Covid-19 in Deutschland: 129.000 Tote bis Anfang März?

Bild: NIAID/CC BY-2.0

Deutschland erreicht einen Tageshöchstwert an Corona-Toten. Bis zum Frühjahr wird ein starker Anstieg prognostiziert

Anfang August berichteten wir über Prognosen amerikanischer Forscher, die verschiedene Szenarien des weiteren Anstiegs der Covid-19-Toten modelliert hatten (COVID-19 in Amerika). Das Team vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der University of Washington hielt einen Anstieg der Gesamtzahl der Toten bis Dezember in den USA auf 300.000 Tote für den wahrscheinlichsten Fall. Für Deutschland prognostizierte das IHME einen Anstieg bis Dezember auf 13.600 Tote.

Anfang August gab es in den USA gut 160.000 Menschen, die im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben waren. In Deutschland lag die Zahl der Corona-Toten Anfang August bei etwa 9.000. In der letzten Novemberwoche liegt die Zahl der Covid-19-Toten in den USA bei gut 260.000; bis Anfang Dezember wird vermutlich ein Stand von 270.000 erreicht werden, etwa 10 Prozent unter dem vom IHME prognostizierten Wert.

In Deutschland liegt die Zahl der Covid-19-Todesfälle Ende November bei fast 15.000 und damit gut 10 Prozent über dem für Anfang Dezember prognostizierten Wert. Allein am 25. November meldete das Robert Koch-Institut 410 Corona-Todesfälle, einen neuen Tageshöchstwert.

Auch die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland, die positiv auf das neue Coronavirus getestet wurden, steigt beharrlich weiter. Anfang August befanden sich laut Angaben des "Intensivregisters" der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) nur 236 Patienten mit Covid-19 auf den Intensivstationen; davon wurden 136 invasiv beatmet (Stand: 09.08.). Ende November befinden sich 3.770 Patienten mit Covid-19 in intensivmedizinischer Behandlung; davon sind 2.176 Patienten mit einem Schlauch an ein Beatmungsgerät angeschlossen, um zu verhindern, dass sie ersticken (Stand: 24.11.).

Ferndiagnosen

Die Frage, wie viele der Patienten nicht nur "mit", sondern "wegen" Covid-19 auf den Intensivstationen liegen, wird kontrovers diskutiert. Manche spekulieren, dass eine steigende Zahl positiver Corona-Fälle im Wesentlichen ein Ergebnis einer steigenden Zahl von Tests sei. Der Anstieg der positiven Fälle in den Krankenhäusern sei somit zu erwarten. Solchen zumeist von medizinischen Laien geäußerten Ferndiagnosen stehen Schätzungen von Medizinern gegenüber, denen zufolge mehr als 90 Prozent der coronapositiven Intensivpatienten sehr wohl "wegen" dieser Virusinfektion sehr ernsthaft erkrankt sind.

Diejenigen, die die Corona-Pandemie als bösartiges Kontrollinstrument finsterer Mächte darzustellen versuchen, interpretieren solche Angaben auf die ihnen eigene Weise: Meldungen über steigende Fallzahlen erklären sie zur Panikmache, da sich an den positiven Fällen nicht ablesen lasse, wie viele Menschen wirklich erkranken oder sterben würden. Sie scheinen zu glauben, dass es bei einer Corona-Infektion und einer Erkrankung mit Todesfolge keinen systematischen Zusammenhang gibt.

Ein solch zirkuläres Gedankenkonstrukt hat für dessen Befürworter den großen Vorteil, dass es, einem aggressiven Virus ähnlich, sehr resistent ist. Es lässt sich weder durch Gegenargumente noch durch einen Verweis auf Fakten widerlegen. Denn für diejenigen, die die Corona-Pandemie nur als böse Masche betrachten, die eigens zu dem Zweck konstruiert wurde, um ihnen an den Kragen zu gehen, gibt es keine Fakten. Für sie, das haben sie über viele Monate bewiesen, ist tendenziell jede Aussage, die nicht von ihnen verbreitet wird, eine Lüge. Dabei profitieren Sie von dem Verhalten derjenigen, die ihre Verschwörungsideologie nicht teilen und aktiv dazu beitragen, die Zahl der Infektionen zu begrenzen.

Anthony Fauci: "Annäherung an niederschmetternde Anzahl von Todesfällen"

"Wir befinden uns aus mehreren Gründen in einer sehr verletzlichen Phase", erklärte Dr. Anthony Fauci Anfang dieser Woche. Als Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases ist Fauci einer der medizinischen Chef-Berater der U.S.-Regierung. Aufgrund der kälteren Jahreszeit befänden sich mehr Menschen in Innenräumen, wo sich Atemwegserkrankungen leichter übertragen. Außerdem stehe eine ganze Reihe von Feiertagen an.

Aus diesen Gründen bestehe nun ein erhöhtes Risiko, dass die Zahl der Fälle weiter steige. Aktuell registrieren die USA rund 200.000 positive Fälle pro Tag. Laut Washington Post war der 24. November mit fast 2.100 Corona-Toten der tödlichste Tag der Pandemie seit dem Frühjahr. "Rechnen Sie das durch", so Anthony Fauci. "2.000 bis 3.000 Todesfälle am Tag multipliziert mit zwei Monaten und sie nähern sich einer wirklich niederschmetternden Anzahl von Todesfällen."

Allerdings, so der Immunologe, sei ein solches Ergebnis nicht unvermeidlich. Der weitere Verlauf hänge davon ab, ob die Menschen sich an die bekannten Vorsichtsregeln hielten. Damit könnte die Zahl der Ansteckungen und der Erkrankungen reduziert werden.

Das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) prognostiziert in seinem jüngsten Update für Anfang März 2021 eine Zahl von 470.000 Covid-19-Toten in den USA. Dabei handelt es sich nicht um ein Worst-Case-Szenario, sondern um den wahrscheinlichsten Fall. Dieser sei an die Voraussetzung gekoppelt, dass Ausgangssperren verhängt werden, falls pro Tag mehr als 8 Menschen pro 1 Million Einwohner an Covid-19 sterben.

Für Deutschland prognostiziert das IHME unter diesen Bedingungen bis Anfang März über 129.000 Corona-Tote. Dabei handele es sich nicht um ein Worst-Case-Szenario. (Thomas Schuster)