Covid-19 in Deutschland: 92.000 Tote bis Anfang Mai?

Bis zum Frühjahr wird ein weiterer starker Anstieg der Corona-Sterbefälle prognostiziert

Im August und im November berichteten wir über Prognosen U.S.-amerikanischer Forscher, die verschiedene Szenarien des weiteren Anstiegs der Covid-19-Toten modelliert hatten. Die Forschergruppe des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der University of Washington hat kürzlich ein Update ihrer Prognosen vorgelegt.

Im August hielten die Forscher einen Anstieg der Gesamtzahl der Toten in Deutschland auf 13.600 bis Dezember für den wahrscheinlichsten Fall. Dieser Wert lag zu tief und wurde bereits Ende November überschritten. Anfang Dezember lag die Zahl der Sterbefälle in Deutschland gut 10 Prozent über dem vom IHME vier Monate vorher prognostizierten Wert.

In seinem November-Update prognostizierte das IHME für Anfang März 2021 eine Zahl von 129.000 Toten in Deutschland. Dabei handelte es sich nicht um ein Worst-Case-Szenario, sondern um den aus der Sicht des Prognose-Modells wahrscheinlichsten Fall. Dieser sei an die Voraussetzung gekoppelt, dass Ausgangssperren verhängt werden, falls pro Tag mehr als 8 Menschen pro 1 Million Einwohner an Covid-19 sterben.

In seinem jüngsten Update legt das IHME neue Zahlen vor. Die gute Nachricht lautet: Das Horror-Szenario vom Spätherbst mit 129.000 Toten bis Anfang März wurde nach unten korrigiert. Die sehr schlechte Nachricht lautet: Die gegenwärtige Projektion beziffert eine Gesamtzahl von 76.000 Toten in Deutschland bis März. Von dem aktuellen Niveau von 46.419 beim RKI gemeldeten Sterbefällen (Stand: 17.01.) entspräche dies einer Erhöhung um zwei Drittel. Dies wären weitere 30.000 Tote in knapp sechs Wochen.

Den kompletten März hindurch, noch bis in das Frühjahr, sehen die Statistiker des IHME einen weiteren Anstieg der Fälle, wenn auch zunehmend langsamer im Vergleich zu den Wintermonaten. Erst im April sei mit einer deutlichen Abflachung der Kurve zu rechnen. Die Zahl der Covid-19-Sterbefälle wird weiter steigen. Aber sie wird weniger schnell steigen. Für Anfang Mai lautet die derzeitige Prognose für Deutschland: 92.000 Tote. Das wären doppelt so viele Sterbefälle wie derzeit.

Ein Anstieg auf 76.000 Sterbefälle bis Anfang März von derzeit 46.000 entspräche einem Durchschnitt von täglich 714 Sterbefällen in den nächsten sechs Wochen. Ein weiterer Anstieg auf 92.000 in den darauffolgenden zwei Monaten bis Anfang Mai entspräche durchschnittlich weiteren 262 täglichen Fällen.

Faktoren, welche die weitere Entwicklung der Fallzahlen signifikant beeinflussen können, sind dem IHME zufolge die Bereitschaft zum Tragen von Masken sowie die Zahl der Impfungen. Allerdings scheint, zumindest kurzfristig und bis ein nennenswerter Teil der Bevölkerung geimpft ist, das Potential von Masken, die Zahl der Sterbefälle maßgeblich reduzieren zu können, wesentlich höher. (Thomas Schuster)