Computer-Netzwerk-Attacken und Mikrowellenkanonen

Bundeswehr entwickelt Konzepte und Waffensysteme für den Informationskrieg

Was hier vor mehr als einem Jahr in einem Aufsatz von Ralf Bendrath mit dem Titel Die Bundeswehr auf dem Weg ins digitale Schlachtfeld noch im Untertitel mit einem Fragezeichen versehen war, nämlich ob der Informationskrieg in verschiedensten Facetten auch für die Bundeswehr angebrochen sei, scheint sich nun zu bestätigen. In einer Dokumentation, die kürzlich auf 3 Sat gesendet wurde, wurden einzelne diesbezügliche Rüstungsprojekte vorgestellt, die durchaus auch offensiver Natur sind, etwa eine Mikrowellenkanone.1

Mikrowellenkanone

Es war eigentlich auch nichts anderes zu erwarten gewesen, wird doch auch auf der Ebene der NATO-Verbündeten eine Doktrin für auch offensive Informationsoperationen (IO) überarbeitet,2 die im Herbst 2001 entscheidungsreif sein soll. Dazu werden seitens der NATO auch strategische Studien über IW in Auftrag gegeben, die IW einerseits als Bedrohung, andererseits als Möglichkeit untersuchen.3 Seitens der Bundeswehr ist zu hören, dass ebenfalls bis Herbst des Jahres eine Art Doktrin für Informationsoperationen fertig gestellt sein soll. Nachdem das Spektrum, das solche IO umfassen kann - nach US-Definition - alle Bereiche vom strategischen Informationskrieg, der auf Medienmanipulation und Elitenbeeinflussung abzielt, bis hin zu Computer-Netzwerkattacken und physischer Zerstörung von IT-Systemen durch elektronische Kriegsführung abdeckt, stellt sich die Frage, welche Aspekte hier seitens der Bundeswehr hinkünftig geplant werden.

Ende 1999 wurde eine Fachtagung der Studiengesellschaft für Wehrtechnik (DWT) in Bonn-Bad Godesberg abgehalten, um "Szenarien, Konzepte, Methoden und Werkzeuge" für "Information Warfare oder Information Assurance" zu diskutieren. Der Berichterstatter in der Zeitschrift "Europäische Sicherheit" hob den damals noch rudimentären Diskurs in der Bundesrepublik über den Informationskrieg hervor. Offensive Komponenten von Informationsoperationen seien nur gelegentlich diskutiert worden, "denn es gehe nur darum, die Wirkung der Angriffswaffen verstehen zu lernen, um sich wirkungsvoller davor schützen zu können"4 Gleichzeitig aber wurde - ausgehend von der US-Debatte - durchaus erkannt, dass IW eine "operative Aufgabe" sei und beim "Planungsverantwortlichen für die Bundeswehr, dem Generalinspekteur", angesiedelt sein sollte.

Der fließende Übergang zwischen klassischer elektronischer Kriegsführung (im Bundeswehr-Amtsdeutsch "Eloka", für elektronischer Kampf genannt), die etwa feindliche Steuer- und Leitsysteme stört, und dem neuen Typ der Informationsoperationen nach US-Auffassung wurde dort ebenso erkannt. Als Empfehlung heißt es:

Es ist hilfreich Konzepte, Methoden und Werkzeuge der Eloka weiter zu entwickeln und auf dem vorhandenen Wissen aufzubauen." Ebenso wurde ein "Chief Information Officer in der Chefetage" angeregt, der beim Generalinspekteur angesiedelt sein sollte. Abschließend hieß es damals: "Auf dem Gebiet der Informationsoperationen hat die Bundeswehr noch viel aufzuholen, um aus der Phase konzeptioneller Überlegungen herauszutreten und mit konkreten und kreativen Lösungen zu beeindrucken.

Auf der Ebene der Langzeitstrategie und Streitkräfteplanung findet der Umbau der Bundeswehr zu einer Interventionsarmee längst statt. Damit einher gehen selbstdefinierte neue Anforderung an strategische Aufklärung und Lagebeurteilung und damit ein gesteigerter Bedarf an Echtzeitaufklärung und IT-Systeme. Gleichzeitig wurde das US-Konzept der "Information Dominance" übernommen, das eigene Informationen und Informationssysteme schützen und gegnerische stören oder zerstören soll.

