Copyright im Sony-Stil

Website einer Parodie-Musikgruppe gesperrt

”Beatles-Stücke im Metallica-Stil gespielt” -- das versprach die Parodietruppe Beatallica. Doch die Website der Band ist offline: Nicht Metallica hat diesmal den Online-Spaß beendet, sondern Sony im Namen der Beatles.

Cover- und Tribute-Bands gibt es jede Menge: Manche Band hat einfach keinen eigenen Songschreiber, andere sind so große Fans der von ihnen nachgespielten Musik, dass sie sich gar nichts Besseres vorstellen können, auch wenn sie dazu natürlich die Erlaubnis der gecoverten Band beziehungsweise der sie vertretenden Verwertungsgesellschaften brauchen und bei jeder öffentlichen Aufführung Royalties fällig werden -- Abgaben an die ursprünglichen Komponisten. Manche Tribute-Band spielt auch die Musik ihrer oder im Stil ihrer verehrten Band, weil es jene gar nicht mehr gibt. So weit völlig korrekt.

Dementsprechend gibt es Clubs wie das englische Limelight, in denen sich die Cover- und Tribute-Bands mit Namen wie "Alike Cooper" (Alice Cooper-Tribute-Band), "Sisters of Murphy" (Sisters of Mercy-Tribute-Band) oder "The Bon Jovi Experience" (Bon Jovi-Tribute-Band) die Klinke in die Hand geben. Alles kein Problem.

Ärger gibt es jedoch, sobald solche Bands selbst wieder Platten aufnehmen, Websites ins Netz stellen oder auch DJs ihre Remixe verschiedener Platten als eigene Werke ins Netz stellen oder auf CD oder Vinyl pressen lassen. Da geht es dann nur noch danach, ob die Plattenbosse den Mix mögen oder die Parodie nun lustig finden oder nicht -- im Fall von George W. Bush und Tony Blair, die Lionel Richies "Endless Love" singen, befand die Plattenfirma dies beispielsweise für nicht komisch und somit illegal.

Von der Band "Beatallica" aus Milwaukee verlangte Sony nun am 17. Februar 2005 das sofortige Schließen der Website -- weitere Schadensersatzforderungen am angeblich schwer geschädigten Beatles-Katalog werden noch zusammengestellt. Lediglich ein Diskussionsforum und eine Petition gegen Sony sind noch auf anderen Seiten im Netz zu finden. Damit dürfte das Ende der Band besiegelt sein, denn wenn Sony sie nicht plattmacht, dann garantiert Metallica, die ja bereits für harte Maßnahmen in Sachen Online bekannt sind und denen man inzwischen alles zutraut (Alle meine Entchen - schwimmen heut im Netz).

Weder bei Büchern noch bei Filmen sind Parodien verboten, andernfalls säße Mel Brooks seit Jahrzehnten im Kittchen. Bei Musik, die seit jeher von gegenseitigen Einflüssen lebt, scheint dies jedoch im Zeitalter der globalen Rechteverwaltung nicht mehr möglich zu sein, obwohl Weird Al Yankovic auch hier jahrelang erfolgreich war und die Beatles einst selbst zunächst Titel anderer spielten. Jedoch haben die noch lebenden Beatles die Rechte ihrer eigenen Songs dank der Tricksereien von Rechteverwaltern teilweise selbst schon seit Jahren nicht mehr und mussten sich einige teuerst zurückkaufen. Was Kunst sein darf und was nicht, bestimmen schon lange nicht mehr die Musiker, sondern Juristen. (Wolf-Dieter Roth)