoholgenuß, Rauchen und falscher Ernährung verbunden sind, behauptet heute der römische Korrespondent des Guardian und stützt seinen desillusioniernden Befund auf Aussagen und Empfehlungen des italienischen Gesundheitsministeriums. Demnach würden die Italiener immer dicker, wenn nicht sogar fett, würden wieder mehr rauchen, die Jugend würde dem Alkoholismus verfallen, das ganze Volk fast nur mehr sitzend tätig sein und immer weniger würden solch schädlichen Lebensstil mit Sport kompensieren (41%) - und dazu kommt eben das schlechte Essen, Pommes und Burger statt Gemüse und Obst.

Der Befund stammt von der Gesundheitsministerin Livia Turco, die seit einiger Zeit Gegenmaßnahmen lanciert, Lebensmittelautomaten mit frisch verpackten Früchten und Gemüse in Schulen, Fabriken und öffentlichen Gebäuden etwa; auch ihr ist natürlich die Ironie bei alldem klar: Es sei ein Paradox, wird sie zitiert, „dass das Land, das durch seine Mittelmeerküche bekannt ist, Ernährungsleitlinien einführen muss.“ Werbung, Konsumismus und die Hektik der Menschen macht sie dafür verantwortlich.

Bislang hielten sich wenigstens noch die einkommensschwachen Schichten an die Gerichte der traditionellen Küche, doch nach den neuesten Ergebnissen des Gesundheitsministeriums ändert sich auch das: Dem Nachwuchs aus diesen Schichten soll der Kebab und die Pommes näher sein als die Pasti. Besonders schlimm steht es um den Süden Italiens, in der Gegend um Neapel. Hier liegt die ernährungsbedingte Diabetesrate noch über dem Landesdurchschnitt. Die grandiose Renaissance der mediterranen Küche, von der die Kochbücher künden, scheint in Italien nicht angekommen zu sein. (Thomas Pany)