Im noch vom Generalinspektor der Bundeswehr, Peter von Kirchbach, im Mai 2000 vorgelegten Konzept "Eckwerte für die konzeptionelle und planerische Weiterentwicklung der Streitkräfte"5 heißt es unter dem Punkt "Operative Information":

Im gesamten Aufgabenspektrum wird künftig der Kampf um und mit Information geführt, die Aufgaben eigener und verbündeter Streitkräfte durch eigene Information erläutert und die militärische Operationsführung mit kommunikativen Mitteln und Methoden unterstützt. Daneben unterstützt Operative Information die Betreuung aller eigenen Soldaten.

Der angelsächsische Begriff "Information Operations", der die frühere US-Definition von Information Warfare ersetzte, wurde hier interessanterweise im Bundeswehr-Amtsdeutsch mit "operative Information" (OI) eingedeutscht, dem genauso eine strategische Bedeutung, zukommt wie in der US-Debatte, auch wenn die Konzepte zur Realisierung noch kaum ausdifferenziert sind. In diesem Eckwerte-Papier jedenfalls werden daraus "strukturelle Konsequenzen" gezogen, wobei die Operative Information als "streitkräftegemeinsame Aufgabe" (was der US "jointness" entspricht) definiert und ihr folgende Rolle zugewiesen wird:

Die Integration aller Medien und deren gleichzeitiger Einsatz im nationalen und internationalen Rahmen sowie die parallele Betreuung eigener Soldaten erfordern einen umfangreicheren und verbesserten Kräfteansatz als bisher. Über den Kräfteansatz wird im Rahmen der Feinausplanung entschieden.

Seitdem die Streitkräftereform der Bundeswehr fast zum sicherheitspolitischen Dauerbrenner geworden ist und die nicht-klassifizierten Dokumente diesbezüglich auch offen einsehbar sind, ist zu untersuchen, welche Rolle dabei die IW-Kapazitäten einnehmen sollen. Im "Eckwerte-Papier" werden als oberste Prioritäten strategische Aufklärung, Führung und Kommunikation erkannt, was in etwa dem US-Diskurs des Command- and Control Warfare (C2W) plus strategische Fernaufklärung entspricht.6 Dazu wurde eine Abteilung IT mit 1.8.2000 auf der höchsten Führungsebene installiert, wie der sog "Grobausplanung"7 zu entnehmen ist. Das neu zu schaffende Streitkräfteunterstützungskommando wird neben der "Operativen Information" auch ein "Kommando für strategische Aufklärung" erhalten.8 Begründet wird die Notwendigkeit einer eigenen IT-Abteilung im Streitkräftekommando aus Militärkreisen mit folgenden Aufgaben:

  1. Führungsinformationssysteme
  2. Führungs- und Waffenleitsysteme
  3. Fachinformationssysteme
  4. Fernmelde- und Kommunikationssysteme
  5. Auswertungssysteme für Aufklärung und elektronische Kriegsführung
  6. IT-Simulationssysteme9

Die Bundeswehr folgt hiermit Leitlinien, die im Neuen Strategischen Konzept der NATO vom April 1999 bereits festgeschrieben wurden. Dabei wurde die "Aufrechterhaltung der Informationsüberlegenheit bei militärischen Operationen" ausdrücklich erwähnt sowie "Führung und Kommunikation, Aufklärung, und Nachrichtengewinnung und Überwachung ... als notwendige Streitkräftemultiplikatoren" betrachtet.10

In der sog. "Feinausplanung" der Bundeswehr-Reform vom Januar 200111 finden sich abermals Hinweise auf die erhebliche Priorität, die dem IT-Sektor zugemessen wird. Wörtlich heißt es: "Vorrang haben die neu aufzubauenden Fähigkeiten zur strategischen Aufklärung und zur strategischen Mobilität sowie leistungsfähige, kompatible Kommunikations- und Führungsmittel. Sie sind die Schrittmacher der Interoperabilität."12

