Coronavirus: Neue Zahlen aus Italien

Bild: CDC

Beschrieben werden vom Istituto Superiore di Sanita die Eigenschaften der bislang über 10.000 Todesfälle, die in Italien registriert und als Covid-2019 positiv getestet wurden

Was die Gefährlichkeit von Covid-19 angeht, ist eine aktuelle Statistik aus Italien aufschlussreich, wo die Zahl der Neuinfektionen und die der Toten zurückgeht. Beschrieben werden vom Istituto Superiore di Sanita die Eigenschaften der bislang über 10.000 Todesfälle, die in Italien registriert und als Covid-2019 positiv getestet wurden. Das heißt nur, dass sie infiziert waren, nicht dass sie Symptome zeigten oder an der Infektion starben. Die Daten reichen bis einschließlich den 30. März. Nicht mitgeteilt wird hier, wie hoch die Zahl der Toten über dem zu erwarteten Trend regional und national ist. Eigentlich eine der entscheidenden Größen.

Auf dem ersten Blick fällt wieder auf, dass auch jetzt nur wenige Provinzen ein Coronavirus-Problem haben. Fast 80 Prozent der auf den Virus positiv getesteten Todesfälle starben in der Lombardei oder in der Emilia-Romana, hier ist auch die Zahl der insgesamt positiv Getesteten am höchsten - was auch daran liegen kann, dass hier mehr getestet wird. Aus Piemont, Ligurien und Veneto kommen noch wenige, dann wird es schon sehr dünn. Man kann sich fragen, ob ein Lockdown des gesamten Landes notwendig und sinnvoll ist oder ob es nicht reichen würde, die am schwersten betroffenen Regionen in Norditalien abzuriegeln. Möglicherweise aber hat der Lockdown die Verbreitung auch tatsächlich eingedämmt.

Von den über 42.000 positiv Getesteten zeigten 76 Prozent höchstens milde Symptome. 20,8 Prozent wurden als schwer erkrankt eingestuft, 2,9 als kritisch. Da nicht klar ist, wie viele Menschen überhaupt infiziert sind, lässt sich die Gefährlichkeit damit kaum einschätzen, auch wenn eine nur erhöhte Häufigkeit in Regionen dort ein marodes, ausgedünntes Gesundheitssystem schon lahmlegen kann.

Weiter spielt nach den Daten das Alter eine Rolle. Über einem Alter von 60 Jahren steigt das Risiko, infiziert zu werden, ab 70 Jahren gehört man zur Risikogruppe. Unter 50 Jahren befinden sich 1,1 Prozent der Gestorbenen. Aber das Medianalter der Gestorbenen, die positiv getestet wurden, beträgt 79 Jahre. Die am stärksten betroffene Altersgruppe sind die 80-89-Jährigen, die möglicherweise auch an anderen zusätzlichen Erkrankungen gestorben wären. 55 Prozent der Toten sind Männer, die also auch aus unbekannten Gründen stärker gefährdet sind als Frauen - in jedem Alter.

In Deutschland sind nach RKI 52% aller positiv Getesten Männer, 48 Prozent Frauen. 86% der Todesfälle sind 70 Jahre oder älter. Der Anteil der Männer an den Gestorbenen liegt mit 65% deutlich höher als der der Frauen mit 34%. "Für 48.767 übermittelte Fälle liegen klinische Informationen vor. Häufig genannte Manifestationen waren Husten (53%), Fieber (42%) und Schnupfen (23%). Für 992 Fälle (2%) ist bekannt, dass sie eine Pneumonie entwickelt haben. Eine Hospitalisierung wurde bei 6.382 (13%) der 49.176 übermittelten COVID-19-Fälle mit diesbezüglichen Angaben angegeben."

Bei der Beurteilung der Vorerkrankungen ist schwierig, dass von den Covid-19-Todesfällen nur 909 Patienten analysiert werden konnten, die in Krankenhäusern gestorben sind und von denen es klinische Daten gibt. Bestätigt wird dadurch auf jeden Fall, dass Menschen, die mehrere Erkrankungen haben, besonders gefährdet sind. 75 Prozent haben zwei und mehr (Vor)Erkrankungen. Welche Rolle ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten spielen, ist zweifelhaft. Vor der Krankenhausaufnahme nahmen 28 Prozent der Covid-19-Verstorbenen ACE-Hemmer ein, und 16 Prozent AT1-Antagonisten. Sind also Menschen mit Bluthochdruck oder solche, die Medikamente dagegen nehmen, stärker gefährdet? Herz-Kreislauferkrankungen scheinen in Korrelation mit einer Infizierung ein erhöhtes Risiko zu sein, aber auch Diabetes, Demenz und COPD.

Bei der Einlieferung ins Krankenhaus wurden als Symptome vor allem Fieber, Atembeschwerden und Husten festgestellt. Mit 95,5 Prozent lag bei allen Verstorbenen ein akutes Lungenversagen vor. Ob bestimmte Medikamente die Sterblichkeit reduzieren oder verstärken, ist nicht klar. Die Verstorbenen erhielten zu 86 Prozent Antibiotika, zu 54 Prozent Antivirenmedikamente und Corticosteroide. Fast 20 Prozent erhielten alle drei Medikamente zusammen. Erkenntnisse lassen sich daraus nicht gewinnen.

Offenbar geht alles relativ schnell. Wer von den positiv getesteten Verstorbenen Symptome zeigte, starb durchschnittlich nach 9 Tagen. Wer im Krankenhaus aufgenommen wurde, starb nach 5 Tagen. Ohne Behandlung auf der Intensivstation trat der Tod nach 4 Tagen ein, auf der Intensivstation nach 6 Tagen. (Florian Rötzer)