Covid-19: Achtung bei Geruchs- und Geschmacksverlust!

Sars-CoV-2-Voren (gelb). Bild: NIAID. Lizenz: CC BY 2.0

Enge Nähe zu Menschen ist gefährlicher als der Kontakt mit Gegenständen

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat anhand einer Massenbefragung von Sars-CoV-2-Infizierten ein bislang nicht bekanntes Symptom entdeckt: Nachdem seinem Team ein Patient von einem mehrere Tage andauernden Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes erzählte, fragten die Forscher auch andere danach und stellten fest, dass dieses Phänomen bei etwa 70 Prozent der Erkrankten auftrat. Bei einer Frau ging das so weit, dass sie selbst eine vollgekotete Windel ihres Kindes nicht mehr riechen konnte.

Streecks Entdeckung ist unter anderem deshalb nützlich, weil potenziell Erkrankte und Testbefugte damit besser einschätzen können, ob eine Sars-CoV-2-Infektion oder eine weniger gefährliche Erkrankung vorliegt. Anders als man anhand der Äußerungen vieler deutscher Politiker meinen könnte, ist man beim Gewähren von Tests nämlich immer noch eher sparsam.

Einer Berliner Lehrerin wurde er beispielsweise nach eigenen Angaben verweigert, obwohl sie neben Husten und Halsschmerzen auch hohes Fieber und Atembeschwerden hatte. Dass so ein Test das deutsche Gesundheitssystem 300 Euro kostet, kann sich Olfert Landt von der Herstellerfirma TIB Molbiol nur mit einer "riesigen Geldverschwendung" in diesem System erklären. Er selbst stelle die Kits für 2,50 Euro zur Verfügung, die Dienstleistung in den Laboren sollte seiner Schätzung nach für 7,50 Euro zu haben sein.

Auch das Ausbleiben von Symptomen ist gefährlich

Insgesamt bestätigten Streecks Befragungen die Ergebnisse einer chinesischen Studie aus Shenzhen, der zufolge Sars-CoV-2 bei etwa 90 Prozent der Angesteckten moderate oder milde Symptome wie einen trockener Husten, Fieber und Durchfall auslöst. Oder sogar gar keine. Letzteres fördert die Ausbreitung der Krankheit potenziell, weil solchen Personen häufig nicht bewusst ist, dass sie andere anstecken können. Dass die Symptome oft milde oder moderat sind, hängt damit zusammen, dass sich Sars-CoV-2 vor allem im oberen Rachenbereich vermehrt, und nicht im tiefen Lungenbereich, wie Sars-1. Deshalb kann es sich viel leichter verbreiten als sein in den Nullerjahren besiegter Vorgänger.

Die amerikanische Gesundheitsinstituts NIH und die amerikanische Seuchenschutzbehörde CSC haben währenddessen untersuchen lassen, wie lange das neue Virus auf verschiedenen Oberflächen ansteckend bleibt. Dabei kam heraus, dass es in Aerosolen drei Stunden, auf Papier und Karton 24 Stunden, auf Edelstahl 48 und auf Kunststoff 72 Stunden überleben kann. Auf Kupfer hielt sich der Erreger dagegen nur vier Stunden. Türklinken aus der Kupferlegierung Messing, die früher verbreitet waren, wären deshalb für einen Schutz vor Ansteckung deutlich besser geeignet als die heute üblichen aus Stahl oder Kunststoff.

Das Virus verliert seine Ansteckungskraft aber nicht blitzartig nach vier, 48 oder 72 Stunden. Stattdessen nimmt sie mit der Zeit immer mehr ab. Bei hohen Temperaturen und einer niedrigen Luftfeuchtigkeit geht das schneller als bei niedrigen Temperaturen und einer hohen Luftfeuchtigkeit.

48-Jährige starb in Heimquarantäne

Der Berliner Virologe Christian Drosten warnte nach dem Erscheinen der Studie, dass man nun keine falschen Prioritäten setzen und sich zu sehr auf die Desinfektion von Oberflächen konzentrieren soll. Die sehr viel größere Gefahr liegt seiner Einschätzung nach in der direkten Tröpfcheninfektion durch körperliche Nähe zu anderen Personen: Deshalb sollte man seiner Meinung nach Situationen meiden, in denen sich so eine Nähe ergibt. Konkret nennt er hier die U-Bahn (vgl. Was gegen "Manspreading" und Grippewellen wirklich hilft).

Allerdings birgt auch ein konsequentes Zuhausebleiben gewisse Risiken. Das gilt auch für die "Heimquarantäne" für Infizierte oder Ansteckungsgefährdete. In der österreichischen Hauptstadt Wien starb am Wochenende eine 48 Jährige, bei der so eine Maßnahme nach einem positiven Sars-CoV-2-Test angeordnet worden war. Offiziell wird sie noch nicht als viertes österreichisches Covid-19-Todesopfer geführt, weil das Ergebnis der Obduktion noch nicht vorliegt.

Starb sie an der Sars-CoV-2-Infektion, wäre sie ein Beispiel dafür, dass ein bedingungsloser Glaube an Verlautbarungen der Obrigkeit in Krisensituationen nicht unbedingt den größten Individualnutzen bringt. Auch deshalb, weil die Politik manchmal ein eher taktisches Verhältnis zur Wahrheit pflegt. Das Bundesgesundheitsministerium etwa twitterte am 14. März um 11 Uhr 55, zwei Tage vor den jetzt in Kraft getretenen Maßnahmen,: "Achtung Fake News! Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen." (Peter Mühlbauer)