Im nicht öffentlich zugänglichen "Material- und Ausrüstungskonzept für die Streitkräfte der Zukunft" vom 16. März 20001, im Jargon MatKonz genannt, das als Verschlusssache (nur für den Dienstgebrauch) eingestuft - und von die Anhänge sowie die Seiten 38-48 im Web publiziert sind,13 finden sich deutlichere Worte, nicht nur in Hinblick auf die erwünschten IW-, IO- und IT-Kapazitäten der neuen Bundeswehr, sondern auch in Hinblick auf die geografische Definition der Einsatzräume. Dieser Diskurs wäre eine eigene Würdigung wert, die hier nicht geleistet wird. Es sei jedoch darauf verwiesen, das in diesem Konzept, anders als in der zahmen Rhetorik der öffentlichen Dokumente, eine Aufgabe der Bundeswehr in Kampfeinsätzen in neuen fremden Räumen liegt: "Die Luftwaffe muss befähigt sein ... den Kampf bis in die Tiefe des Raumes zu führen"14 Dabei werden Einsatzräume "in der Regel außerhalb Deutschlands" angenommen. "Dabei sind Verlegeentfernungen von bis zu mehreren tausend Kilometern im europäischen Umfeld zu Grunde zu legen."15 Gleichzeitig ist die Rede von einem "erforderlichen Kampf in der Tiefe"16 oder mehrfach von der Notwenigkeit der Planung von militärischen Angriffen, etwa wenn es heißt: "hierdurch ... kann die Wirksamkeit des Luftangriffs" gesteigert werden."17

Für den IW-, IO- und IT-Bereich der neuen Aufgaben der neuen Bundeswehr lässt sich aus dem MatKonz folgendes ableiten. Zunächst werden die erwünschten Streitkräftefähigkeiten der Zukunft skizziert und danach das entsprechende Ausrüstungsziel definiert. Zu den erwünschten Streitkräftefähigkeiten gehört ua. "intensive Kampfhandlungen in weit entfernten und von einander getrennten Einsatzgebieten ... durchführen" zu können.18

Das US-Konzept des C2W wird hier unter dem Dach eines IT-Systems der Bundeswehr mit den Sub-Systemen Kommunikationssystem, Informationssystem, Datenlinksystem und Gefechtsstandssystem ausdifferenziert. Es erfolgt hiermit eine explizite Definition für IO seitens der Bundeswehr, die nahezu wortgleich den US-Definitionen entspricht:

Hinsichtlich der Führungsfähigkeit ist es das Ziel der Streitkräfte, Informationsüberlegenheit (Hervorhebung im Original) im Einsatz herzustellen. Informationsüberlegenheit erlaubt, räumlich und zeitlich begrenzt Operationen zur Gewinnung, Steuerung, Verarbeitung, Übermittlung und Sicherheit von Informationen ohne nachhaltige Einwirkung des Gegners durchführen und ihm diese Handlungsfreiheit verwehren zu können.

Zum Vergleich die beiden jüngsten US-Definition vom April 2001 sowie die NATO-Definition:19

US: "Information operations - Actions taken to affect adversary information and information systems while defending one's own information and information systems. Information superiority - That degree of dominance in the information domain which permits the conduct of operations without effective opposition."

NATO: "Actions taken to influence decision makers in support of political and military objectives by affecting other's information, information based processes, C2 systems and CIS, while exploiting and protecting one's own information and/or information systems.20

Das MatKonz hatte insofern auch bereits Aufmerksamkeit in deutschen Medien provoziert, als darin auch der Wille der Bundeswehrführung zur Entwicklung eines eigenständigen deutschen Raktenabwehrprogrammes gegen taktische ballistische Flugkörper festgeschrieben wurde.21

Ganz gleich, ob es sich nun um strategische Machtprojektion über große räumliche Distanzen, die Entwicklung einer eigenständigen lokalen Raketenabwehr, oder die selbständige Satelliten-Aufklärung handelt. All diese Aufgaben erfordern den Ausbau von IT-Kapazitäten und eröffnen die gleiche Verwundbarkeits-Lücke, die in den USA so beklagt wird und die sich NATO-amtlich auch schon im Strategischen Konzept vom April 1999 findet.22 Für die NATO als Allianz und für die Bundeswehr als nationale Armee werden sich dadurch mittelfristig die gleichen Dilemmata ergeben, die derzeit vom US-Militär diskutiert werden. Wessen Militär solche Machtprojektionsansprüche erhebt, dessen IT-Infrastruktur, die eine conditio sine qua non dafür darstellt, kann zum Ziel von IO werden. Als technologische Entwicklungslinien für militärische Anwendungen werden im MatKonz folgende Faktoren identifiziert:23

