Corona-App: Wie geht es nach dem Lockdown weiter?

Die Pflicht-App zwingt zu Disziplin

Erst eine App, in der jede Infektion registriert ist, kann wirklich wirken. Wer die Quarantäne verlässt - natürlich mit dem Handy - warnt seine Umgebung. Die Nutzung öffentlicher Räume und von Massenverkehrsmitteln wird kontrollierbar. Und die App wäre hilfreich im Privatbereich, denn von einer App gewarnt, schicken die Freunde ihren undisziplinierten Gast nach Hause.

Schnell wird es Standard werden, bei jedem Treffen zu prüfen, ob alle ein Smartphone dabeihaben. So kann eine Warn-App Disziplin erzwingen, wo sie vom Charakter her nicht gegeben ist. Es wirkt der soziale Druck, die Angst, von Freunden und Bekannten heimgeschickt zu werden. Strafen und die Häufigkeit der Überprüfungen werden zusätzlich bestimmen, ob Quarantänen unterlaufen werden und Handys zu Hause bleiben.
Im Fazit zeigt sich, dass die Verantwortung der Ministerpräsidenten für die lokale Gesundheitsvorsorge zu kurz greift. Die Nutzung unserer Smartphones und einer zumindest für Infizierte verpflichtenden Corona-App ist eine Frage der europäischen Legislative und deren Interpretation. Gefordert sind die EU-Kommission und das EU-Parlament.

Hoffen wir, dass der derzeit so trostlose Lockdown die Erfolge in Fernost mit unseren heutigen IT-Möglichkeiten wieder in den Fokus rückt und wir dabei von besseren Lösungen lernen. Am Rande sei auch bemerkt, dass die dort übliche Nutzung von Hotelkapazität für Infizierte als sehr wichtig gilt. Das wurde Anfang November von Susanne Johna, der Vorsitzenden der Landesärztekammer Hessen, und von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund auch für Deutschland vorgeschlagen. Es wäre eine ideale Nutzung leerstehender Hotelkapazität, die andernfalls subventioniert werden muss.

Der Vorschlag kam Anfang November, hätte also noch gut in die aktuelle Lockdown-Phase eingehen können. Aber auch jetzt noch könnte es entlastend wirken, ebenso wie eine rasche Verschärfung der Meldepflicht Infizierter in der Corona-App, aller Kritik der Datenschützer zum Trotz.
Ich jedenfalls unterwerfe mich lieber vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Pflichten bei der Abgabe meiner Daten und gebe meine Infektions- und Ortsdaten für mein Handy ab, statt wochenlang in einem durch "Datenschutz" begründeten Lockdown zu veröden.

Datenschutz ist das eine, Freiheit und Mobilität das andere der Güter, die hier gegeneinander abzuwägen sind - wobei jeweils weniger als ein Prozent der Bevölkerung infiziert und für circa zwei Wochen unter überwachter Quarantäne wäre. Deren verpflichtende Registrierung in einer Ausweis-App scheint zumutbar - und die nützt, siehe Fernost. (Peter Grassmann)