Corona-Mutation in Dänemark: "Wettlauf gegen die Zeit"

Die Fallzahlen sinken, doch die Furcht vor der Virusmutation B117 steigt. Kopenhagen will Lockdown-Maßnahmen bis Februar verlängern

Die Corona-Pandemie hat auch Dänemark fest im Griff: Seit dem 5. Januar ist bereits ein Mindestabstand von zwei Metern vorgeschrieben, Versammlung auf fünf Personen beschränkt, Geschäfte, Restaurants und Friseure müssen schon seit Weihnachten geschlossen bleiben.

In dem Land mit seinen 5,8 Millionen Einwohnern wurden bislang 185.159 Infektionen mit Sars-CoV-2 entdeckt, davon starben 1.660 Personen. Aktuell befinden sich 137 Personen mit Covid-19 auf der Intensivstation.

"Wir haben immer noch die Möglichkeit, die Infektion einzudämmen", so Magnus Heunicke, der Gesundheitsminister der sozialdemokratischen Minderheitsregierung am Mittwochabend auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz, bei der er die Lockdown-Maßnahmen verkündete. Der Anstieg der Infektionen durch die aus Großbritannien stammenden Virus-Variante B117 sei jedoch "äußerst besorgniserregend".

Justizminister Nick Hækkerup fordert alle Dänen auf, die weiterhin nicht im Homeoffice arbeiten, sich jede Woche testen zu lassen. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen schwört die Bevölkerung auf "einen Wettlauf gegen die Zeit" ein. Vor fünf Tagen habe man 134 Fälle in den Proben gefunden, die die Behörden fortlaufend durchführen. Jetzt seien insgesamt 208 gefunden worden, das sei eine Steigerung von 55 Prozent. Insgesamt habe man bei 3,6 Prozent der positiven Tests die ansteckendere Virusmutation festgestellt.

Da bislang 13 Prozent der bekannten Fälle in Dänemark sequenziert würden, sei von acht Mal mehr Fällen auszugehen. Aufgrund der auf bis zu 74 Prozent höher geschätzten Infektiosität geht das Staatliche Serum Institut (SSI), die dänische Seuchenschutzbehörde, davon aus, dass die Variante im Land bereits seit längerem kursiert. Dänemark setzt neben Großbritannien auf die teure Sequenzierung des Probenmaterials und will dieses Vorgehenausbauen. Zudem hat das SSI Anfang des Jahres eine neue Methode im Kampf gegen das Virus entwickelt, den sogenannten "Delta-PCR-Test", der sogleich eine Mutation anzeigt.

Er wird seit Mittwoch in dem vom Institut verantworteten Test Center Danmark eingesetzt, auch wurden die Tests an klinische Labore gesandt. Der Vorteil dieser Tests liege in der kürzeren Zeitspanne, innerhalb der das Ergebnis vorliegt: nach zwölf bis 24 Stunden. Bei der Sequenzierung könne es von vier Tagen bis zwei Wochen dauern, so das dänische Institut.

Auch werden andere Mutationen angezeigt wie etwa N439K, das ebenfalls in Dänemark vermehrt festgestellt wurde und im Mai erstmals in Rumänien entdeckt worden ist, wie auch die Mutationen aus Nerzfarmen.

Allerdings gibt die positive Probe nicht an, um welche Variante von SARS-CoV-2 es sich handelt. Sie zeigt nur an, dass es sich um eine dieser Mutanten handelt, die zur genauen Bestimmung sequenziert werden muss. Die Variante aus Südafrika kann mit dem im Dezember entwickelten Test nicht angezeigt werden.

In Deutschland, wo die Variante nachweislich an Weihnachten in Berlin aufgetreten ist, wird bislang nur einer von 900 positiven Tests sequenziert, nun visieren die Labore die Fünf-Prozent-Marke an.

Die britische Variante B117 scheint den Krankheitsverlauf nicht zu verschlimmern. Die Gefahr liege jedoch in der Überlastung des Gesundheitssystems durch eine schnellere Ausbreitung von Covid-19. "Das ist genau der Zustand, den wir bislang zu vermeiden versucht haben", so Anders Fomsgaard, leitender Virologe des SSI, auf der Webseite des Instituts.

Doch auch in Dänemark kommt es zu Konflikten mit Gegnern der Maßnahmen. Am Wochenende ging die Polizei in Kopenhagen und Aalborg gewaltsam gegen hunderte Demonstranten vor. Anhänger der seit Dezember bestehenden Facebook-Initiative "Men in Black" protestierten in schwarz gekleidet und mit Fackeln sowie der Parole "Freiheit für Dänemark" gegen die Einschränkungen.

Dänemark gilt europaweit als Spitzenreiter, was das Impfen seiner Bewohner betrifft. Nach aktuellen Angaben bekamen bereits 2,02 Prozent der Bevölkerungdas Pfizer-BionTech-Präparat verabreicht.

Um nun das Tempo zu erhöhen, hat sich die resolute Landeschefin am Montag mit der Bitte an dänische Unternehmen gewandt, damit sie die Regierung beim Kauf weiterer Impfdosen unterstützen.

Auch andere Methoden wurden angewandt: So sollen Vertreter des SSI und der Arzneimittelbehörde am Silvesterabend versucht haben, mit Pfizer Dänemark ein einen Extra-Deal außerhalb des EU-Abkommens auszuhandeln, um die Impfstoffe schneller zu bekommen. Im Gegenzug wolle man sich mit Forschungsdaten erkenntlich zeigen. (Jens Mattern)