Stealth F-117
  1. Automatisierung und Modularität
  2. Bestimmung der Funktionalität durch Software
  3. weitere Leistungssteigerung der IT
  4. Entwicklung von Wirksystemen auf der Basis von elektromagnetischer Strahlung
  5. Weiterentwicklung der Stealth-Technologie einschließlich radar- und sonarabsobierender Materialien
  6. erhebliche Fortschritte in der Realisierung von präzisionsgelenkten, selbstsuchenden Abstandswaffen
  7. deutliche Leistungsverbesserung hinsichtlich Sensorik und Reichweite bei unbemannten Trägern

Aus diesen prognostizierten Trends der "Revolution in militärischen Angelegenheiten" leitet die Bundeswehr für die künftige Ausrüstung der Truppe folgende Notwendigkeiten ab: "Die materielle Ausstattung der Bundeswehr muss künftig ein differenziertes Anforderungsprofil als bisher erfüllen. Daher werden die wehrtechnischen Bereiche IT, Aufklärungstechnik (Schwerpunkte Sensoren und Auswertetechnik), Radartechnik, Optronik, Elektronische Kampfführung, Schutztechnik, Präzisions- und Abstandswaffen sowie zielsuchende Waffensysteme bei der Rüstungsplanung besonders berücksichtigt."24

Zum MatKonz der Bundeswehr und den daraus abzuleitenden IO-relevanten Teilaspekten lässt sich abschließend folgendes feststellen: Die Zukunft militärischer Operationen der NATO- und zunehmend auch der sich entwickelnden gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU-Staaten wird in militärischen Interventionen gesehen, die je nach Intensität, Mandat und Auftrag wie der Kosovo-Krieg aussehen könnten. Bereits beim NATO-Gipfel in Washington, im April 1999 hatte die NATO eine "Initiative zur Verteidigungsfähigkeit" (Defense Capabilities Initiative) auf den Weg gebracht, die vorsieht, solche Militäroperationen effektiver und effizienter zu gestalten und dabei keine eigenen Verluste zu erleiden. Der Nordatlantik-Rat hatte erst im Juni 2001 in Brüssel die technischen Ziele erneut benannt und dabei auf die "Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigungssysteme und "unterstützender Störmaßnahmen", der "Aufklärung, der Zielüberwachung und -erfassung" besonderen Wert gelegt. All diese Maßnahmen - und die politischen Vorgaben erst recht - erfordern gemäß dieser Logik eine massiv ausgebaute IT-Kapazität. Das MatKonz stellt diesbezüglich einen Mangel an offensiven IO-Fähigkeiten fest:

Es besteht eine Lücke an Fähigkeiten zur räumlich und zeitlich begrenzten Täuschung, Störung und Neutralisierung gegnerischer Führungsfähigkeit, insbesondere zur Beeinträchtigung beziehungsweise Einschränkung gegnerischer Informations- und Kommunikationsverbindungen, Aufklärungsmittel und Waffeneinsatzsysteme im elektromagnetischen Spektrum.

Somit scheint die Behauptung, die kürzlich in einer Dokumentation des Magazins "hitec"25 des Senders 3Sat aufgestellt wurde, dass die Bundeswehr eine Mikrowellenkanone habe entwickeln lassen, nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein. Diese Dokumentation, die auch mehr denn minder als unkommentiertes und unkritisches Werbevideo des militärischen main-streams, der angeschlossen Rüstungsbranche und Forschungs- und Entwicklungsbüros verstanden werden kann, hatte jedenfalls den Vorzug, - so auch nach der Selbstdarstellung - den ersten Prototypen dieser Mikrowellenkanone ins Bild gerückt zu haben. Als Präsentationsort wurde das Prüfzentrum für IT-Sicherheit der Bundeswehr, WTD 81 ausgewählt. In der Sendung hieß es dazu reißerisch: "Mit 10.000 Schaumstoffkeilen von jeglicher Umgebungsstrahlung abgeschirmt, steht hier eine der mächtigsten High-Tech-Waffen der Zukunft. Im wissenschaftlichen Institut der Bundeswehr, im Bayerischen Greding".

