Corona-City München: Wo Maskenpflicht im ÖPNV, aber nicht im Bierzelt gilt

Wie viele Long Covid als "Andenken" vom Oktoberfest mitgenommen haben, steht noch nicht fest. Symbolbild: motointermedia auf Pixabay (Public Domain) / Bearbeitung: TP

Angesichts hoher Bierpreise auf dem Oktoberfest wird auf der Fahrt dorthin gerne "vorgeglüht". Dazu müssen medizinische Masken natürlich heruntergezogen werden. Die Infektionszahlen steigen sprunghaft.

Überraschung: In der bayerischen Landeshauptstadt sind die Corona-Infektionszahlen sprunghaft gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) vermeldete an diesem Donnerstag eine offizielle Inzidenz in von 695,8 registrierten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner – und somit einen Anstieg um mehr als 172 Prozent innerhalb einer Woche. Bayernweit ist die Inzidenz "nur" um knapp 80 Prozent gestiegen, 594,8 Neuinfektionen wurden im Freistaat pro 100.000 Einwohner registriert.

Ein Zusammenhang mit dem feucht-fröhlichen Treiben auf dem Oktoberfest auf der Münchner Theresienwiese liegt nahe – anders als im öffentlichen Nahverkehr müssen in den Bierzelten und Fahrgeschäften hier keine medizinischen Masken getragen werden.

Politisches Personal heizt Diskussion über Doppelmoral an

Fotos von maskenfrei feierndem politischem Personal, das bisher strenge Schutzmaßnahmen befürwortet oder beschlossen hat, werden seit Tagen eifrig in Sozialen Netzwerken geteilt und kommentiert. Vor allem über Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und die Grünen-Chefin Ricarda Lang gibt es deshalb Diskussionen. Söder hatte dazu erklärt, jeder solle "eigenverantwortlich entscheiden, ob und wie er die Wiesn besucht".

Die Maskenpflicht im ÖPNV ist dementsprechend vielen kaum noch vermittelbar – und so trifft der Anstieg der Infektionszahlen wohl nicht nur Fans des Oktoberfests. Die Bierpreise auf der "Wiesn" liegen in diesem Jahr zwischen 12,60 Euro und 13,80 Euro für eine Maß. So richtig die Lichter ausschießen können sich trinkfeste Personen damit nicht. Wer auf Deutschlands größtem Volksfest die Krisenstimmung für einige Stunden vergessen will und eher knapp bei Kasse ist, "glüht vor" – mit Bier oder Wein vom Discounter.

Dies in Bus, Tram, S- oder U-Bahn zu tun, ist zwar immer noch besser, als es am Steuer eines Pkw zu versuchen, aber die medizinischen Masken müssen dafür natürlich heruntergezogen werden. Diese Praxis war in den letzten Tagen häufig zu beobachten. Auf dem Heimweg sind viele ohnehin zu betrunken, um noch zu merken, ob die Maske richtig sitzt oder ob sie gerade theoretisch ein Bußgeld riskieren.

Aktive Corona-"Querdenker" sind das wohl mehrheitlich nicht. Es dürften eher subjektiv "unpolitische" Menschen sein, die widersprüchliche Vorschriften und die politische Klasse einfach nicht mehr ernst nehmen, ohne aktiv gegen sie zu protestieren – und die noch ein bisschen Spaß haben wollen, bevor der bleierne Krisenwinter kommt.

Lauterbach hätte eine Testpflicht besser gefunden

Andere fragen sich vielleicht, wofür sie sich während der Hitzewelle im Juni bei 30 Grad in der Trambahn mit FFP2-Masken gequält haben, wo doch im Hochsommer wenigstens bessere Chancen bestehen, dass Infektionen milde verlaufen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hätte eine Testpflicht auf dem Oktoberfest gerne gesehen, konnte sich damit aber gegenüber den Verantwortlichen in Bayern nicht durchsetzen. "Das Oktoberfest wäre mit Testen vor Einlass sicherer gewesen und nicht weniger schön", sagte er laut einem Bericht des Münchner Merkur. "Bei den Preisen pro Maß wären die Tests auch noch bezahlbar gewesen", befand Lauterbach. (Claudia Wangerin)