Corona-Virus: Iran unter besonderer Beobachtung

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15 Todesfälle bei 95 Infizierten - Golfstaaten führen ihre Ansteckungsfälle auf Iran zurück; die Regierung im Nordirak schließt Grenzübergänge, im Nordosten Syriens werden die Kontrollen verschärft

15 Todesfälle infolge einer Ansteckung mit dem Corona-Virus und 95 Infizierte gab das iranische Gesundheitsministerium heute bekannt. Das ist eine außergewöhnlich hohe Sterblichkeitsrate, die Unsicherheit nährt. Dazu gibt es Meldungen, wonach die 17 bestätigten Fälle von Personen im Golfstaat Bahrain, die mit dem Virus covid-19 infiziert sind, mit Iran in Zusammenhang gebracht werden.

Zwar zeigt eine Aufstellung des saudischen Journalisten Ahmed al-Omran, dass die Golfstaaten mit Ausnahme der Vereinigten Arabischen Emirate, wo 13 Fälle bestätigt sind, noch einstellige Fallzahlen (Oman: 2; Kuwait: 3) haben oder "Null Fälle" wie Saudi-Arabien oder Katar. Aber schon das Beispiel Bahrain, wofür der Journalist der Financial Times 2 Fälle angibt, demonstriert, wie schnell beim Corona-Virus die Nachrichten von gestern überholt sind - und sich die Einschätzungen verändern können.

Auch aus Kuwait berichtet AFP, dass das Virus von einer Iran-Reise stammt. Das gleiche Ursprungsland meldet die Nachrichtenagentur für Infektionsfälle in Afghanistan, Bagdad und Oman. Es sind noch wenige Fälle, aber die Angst oder Sorge vor der Verbreitung von covid-19 hat mittlerweile den Nordirak und Nordostsyrien erreicht.

Reaktionen in der Region

In der Autonomen Region im Nordirak hat die kurdische Regierung Grenzübergänge zu Iran geschlossen, was zu Verkehrschaos führte, da sich lange Warteschlangen an den Tankstellen bildeten, die Autofahrer befürchten, dass der Treibstoff knapp werden könnte. Es gibt vier bestätigte Fälle von covid-19-Infizierten in der Provinz Kirkuk. Es handelt sich angeblich um eine Familie, die aus Iran zurückgekehrt ist. Eine augenblickliche Übersicht vom heutigen Dienstag notiert 5 infizierte Fälle im Irak.

Auch die kurdische Selbstverwaltung im benachbarten Syrien verstärkt Präventionsmaßnahmen. Zwar ist der Grenzübergang zum Irak in Semalka weiter offen, aber die Einreisenden würden nun genauer untersucht. Bislang werden keine Fälle von Corona-Infizierten in Syrien gemeldet.

Es würden jetzt Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit sichtbar, so die Beobachter vom Rojava Information Center. Die Lage ist angespannt, aber ohne Corona-Probleme. Eine Verbreitung des Virus würde in der Region, wo man angesichts der Lager für Flüchtlinge und für IS-Mitglieder ohnehin mit großen Problemen bei der medizinischen Versorgung und dem Nachschub von Lebensmitteln kämpft, für ein Katastrophenszenario sorgen.

In Iran hat man dagegen jetzt schon mit einem großen covid-19-Problem zu tun. Nicht nur wegen der erwähnten hohen Zahl an Todesfällen, sondern auch weil Nachrichten aus Iran immer eine besondere politische Dimension haben.

Informationspolitik

Zwar wird auch die Informationspolitik hierzulange kritisch beäugt, so gab es Kritik am Gesundheitsminister Spahn, weil er mit Erfolgen bei der Bekämpfung der Grippe für Beruhigung sorgen wollte, weswegen ihm der Virologe Alexander Kekulé entgegenhält, dass er den Ernst der Lage verkennt. Aber wie eine Aussage zur Corona-Situation in Iran vom iranischen General Gholamreza Jalali anzeigt, geht es dort gleich um andere Kaliber in Sachen Informationspolitik.

Laut Jalali hat man es mit nicht nur mit der Eindämmung der Virus zu tun, sondern auch mit einer "feindlichen Propaganda", die dem iranischen Gesundheitssystem Lügen vorwerfe wie das Veröffentlichen falscher Statistiken und die Unterstellung, dass das Gesundheitssystem mangelhaft sei.

Tatsächlich veröffentlicht die oben genannte AFP-Meldung Aussagen von Passanten, die den Statistiken des staatlichen Fernsehens gegenüberstellen, dass man in den Krankenhäusern "anderes sehe" - ohne weitere Angaben... Auch dass sehr viele Schutzmasken verkauft werden, wird als Indiz für eine verbreitete Verunsicherung gesehen.

Dass sich das Vertrauen der Öffentlichkeit nach dem Dementi-Debakel im Fall der von Iran abgeschossenen Passagiermaschine weiter verflüchtigt hat, ist nachvollziehbar; im Fall des Corona-Virus sorgen aber auch Aussagen des Parlamentariers Shamkhani für Aufregung.

Er berichtet von mindestens 50 Toten in Qom (auch: Ghom oder Qum), wo die ersten Fälle des Virus bekannt wurden. Die Zahl wurde auch von einem offiziellen Vertreter Qoms, namens Amirabadi, genannt. Auch sollen behandelnde Ärzte in Qom infolge des Virus gestorben sein.

Bilder und Auslegungen

Dass auch der stellvertretende iranische Gesundheitsminister Iradj Harirchi mit covid-19 infiziert ist, hat ebenfalls eine besondere Note. Wahrscheinlich werden sich nun Journalisten und Offizielle, die in den letzten Tagen Kontakt mit ihm hatten Gedanken machen wie auch der Beisteher einer Pressekonferenz, dessen Videomaterial nun im Netz als Indiz dafür kursiert, dass die Infizierung Harirchis da schon kenntlich gewesen sei.

Das schließt einerseits an den Vorwurf an, dass offizielle iranische Vertreter nicht sorgsam mit der Krankheit und mit der Informationspolitik dazu vorgehen. Anderseits sind solche Auftritte die Vorlage für weitere Mutmaßungen, die angeregt werden durch das Bild eines hustenden Ministers an der Seite von Präsident Rouhani - Iran ist politisch ein spezieller Fall, wie sich auch auch an den Reaktionen zum Foto zeigt.

(Thomas Pany)