Covid-19: Kreditprogramm "ohne Begrenzung"

Olaf Scholz. Foto: fsHH. Lizenz: Pixabay

Der deutsche Bundesfinanzminister Olaf Scholz verspricht Unternehmen neben Steuerstundungen auch Liquiditätshilfen

Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz und der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier haben heute ein "Sicherheitsnetz für die Wirtschaft" präsentiert, das dort die Folgen der Covid-19-Epidemie abmildern soll. Neben einer "Stundung von fälligen Steuern" kündigte Scholz dabei auch eine staatliche Garantie für Kredite an, die Unternehmen bei Banken aufnehmen. Dieses Programm wird seiner Ansicht nach "ohne Begrenzung" anlaufen und soll "die Liquidität der Betriebe für die nächsten Jahre sicherstellen". Hier, so der SPD-Politiker, werde "nicht gekleckert, sondern geklotzt".

Am Dienstag hatte sich die deutsche Bundesregierung lediglich darauf verständigt, auf die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise mit einem Gesetz zur erleichterten Gewährung von Kurzarbeitergeld zu reagieren, das erst noch den Bundestag und den Bundesrat passieren muss. Mehrere Wirtschaftswissenschaftler hatten das am Tag darauf in einem gemeinsamen Papier als unzureichend kritisiert und vor einer Rezession gewarnt, die der deutschen Wirtschaft im ersten Halbjahr 2020 trotz der gestiegenen Nachfrage durch Hamsterkäufe drohe.

Globale Lieferketten

Eine Belastung für die Wirtschaft sind ihrer Voraussicht nach unter anderem "Angebotsstörungen", zu denen es kommt, wenn "globale Lieferketten" epidemiebedingt unterbrochen werden. Eine wichtige Rolle spielt hier das Virenursprungsland China, aus dem etwa zehn Prozent der "Vorleistungsgüter" für die deutsche Industrie und das deutsche Handwerk kommen. Aber auch im besonders stark von der Seuche betroffenen Norditalien sind zahlreiche Zulieferer ansässig.

Einer zwischen dem 3. und dem 6. März mit mehr als 10.000 Teilnehmern durchgeführten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages nach geht mit 47,17 Prozent fast die Hälfte der deutschen Unternehmen davon aus, durch die Covid-19-Epidemie Umsatzeinbußen zu erleiden. 27,18 Prozent der Firmen rechnen sogar damit, dass diese Umsatzeinbußen höher als zehn Prozent ausfallen werden. Sie kommen vor allem aus dem Reise-, Veranstaltungs- und Gaststättenbereich.

Vergleich mit Finanzkrise

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte die Covid-19-Seuche bereits am 2. März als "größte Gefahr für die Weltwirtschaft seit der Finanzkrise" bezeichnet. Auf diesen Vergleich spielte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder gestern möglicherweise ebenso an wie auf Mario Draghis Whatever-It-Takes-Reaktion von 2012, als er meinte, man müsse "alles tun, um eine ganz große Rezession zu verhindern".

Dazu zählt seinen Vorgaben nach unter anderem eine finanzielle Absicherung für Krankenhäuser, die sich ohne Angst vor finanziellen Folgen auf Intensivbehandlungen umrüsten sollen. Besuche sollen dort ebenso "massiv" eingeschränkt werden wie in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Damit folgt die bayerische Staatsregierung dem österreichischen Vorbild. Auch die anfangs bei tausend Personen angesetzte Veranstaltungsteilnehmerhöchstgrenze wurde inzwischen auf den in Österreich geltenden Wert Hundert verringert.

Börsen

Weil Kinder und junge Leute die meisten und körperlich engsten Sozialkontakte haben (wie man regelmäßig an der Verbreitung von Läusen sieht), wurden in Bayern außerdem die Osterferien vorverlängert. Faktisch begannen sie heute Nachmittag mit dem Schulschlussgong. Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, das Saarland, Luxemburg, Frankreich, Belgien, Italien, Portugal und die US-Bundesstaaten Kentucky, Maryland, Michigan, New Mexico, Ohio und Oregon haben ebenfalls zu dieser Maßnahme gegriffen.

Dort, in den USA, ist die kurzzeitige Erholung der Börsen im Zuge von Donald Trumps Inaussichtstellung finanzieller Entlastungen schon wieder vorbei. Gestern verlor der Dow-Jones-Index mit 9,99 Prozent so viel wie seit dem Börsencrash von 1987 nicht mehr. Dem Nasdaq und dem S&P 500 erging es kaum besser. In Asien setzte sich dieser Trend heute mit sechs Prozent Minus beim japanischen Nikkei-Index, 6,2 Prozent Minus beim Hongkonger Hang-Seng-Index und 3,4 Prozent Minus beim südkoreanischen Kospi fort.

Der deutsche Dax (der gestern mit 12,24 Prozent, den größten Tagesverlust seit 1989 verbucht hatte) erholte sich dagegen wieder etwas. Dass so eine Erholung derzeit nicht unbedingt lange anhalten muss, zeigt die Entwicklung der amerikanischen Indizes. Für eine länger anhaltende Erholung sorgen könnten erfolgreiche Impfstoff- und Medikamententwicklungen. Ein kleiner Schritt in diese Richtung war heute die ungewöhnlich rasche Anerkennung eines Sars-CoV-2-Schnelltests des schweizerischen Pharmakonzerns Roche durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA. Letztere griff dazu auf eine Notfallklausel zurück, weshalb die Zulassung vorerst nur vorübergehend gilt. (Peter Mühlbauer)