Corona: Auch China und Indien bieten Impfstoffe an

Grafik: TP

Mit Serbien und der Türkei setzen nun auch europäische Länder auf die Sera von Sinopharm und Sinovac

Gestern veröffentlichte BioNTech die Ergebnisse einer Studie, für die die Firma Blut von BNT162b2-Geimpften einem künstlichen Virus ausgesetzt hatte, das zehn "charakteristische" Merkmale der britischen Sars-CoV-2-Mutation B.1.1.7 aufweist. Diese künstlichen Viren wurden von den durch die Impfung gebildeten Antikörpern ebenso bekämpft wie die chinesische (oder vielleicht auch italienische) Variante, für die BioNTech sein mRNA-Serum entwickelte.

Auf bewährte Weise mit einem inaktivierten Virus hergestellt

Bei den Impfstoffen der anderen Firmen ist so eine Wirkung möglich, aber unklar. Sie haben allerdings den Vorteil, dass sie kostengünstiger, weniger leicht verderblich und vor allem leichter verfügbar sind als das Serum von BioNTech und Pfizer, das den EU-Ländern im Januar nicht in der Menge geliefert wird, die die Firmen zugesagt hatten.

Viele Länder setzen deshalb auch andere Impfstoffe ein: Serbien etwa impft seit Dienstag nicht nur mit BNT162b2 und dem russischen Vektorvirenimpfstoff Sputnik V, sondern als erstes europäisches Land auch mit dem mit auf bewährte Weise mit einem inaktivierten Virus hergestellten Serum der chinesischen Firma Sinopharm.

Von dem auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Peru verwendeten Mittel mit einer einer Wirksamkeit von 79 Prozent hat die Regierung des Sieben-Millionen-Einwohner-Landes gleich sieben Millionen Dosen bestellt. Eine Million davon hat Sinopharm bereits geliefert. Dem serbischen Gesundheitsminister Zlatibor Lončar nach ist das "der einzige Weg, um zu einem normalen Leben zurückzukehren".

Sinovac: Zweifel am Wirksamkeitsgrad

Außer Sinopharm hat auch die chinesische Firma Sinovac einen Impfstoff mit einem inaktivierten Virus entwickelt, den sie "CoronaVac" nennt. In der Türkei, wo innerhalb der letzten Woche eine Million Menschen damit immunisiert wurde, bescheinigte ihm eine Studie mit 29 Fällen eine Wirksamkeit 91,25 Prozent.

In Indonesien, wo CoronaVac ebenfalls schon zugelassen ist, kam man mit etwa 1.600 Fällen auf lediglich 65,3 Prozent. Brasilianische Wissenschaftler glauben, dass auch das noch zu hoch angesetzt ist. Ihren gestern veröffentlichten Ergebnissen nach liegt die Wirksamkeit des Serums mit 50,4 Prozent nur knapp oberhalb der von der Weltgesundheitsorganisation WHO geforderten Mindesteffektivität.

Die Regierung des Stadtstaates Singapur, die den Impfstoff bestellte, hat ihn bislang noch nicht zugelassen. Auch die nördliche Nachbarregierung in Malaysia will weitere Daten zu diesem Serum abwarten. Noch ein Land weiter nördlich, in Thailand, rechnet man dagegen schon mit einem Sinovac-Einsatzbeginn im Februar.

In Indien, wo die Staatsführung ein eher gespanntes Verhältnis zu den Chinesen pflegt, hat man die heimische Firma Bharat Biotech mit staatlicher Unterstützung einen eigenen Vektorvirenimpfstoff entwickeln lassen: BBV152. Obwohl zu ihm noch keine Daten zur Wirksamkeit vorliegen, will die indische Regierung damit nicht nur den 1,35-Milliarden-Einwohner-Riesen, sondern auch dessen Nachbarn versorgen.

Damit die ihn auch sicher nehmen, hat sie ihn den Regierungen von Bangladesch, Birma, Sri Lanka, Nepal, Bhutan, Afghanistan, Mauritius der Malediven, und der Seychellen kostenlos angeboten. Die Regierung des mit Indien verfeindeten Pakistan ist nicht darunter - und würde ihn wohl auch nicht nehmen, weil sie sonst sofort mit islamistischen Verschwörungstheorien zu kämpfen hätte. (Peter Mühlbauer)