Corona-Politik: Krankenkasse warnt vor "alarmierenden Folgen für Kinder"

Vor allem Kinder leiden unter den Folgen der Corona-Politik. Bild: PublicDomainPictures, Pixabay

Analyse der DAK zu Folgen der Pandemie in Krankenhäusern. Experten sehen erhebliche Auswirkung auf Versorgung und Gesundheit Minderjähriger

Die Pandemie-Politik hat laut einer Studie der Krankenkasse DAK gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Alleine im Jahr 2020 seien im Vergleich zum Vorjahr in den Krankenhäusern 60 Prozent mehr Mädchen und Jungen aufgrund einer Adipositas behandelt worden.

Zugleich sei die Zahl Minderjähriger mit starkem Untergewicht um mehr als ein Drittel angestiegen. "Essstörungen wie Magersucht und Bulimie nahmen um fast zehn Prozent zu", heißt es in der DAK-Studie.

Deutliche Veränderungen seien auch bei Diabetes- und Asthma-Erkrankungen sowie Infektionen zu verzeichnen gewesen, so der aktuelle Kinder- und Jugendreport der DAK. Erstellt wurde die Studie vom Bielefelder Analyseunternehmen Vandage und der örtlichen Universität.

Untersuchungsgrundlage waren die anonymisierten Krankenhausdaten von knapp 800.000 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren.

Der Untersuchung zufolge sank die Zahl junger übergewichtiger Patientinnen und Patienten im Frühjahrslockdown 66 Prozent unter den Wert des Vorjahres, stieg danach aber steil an "und blieb auf Rekordniveau". Gleichzeitig habe die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit starkem Untergewicht 2020 um 35 Prozent zugenommen.

Auch hier zeigte sich das gleiche Muster: Nach einem Rückgang im ersten Lockdown um 19 Prozent hätten sich die Fälle danach verdoppelt. Bei stationär behandlungsbedürftigen Essstörungen wie Bulimie und Anorexie seien während der Lockdowns ein Anstieg um zehn Prozent zu verzeichnen gewesen.

Bei Diabetes und infektiösen Erkrankungen folgte auf einen durch den Frühjahrslockdown bedingten Rückgang eine Zunahme der Fälle.

Bei stationär behandelten Kindern und Jugendlichen mit einem diagnostizierten Typ-1-Diabetes gab es im ersten Lockdown einem starken Rückgang um 28 Prozent. Dagegen lag die Zahl der Behandlungen im zweiten Lockdown 42 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Alleine die Zahl der behandelten Infektionskrankheiten habe angesichts der Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen deutlich abgenommen.

Kinderärzte sprechen von einer ernsten Lage

Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, warnte vor nachhaltigen Folgen:

Die Krankenhausbehandlungsfälle von Kindern und Jugendlichen gingen im ersten Lockdown stärker zurück als im zweiten. Gleichzeitig wurden in Kliniken aber mehr schwere Fälle behandelt. Besorgniserregend ist der Rückgang der stationären Behandlungsfälle ernster Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Asthma bronchiale und psychische Erkrankungen. Insbesondere Adipositas und seelische Störungen waren im zweiten Lockdown sogar häufiger ein Behandlungsgrund als im Vorjahr. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben deutlich negative Effekte auf die Kinder- und Jugendgesundheit - vor allem in den Bereichen Körpergewicht und psychische Gesundheit. Diese Effekte werden uns noch nachhaltig beschäftigen. Es wird noch lange dauern, bis wir zu einer Normalität zurückkehren können.

Thomas Fischbach

Bei den psychischen Erkrankungen sei die Zahl der Klinikbehandlungen zwar insgesamt auf dem Niveau von 2019 geblieben, heißt es in der Studie.

Jedoch sei im Jahresverlauf eine starke Dynamik zu beobachten gewesen: "Nachdem im Frühjahrslockdown über 30 Prozent weniger junge Patientinnen und Patienten aufgrund einer Verhaltensstörung behandelt wurden, stieg ihre Zahl im Herbst- und Winter-Lockdown mit einem Plus von vier Prozent leicht an."

Bei Depressionen und Angststörungen habe sich ein ähnliches Bild ergeben. So seien im ersten Lockdown rund 37 Prozent weniger Mädchen und Jungen stationär versorgt worden, danach seien die Zahlen aber gestiegen.

"Während des zweiten Lockdowns Ende 2020 wurden acht Prozent mehr Kinder und Jugendliche wegen Depressionen und Ängsten stationär behandelt als im Vorjahr", schreiben die Studienautoren.