Corona-Krise in den USA: Fast 40 Millionen Arbeitslose, aber Milliardäre gewinnen

Hauptgewinner ist nicht Gates, es sind Bezos und Zuckerberg. Das demonstriert, dass die Cui-bono-Verschwörungsanhänger schwer daneben liegen und die systemischen Mechanismen ausblenden

Die USA sind in der neunten Woche der Pandemie mit zusätzlichen 38,5 Millionen Arbeitslosen seit 18. März - und einer Zunahme des Vermögens der 600 überwiegend weißen amerikanischen Milliardäre um 15 Prozent oder 434 Milliarden US-Dollar von unglaublichen 2,948 auf noch unglaublicheren 3,382 Billionen US-Dollar. So leiten Americans for Tax Fairness (ATF) und das Institute for Policy Studies ihren Bericht "Billionaire Wealth, U.S. Job Losses and Pandemic Profiteers" ein, der am 21. Mai als Update von "Billionaire Bonanza 2020" veröffentlicht wurde (Pandemieprofiteure).

Es scheint also wieder einmal klar zu sein, dass es in jeder Krise Gewinner gibt und dass es in aller Regel diejenigen sind, die schon gesellschaftlich auf der Gewinnerseite stehen. Allein das Vermögen von Jeff Bezos und Mark Zuckerberg wuchs in den zwei Monaten zwischen dem 18. März und dem 19. Mai um 60 Milliarden, Bezos wurde 35 Milliarden US-Dollar reicher, Zuckerberg 25 Milliarden. Bill Gates, Warren Buffett und Larry Ellison wurden nur um 15,5 Milliarden reicher. Die Einschränkungen des sozialen und wirtschaftlichen Lebens zur Bekämpfung der Pandemie lässt die einen verarmen und die anderen bereichern.

Bill Gates, der nur um 8 Milliarden US-Dollar reicher wurde, steht derzeit im Mittelpunkt deutscher Impfgegner und Verschwörungsparanoiker, die wahrscheinlich gerne weiter auf Amazon einkaufen und Facebook benutzen, um ihre Vermutungen in Umlauf zu bringen. Man argumentiert gerne Cui bono. Was liegt also auf der Hand, dass Gates, der nicht auf gesellschaftliche Veränderungen setzt, sondern auf technische Lösungen, von der Pandemie und der Entwicklung eines Impfstoffs profitieren sollte? Zumal Gates sein Vermögen in eine Stiftung eingebracht hat, was nicht nur steuergünstig ist, sondern auch ermöglicht, dass er und seine Frau steuern können, wohin die Milliarden fließen. Die Gates mit Microsoft und einem Betriebssystem gemacht hat, das alles andere als virensicher ist.

Wenn man die aktuellen Gewinner anschaut, müssten allerdings andere Krisengewinnler ins Visier rücken. Aber Facebook und/oder Amazon als Strippenzieher hinter der Covid-19-Pandemie aus dem Hut zu zaubern, würde doch auch die Verschwörungsphantasie von KenFM und Co. übersteigen.

Stärker als Gates profitierten derzeit Steve Ballmer (Microsoft), Michael Bloomberg, Elon Musk oder MacKenzie Bezos mit jeweils einem Zugewinne von 12 Milliarden von der Corona-Krise. Charles Koch (Walmart), Michael Dell (Dell) oder Rupert Murdoch (Fox News etc.) fuhren auch nicht schlecht. Allesamt keine Kandidaten, die irgendwie von einem Impfstoff profitieren könnten.

Und überhaupt, möglicherweise liegt es ja am kapitalistischen System, nicht an einzelnen Akteuren, dass eine Krise die Superreichen noch weiter befördert. Die Liebhaber der Verschwörungen können aber nur einzelne Menschen und Gruppen - Gates, das "Merkel-Regime" oder wer auch immer - sehen, nicht Systemzusammenhänge, gleich ob man sie marxistisch oder anders analysiert. Natürlich gibt es Verschwörungen, auch solche der Mächtigen, nicht nur von Kriminellen, Subversiven oder Terroristen, in aller Regel ist die Personalisierung - auch bei der Terror- oder Kriminalitätsbekämpfung - aber unterkomplex und verschleiert systemerhaltend die treibenden Mechanismen. (Florian Rötzer)