Clan-Kriminalität: Der Thriller vor der Haustür

GSG-9-Übung: Der Staat ist oft in der Defensive. Bild: Flophila88, CC BY-SA 3.0

Schauplatz NRW: Polizei stürmt Villa in Leverkusen. Hohes Clan-Mitglied verhaftet. Parallelen zu anderen Hotspots. Nebenbei wird der Markt mit Gangstershit bedient

Telepolis berichtete verschiedentlich über Clan- und Mafiakriminalität, machte aber auch schon darauf aufmerksam, dass vor allem NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) das Thema gern dazu dient, mediale Präsenz zu zeigen. Da kommt ein Clan-Aufreger von Zeit zu Zeit ganz gut. Vergangene Woche gab es eine solche Gelegenheit: Großrazzia in Nordrhein-Westfalen (NRW).

In NRW – mit dem Schwerpunkt Ruhrgebiet – hat sich die organisierte Kriminalität in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Problem erster Ordnung ausgewachsen: Ein Eldorado der Sonderklasse, die Polizei sprach schon von einem Mafiaparadies. Jetzt war das Sondereinsatzkommando (SEK) im Bundesland im Einsatz. Worum ging es?

Presseberichten zufolge startete die NRW-Polizei am frühen Dienstagmorgen mit hunderten Einsatzkräften einen von langer Hand vorbereiteten Coup. Beobachter sprechen von einer "spektakulären" Aktion. Offiziellen Angaben zufolge waren 600 Polizisten in 15 Städten gleichzeitig im Einsatz, darunter in Köln, Düsseldorf, Bochum und Wuppertal. Mitglieder des SEK stürmten mehrere Gebäude, die in Verbindung mit dem berüchtigten Al-Zein-Clan stehen.

Panzer knackt Eingangstor

In mehreren Gebäuden des Clans fanden Hausdurchsuchungen statt, dabei sollen die Beamten schwere Geschütze aufgefahren haben. Über 30 Wohnungen, Büros und andere Objekte standen auf ihrer Liste; Ziel der Aktion sei "das Beschlagnahmen von Vermögensvorteilen, die durch Straftaten erlangt wurden, sowie die Vollstreckung von Haftbefehlen", so ein Sprecher der Polizei.

Um auf das Gelände einer Villa in Leverkusen zu gelangen, setzten die SEK-Kräfte einem Bericht der Bild nach einen Polizei-Panzer ein. Nachdem das Gefährt das Eingangstor aufgebrochen hatte, sei anschließend die Eingangstür gesprengt worden. Die Zielperson: Ein ranghohes Clanmitglied von Al-Zein. Der 46-jährige Hauptbeschuldigte zähle zu "den absoluten Topleuten" der im Land aktiven Clans, erklärte Landesinnenminister Reul

Wir haben ihn [den Hauptbeschuldigten] nicht nur festgenommen, sondern ihm auch sein Zuhause weggenommen. Das ist heute ein Schlag gegen die erste Liga der Clan-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen.

NRW-Innenminister Herbert Reul

Die gestürmte Villa werde nun im Grundbuch an den Staat übertragen und die Familie ausgetragen. Vermögensarreste für knapp 800.000 Euro wurden bei der NRW-Razzia angeordnet. Allein auf dem Anwesen in Leverkusen wurden 290.000 Euro Bargeld entdeckt, zudem beschlagnahmten die Polizisten scharfe Schusswaffen, Schmuck, eine Luxusuhr sowie unterschriebene Blankobescheinigungen über Corona-Tests. "Wir gehen von mehreren hundert gefälschten Impfpapieren aus", ließ Oberstaatsanwalt Andreas Stüve auf Presseanfrage hin wissen. In abgehörten Telefonaten sprachen die Gangster über den Deal mit den Bescheinigungen.