Covid-19: Quarantäneregeln gelten nun in ganz Italien

Grafik: TP

Das europäische Land ist ab heute eine "geschützte Zone" - und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping besucht die Seuchenursprungsstadt Wuhan

Ab heute ist ganz Italien eine "geschützten Zone" mit Verboten, wie sie in der Lombardei und in 14 italienischen Provinzen bereits am Sonntag verhängt wurden (vgl. Covid-19: "Jugendliche haben die Verantwortung, ihre Eltern und Großeltern zu schützen"). Der Slogan, den der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte dazu gestern Abend ausgab, lautet: "Ganz Italien wird zuhause bleiben müssen".

Italiener, die in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf Fernstraßen unterwegs sind, müssen der Polizei nun einen "dringenden" Grund dafür nennen können, wenn sie kontrolliert werden. Als dringend akzeptiert werden aber neben gesundheitlichen Notfällen und beruflichen Notwendigkeiten auch familiäre Verpflichtungen. Außerdem müssen sie sich darauf gefasst machen, dass mit Thermoscannern ihre Körpertemperatur kontrolliert wird.

Polizeieinsatz beim Hamsterkauf

Nachdem die Maßnahmen gestern Abend bekannt wurden, bildeten sich vor Supermärkten mit langen Öffnungszeiten lange Schlangen. Mit den damit verbundenen Wartezeiten wurden nicht alle Italiener nervlich gut fertig. Im der sizilianischen Hauptstadt Palermo kam es deshalb zu körperlichen Auseinandersetzungen und einem Polizeieinsatz. Die Regierung verlautbarte darauf hin, es gebe keinen Grund, Lebensmittel zu horten, weil die Versorgung gesichert sei.

Allerdings gibt es Einschränkungen beim Einkauf: Größere Geschäfte dürfen an Wochenenden nicht mehr öffnen, an Wochentagen müssen sie - ebenso wie alle anderen - einen Mindestabstand von einem Meter zwischen ihren Kunden garantieren. In Foggia und der Umgebung dieser Ortschaft sollen sie einer Empfehlung der Polizei nach ganz geschlossen bleiben, weil dort 50 Gefängnisinsassen meuterten und ausbrachen, nachdem man zur Covid-19-Vorbeugung die Besuchsmöglichkeiten eingeschränkt hatte. 30 davon wurden inzwischen wieder eingefangen, 20 sind noch flüchtig.

Tod durch überlastetes Gesundheitssystem

Gaststätten dürfen bis maximal 18 Uhr öffnen, müssen aber ebenfalls einen Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen ihren Gästen garantieren, der von der Polizei überprüft werden kann. Schwimmbäder und andere Sportanlangen bleiben dagegen ebenso komplett geschlossen wie Kinos, Theater, Schulen und Universitäten. Damit will Conte die Ausbreitung des Covid-19-Erregers unter Kontrolle bekommen. Dieser Erreger ist inzwischen für 463 tote Italiener verantwortlich - alleine gestern starben 97 daran. Die Zahl der Angesteckten stieg währenddessen von 7.375 auf 7.985.

Dem bergamaskischen Anästhesisten Christian Salaroli zufolge hat das dazu geführt, dass Ärzte "wie in allen Kriegssituationen […] nach den Kriterien Alter und Gesundheitszustand" entscheiden, wer zu knappe Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommt. "Wenn ein Patient im Alter zwischen 80 und 95 Jahren an einer schweren Ateminsuffizienz leidet", so Salaroli, "dann wird man wahrscheinlich eine [Hypoxie-]Behandlung nicht fortsetzen." Auf die Rückfrage des Corriere della Sera hin, ob man solche Kranken damit sterben lässt, meinte der Mediziner, das sei zwar "eine schreckliche Aussage, aber leider zutreffend".

Erste deutsche Covid-19-Tote

Inzwischen gibt es auch in Deutschland die ersten Covid-19-Toten: Eine 89-Jährige aus Essen, deren Immunsystem eine knappe Woche lang mit der Krankheit kämpfte, und einen 78-Jährigen aus dem rheinischen Heinsberg, der sich wahrscheinlich auf einer Karnevalssitzung ansteckte (vgl. Covid-19: "Beginn einer Epidemie"). Bei über 1100 Angesteckten könnten es bald mehr werden.

Die von manchen Medizinern geäußerten Hoffnung, dass sich die Ausbreitung des Virus mit einem Anstieg der Temperaturen wesentlich abschwächt, wird von Christian Drosten, dem Direktor der Virologie an der Berliner Charité, nicht geteilt. Amerikanische Modellrechnungen zeigen seinen Informationen nach, dass "der saisonale Effekt auf diese Viren voraussichtlich nicht so groß [ist,] wie auf einige andere Erkältungsviren".

Wuhan-Besuch zur "Inspektion der Arbeit zur Vorbeugung und Kontrolle der Epidemie"

In China, dem Ursprungsland des Virus, entspannt sich die Lage dagegen. Auch dort steckten sich zwar immer noch Menschen mit dem Covid-19-Erreger an - aber mit 19 waren es gestern so wenige wie noch nie seit dem Beginn der Veröffentlichung von Zahlen im Januar. Von den dort gut 80.000 Infizierten starben am Montag weitere 17 - so wenige, wie seit sechs Wochen nicht mehr.

Von den nun insgesamt 3136 chinesischen Covid-19-Toten stammten ungefähr 3000 aus der Ursprungsprovinz Hubei, in der etwa 67.000 der insgesamt gut 80.000 Ansteckungen geschahen. Mittlerweile gilt aber auch Wuhan, die Hauptstadt dieser Provinz, als so sicher, dass sie der chinesische Staatspräsident Xi Jinping heute zur "Inspektion der Arbeit zur Vorbeugung und Kontrolle der Epidemie" besucht.

Trotzdem spüren die Chinesen die Auswirkungen der Seuche noch - unter anderem an ihren Geldbeuteln. Der Verbraucherpreisindex stieg im Februar um 5,2 Prozent, die Lebensmittelpreise legten im Vergleich zum Februar 2019 sogar um 21,9 Prozent zu. Das ist zum einen eine Folge der Einschränkung des Verkehrs und zum anderen auch die Auswirkung einer stärkeren Nachfrage und eines verringerten Angebots durch Hamsterkäufe. (Peter Mühlbauer)