Covid-19: China lockert Maßnahmen

Grafik: TP

Frankreich, die Niederlande und Tschechien verschärfen sie

Ab heute Mitternacht Ortszeit dürfen etwa 50 der gut 58 Millionen Bewohner der chinesischen Covid-19-Ursprungsprovinz nach zwei Monaten Abriegelung wieder regulär in andere Teile Chinas ausreisen, wenn sie gesund sind. In zwei Wochen, am 8. April, sollen dann auch die acht Millionen Einwohner der besonders betroffenen Provinzhauptstadt Wuhan die Grenzen ihrer Metropole wieder ohne besondere Gründe überschreiten können (vgl. Coronavirus: Huanggang und Wuhan unter Quarantäne).

Anlass für die Lockerung der Maßnahmen ist der deutliche Rückgang der Sars-CoV-2-Ansteckungen in der Provinz und der Volksrepublik. Mehrere Tage lang gab es gar keine innerchinesischen Ansteckungen mehr, gestern wurden aus dem ganzen Land vier gemeldet. Der weitaus größere Teil der registrierten Fälle - 74 - betraf am Montag Personen, bei denen die Infektion bei der Einreise aus dem Ausland festgestellt wurde. Die Gesamtzahl dieser importierten Fälle liegt nun bei 427 von insgesamt 81.171. Die Zahl der an Covid-19 verstorbenen Personen erhöhte sich währenddessen um sieben auf 3.277.

Italien: Zuwachshöhepunkt überschritten?

China ist in dieser Situation wieder in der Lage, in größerem Maßstab Schutzmasken und Schutzanzüge an andere Länder zu liefern - darunter auch an Italien, das am Montag via Wien versorgt wurde. Zum Transport der 130 Tonnen Material, von denen ein Teil im ebenfalls stark betroffenen Nordtirol verblieb, hatte man keine Fracht-, sondern Boeing-777-Passagiermaschinen genutzt, die wegen der Reisebeschränkungen sonst nutzlos herumstehen würden.

In dem inzwischen weltweit am stärksten von der Covid-19-Epidemie getroffenen Land stieg die Zahl der Covid-19-Toten gestern mit 602 etwas weniger stark als am Sonntag (an dem 651 Italiener der Krankheit erlagen) und am Samstag (dem mit 793 Toten bisherigen Rekordtag). Mit 6.077 verstarben in Italien nun fast doppelt so viele Menschen an einer Sars-CoV-2-Infektion wie in China, das gut 23 Mal so viele Einwohner hat. Dass der Anstieg der Infiziertenzahl von 59,138 auf 63.927 in absoluten Zahlen gemessen zwar hoch, aber prozentual gemessen der niedrigste seit Mitte Februar ist, führen die italienischen Behörden auf die seit 10. März geltenden und unlängst verschärften Ausgangsbeschränkungen zurück.

Frankreich: Ausgangsbuchführung

Solche Ausgangsbeschränkungen gibt es inzwischen auch in vielen anderen europäischen Ländern - und auch dort werden sie verschärft: In Frankreich, wo die Zahl der Sars-CoV-2-Infizierten um über 3.000 auf jetzt 19.800 und die Zahl der Covid-19-Todesopfer um 186 auf 860 hochschnellte, verkündete Ministerpräsident Edouard Philippe nun auch eine Schließung der Märkte unter freiem Himmel. Davon ausgenommen sind nur solche in sehr kleinen Ortschaften, in denen sonst die Versorgung mit Lebensmitteln nicht gesichert wäre.

Außerdem dürfen Franzosen nun nur mehr maximal eine Stunde täglich ihre Kinder ausführen oder im Freien Sport treiben. Beides ist außerdem nur in einem Radius innerhalb eines Kilometers um die Wohnstätte erlaubt. Damit die Polizei das kontrollieren kann, ist die Bevölkerung aufgefordert, das Verlassen ihrer Wohnungen und Häuser schriftlich festzuhalten.

Niederlande verlängern bis 1. Juni

In den Niederlanden, wo es nun 4.749 Sars-CoV-2-Infizierte und 213 Covid-19-Tote gibt, hat Justizminister Ferdinand Grapperhaus das vorher nur bis 6. April vorgesehene Veranstaltungsverbot gestern deutlich erweitert und noch vor dem Auslaufen bis 1. Juni verlängert. Anstatt hundert dürfen nun nur mehr maximal drei Gäste gleichzeitig empfangen werden. Darüber hinaus soll die Polizei jetzt entschiedener gegen eine Missachtung des Sicherheitsabstands von mindestens eineinhalb Metern einschreiten.

In Tschechien hat Innenminister Jan Hamáček die Ausnahme für die knapp 50.000 tschechischen Grenzpendler gestrichen. Sie müssen nun wählen, ob sie bis zum Ende der Grenzschließung in ihrer Heimat bleiben, oder sich eine Unterkunft in Deutschland oder Österreich suchen, um weiterhin ihrer Arbeit dort nachgehen zu können. Entscheiden sie sich für letzteres, müssen sie im Falle ihrer Wiedereinreise nach Tschechien in eine vierzehntägige Quarantäne einhalten.

In Deutschland sorgt man sich währenddessen um Äußerungen, die denen der Regierung und der Leitmedien widersprechen. Horst Seehofers Innenstaatssekretär Markus Kerber plant deshalb stärkere "Eingriffe des Staates in soziale Netzwerke", wie er dem Handelsblatt verriet. Dabei soll auch Ursula von der Leyens EU-Kommission helfen, deren "East StratCom Task Force" aktuell unter anderem vor der "Legende" warnt, dass "die [chinesische] Führung um Präsident Xi Jinping […] schnell und effektiv auf den Ausbruch reagiert" habe. Darüber hinaus kritisiert sie mit dem Adjektiv "kremlfreundlich" Medien, "die das Vertrauen der Bürger in die nationalen Behörden und Gesundheitssysteme untergraben". Die tschechische EU-Justizkommissarin Věra Jourová besorgt das so sehr, dass sie nicht mehr nur öffentliche Postings auf Twitter und Facebook, sondern auch private Unterhaltungen auf WhatsApp ins Visier genommen hat. (Peter Mühlbauer)