Die WTD 81 ist eine Dienstelle des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung und wird dort als "wehrtechnische Dienststelle für Fernmeldewesen und Elektronik" bezeichnet. Die Abteilungen dieser Dienststelle weisen ein sehr hohes Interesse an allen Formen von IO und elektronischer Kriegsführung auf. Gemäß der 3Sat Dokumentation wurde die deutsche Mikrowellenkanone, die weltweit führend sein soll, von "Experten des Technologiezentrums Unterlüß, einer Tochter der Rheinmetall AG" entwickelt. Aber damit nicht genug. Die Bundeswehr tüftle auch "an Prototypen, die im Gefecht gegen feindliche Elektronik eingesetzt werden könnten. Etwa den "sprengstoffbetriebenen Flux-Kompressor oder die Mikrowellen-Handgranate." Dies kann hier nicht näher und seriös beurteilt werden. Tatsache ist, dass es sich hier und Forschungs- und Entwicklungsarbeiten handelt, die an Bundeswehrdienstellen getestet werden und von der Bundeswehr in Auftrag gegeben wurden. Tatsache ist weiter, dass offenbar der Chefentwickler dieser Mikrowellenkanone, der in der Sendung zu Wort kommenden Dr. Thomas H.G.G Weise, eine nicht übersehbare Spur an Publikationen zu Themenbereichen wie etwa "High Power compact Ultra Wideband Microwave Systems" bei Fachkonferenzen, bei denen es ua. um waffentechnische Anwendungen von nichtletalen Waffen, Lasern und elektromagnetischen Kanonen geht, hinterlassen hat.

Ein offenbar in Deutschland eingetragener Verein, die International Society on Pulsed Power Applications e.V. veranstaltete im März 2001 in Gelsenkirchen eine Fachtagung zu der es im Programm heißt: "Pulsed Power Technology" sei eine herausfordernde Technologie deren Bedeutung erstens in der Waffenentwicklung und zweitens im Bereich der Grundlagenforschung zu sehen sei. Die bei dieser Konferenz gehaltenen Spezial-Referate zum Thema "Magnetfluss-Kompressions-Generatoren" wurden ua. von Experten des Los Alamos National Laboratory und vom U.S. Army Space and Missile Defense Command gehalten. Die Technologie von solchen "Magnetfluss-Kompressions-Generatoren" galt bis zum Ende des Kalten Krieges als klassifiziert. Bei einer internationalen Fachkonferenz der Forschungsgruppe Informationsgesellschaft und Sicherheitspolitik Ende Juni 2001 in Berlin wurde versucht, erste Ansätze zur Rüstungskontrolle im Bereich der Informationsoperationen vorzustellen und zu diskutieren. Die Resonanz dazu ist bislang erfreulich, aber einen Durchbruch in Richtung auf eine Einsicht in die politische Notwendigkeit, die Kriegsfähigkeit der neuen Informationstechnologien zu regulieren, hat sich noch nicht eingestellt. Bislang ist dies ein Minderheiten-Thema, das wahrscheinlich erst dann mehrheitsfähig wird, wenn die wahrgenommene Bedrohung "aus dieser Ecke" maßgeblich steigt.

Die mittelfristige Prognose jedenfalls ist, dass auch die Bundeswehr in manchen Bereichen wahrscheinlich weiterhin unkontrolliert und unbeobachtet von der zumindest der Theorie nach kontrollbefugten Politik, ihren doktrinalen Weg in Richtung auf ein ausdifferenziertes Konzept des Informationskrieges - im Einklang mit den NATO-Verbündeten und unter der Anleitung der USA und insb. ihrer neuen Regierung - beschreiten wird. Dieses Konzept wird, nach allem, was gegenwärtig feststellbar und vernehmbar ist, ohne dass sich hierfür genaue Quellen angeben ließen, auch Konzepte von offensiven Computer-Netzwerk-Attacken enthalten. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten an der sog. Mikrowellenkanone, sind nur ein gegenwärtig darstellbarer Teilaspekt dieser Rüstungsdynamik.

Dr. Georg Schöfbänker ist Leiter des Österreichischen Informationsbüros für Sicherheitspolitik und Rüstungskontrolle in Linz und Mitarbeiter der Forschungsgruppe Informationsgesellschaft und Sicherheitspolitik.

Kommentare lesen (7 Beiträge)
Anzeige