Corona-Epidemie: Trump rief vor Ausbruch Expertin aus China ab

"We’ve made tremendous progress" ("Wir haben unglaubliche Fortschritte gemacht"), Donald Trump bei seiner Pressekonferenz am 13. März 2020. Screenshot des Videos/White House

US-Regierung hatte Vertreterin der Seuchenschutzbehörde CDC zurückbeordert und Zusammenarbeit eingestellt. Dann kam SARS-CoV-2

Auch angesichts der pandemischen Verbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 scheint sich die antichinesische Politik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump zu rächen.

Nach einem Bericht der US-kanadischen Nachrichtenagentur Thomson Reuters hat die Trump-Führung wenige Monate vor Beginn der Corona-Pandemie eine hochrangige Kontaktperson für die bilaterale medizinische Zusammenarbeit abberufen. Die Stelle sei dazu vorgesehen gewesen, Krankheitsausbrüche in China frühzeitig zu erfassen und gegenzusteuern.

Eine Epidemiologin, die im Auftrag des US-amerikanischen Zentrums für Seuchenkontrolle und -prävention (Centers for Disease Control and Prevention, CDC) bei einer chinesischen Seuchenkontrollbehörde arbeitete, war im Juli vergangenen Jahres abberufen worden, so Thomson Reuters unter Bezug auf interne Quellen.

Die ersten Fälle des neuen Coronavirus sind dann im November bekannt geworden. Als die Infektionen explosionsartig zunahmen, übte die Trump-Regierung harsche Kritik an China, weil Beijing angeblich Informationen über den Ausbruch zurückhielt und US-Vertretern die Einreise verweigerte.

"Es war herzzerreißend, das mit anzusehen", sagte Bao-Ping Zhu, ein chinesischstämmiger US-Amerikaner, der den vom CDC finanzierten Posten zwischen 2007 und 2011 innehatte. "Wäre jemand vor Ort gewesen, hätten Vertreter des öffentlichen Gesundheitswesens und Regierungen auf der ganzen Welt viel schneller vorankommen können", so Bao-Ping Zhu.

Nach Ansicht des Experten und anderer Sachkundiger hätte die US-amerikanische Epidemiologin Linda Quick, die Epidemie schnell einzudämmen helfen können. Quick war zuletzt als Ausbilderin chinesischer Feldepidemiologen vor Ort, die in das Epizentrum des SARS-CoV-2-Ausbruchs entsandt wurden, um bei der Verfolgung, Untersuchung und Eindämmung der Epidemie zu helfen.

Ideale Position

Als CDC-Mitarbeiterin, so heißt es nun von Expertenseite, wäre Quick in einer idealen Position gewesen, um den Vereinigten Staaten und anderen Länder von vor Ort über den Ausbruch des Coronavirus zu berichten. So wären Warnungen vor der wachsenden Bedrohung womöglich schon Wochen früher außerhalb Chinas wahrgenommen geworden.

Nach der Abberufung Quicks im Juli 2019 wurde dem Agenturbericht zufolge kein weiterer US-Experte zur Leitung des Programms eingesetzt. Dabei hätte nach Bao-Ping Zhus Ansicht ein eingebettet arbeitender Experte durch den direkten Austausch mit chinesischen Kollegen früh von dem Corona-Ausbruch erfahren können.

Die CDC-Expertin Quick war inmitten eines erbitterten US-Handelsstreits zwischen den USA und China abberufen worden. Ihr von der US-Regierung finanzierter Posten wäre in jedem Fall im September eingestampft worden, so die Quellen von Thomson Reuters.

Das CDC hat nach eigenen Angaben erstmals am 31. Dezember von einem "Cluster von 27 Fällen von Lungenentzündung" unerklärten Ursprungs im chinesischen Wuhan erfahren. (Christian Kliver)