Covid-Impfungen gegen Geld oder andere Vorteile

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Die jetzt vorhandene Impfbereitschaft reicht kaum aus, um eine Herdenimmunität herzustellen, ein Ethikprofessor schlägt eine Belohnung vor, in China sollen bereits eine Million Menschen geimpft worden sein

Nach einer Umfrage Ende September wäre nur die Hälfte der Amerikaner dazu bereit, sich mit einem von der Zulassungsbehörde FDA bewilligten Impfstoff gegen Covid-19 impfen zu lassen. Im Juli hätten dies noch 66 Prozent gemacht. Bei einer Umfrage Ende Oktober, also noch vor der Wahl, stieg die Bereitschaft wieder auf 58 Prozent an. Das dürfte damit zusammenhängen, dass viele von einem Wahlsieg Bidens ausgingen. So war die Impfbereitschaft bei den demokratischen Wählern im September stark auf 53 Prozent von davor 78 Prozentabgesunken und stieg jetzt wieder auf 69 Prozent, während bei den republikanischen Wählern die Bereitschaft von 39 auf 50 Prozent im September stieg und sich dort hielt. Weiterhin lehnen 42 Prozent eine Impfung ab.

In Deutschland ist die Impfbereitschaft gesunken, obgleich Impfstoffe wie der von Pfizer/Biontech bald zur Verfügung stehen sollen. Gut möglich, dass auch hierzulande der Druck der Hersteller und der Politik auf schnelle Zulassung misstrauisch macht, ob auch genügend auf Sicherheit geachtet wird. Im letzten DeutschlandTrend vom 22.11. sagten 37 Prozent, sie würden sich "auf jeden Fall" impfen lassen, was immer dabei an Risiko mit eingegangen werden sollte. Das sind 7 Prozent weniger als im Vormonat. Wahrscheinlich würden sich 34 Prozent impfen lassen (4 Prozent mehr). Wahrscheinlich nicht 14 Prozent (+2) und auf keinen Fall 15 (+3). Möglicherweise wären also Zweidrittel bereit, wahrscheinlich eher die Hälfte, der Rest würde eher abwarten, wenn alles auf freiwilliger Basis erfolgt und Nicht-Geimpfte keine Nachteile erfahren.

Fraglich ist, ob bei dieser Impfbereitschaft durch Impfen eine Herdenimmunität erreichbar wäre. Gemeinhin geht man davon aus, dass mehr als 60 Prozent der Bevölkerung geimpft werden müssten. Aber das hängt von vielen Annahmen ab wie etwa von der Reproduktionsrate (R-Wert), der Verbreitung von länger anhaltender Immunität und natürlich auch vom Impfstoff. Schützt er nicht zu 100, sondern weniger, müsste entsprechend mehr geimpft werden.

Freiwilligkeit durch Geld schlägt ein Ethikprofessor vor

Unlängst hatte Professor Julian Savulescu vom Oxford Uehiro Centre for Practical Ethics der University of Oxford im Journal of Medical Ethics den Vorschlag gemacht, Impfen mit einer Gegenleistung zu verbinden. Impfen sollte freiwillig geschehen, aber es könnte zwingend werden, falls es sich um eine große Bedrohung handelt, der Impfstoff sicher ist, die Vorteile die Nachteile anderer Alternativen übertreffen und der Grad des Zwangs verhältnismäßig ist. Zwänge gebe es viele, er führt die Rekrutierung in Kriegszeiten an, Steuern, das Anlegen von Sicherheitsgurten oder bereits existierende Zwangsimpfungen für bereits eingeführte und sichere Impfstoffe.

Zwangsimpfungen vor allem mit neuen Impfstoffen, bei denen sich das Risiko nicht genau abschätzen lasst, würden aber mit ethischen Problemen einhergehen, so dass eine Belohnung in Betracht gezogen werden sollte, wenn es mit Freiwilligkeit nicht klappt, eine Herdenimmunität zu erreichen, die er mit 82 Prozent angibt. Weil sich das Risiko bei einer Covid-19-Impfkampagne nicht genau abschätzen lässt, könnte man die Menschen, die keiner Risikogruppe angehören und bei einer Impfung nur ein geringes Risiko für das öffentliche Wohl eingehen, mit einer Geldbelohnung locken.

Impfgegner ließen sich damit wahrscheinlich nicht überzeugen, andere aber schon, die sich ohne Belohnung nicht hätten impfen lassen. Die sollen also durch egoistisches Interesse zum altruistischen Verhalten gebracht werden. Gut wäre auch, so der Ethiker, weil dann die Menschen freiwillig das Risiko eingehen und selbst entscheiden, ob ihnen das die Bezahlung wert ist. Das sei so ähnlich wie ein Jobangebot mit gutem Lohn.

Das ethische Problem ist natürlich, dass eher ärmere Menschen sich gegen ein Geldangebot impfen lassen, da man ja kaum nach Einkommen oder Vermögen die Zahlung erhöhen wird. Savulescu meint, das sei aber kein Problem, weil die Welt halt so sei, was weniger ethisch und eher zynisch ist, zumal der Professor nicht zu den Armen gehört: "Es kann sein, dass Ärmere mehr gewillt sind, das Geld und das Risiko zu nehmen, aber das gilt für alle riskanten und unangenehmen Jobs in einer Marktwirtschaft. Es ist nicht notwendigerweise Ausbeutung, wenn es Schutzmaßnahmen wie einen Mindestlohn gibt oder ein fairer Preis für die Übernahme des Risikos gezahlt wird." In manchen Ländern würden auch Blutspender bezahlt - geht also. Zahlen könnte auch im Vergleich zu anderen Maßnahmen wie Shutdowns auch billiger sein. Einen Vorschlag, wie hoch eine solche Zahlung sein sollte, macht der Ethiker nicht.

Aber man müsste sich nicht auf Geld kaprizieren, meint der Ethikprofessor in utilitaristischer Tradition. Stattdessen könne man ja auch denjenigen, die sich impfen lassen und dafür einen Immunitätsausweis erhalten, anbieten, frei reisen zu können, keine Maske in der Öffentlichkeit tragen und den Abstand nicht einhalten zu müssen. Gesundheitsminister Spahn hatte bereits versucht, einen solchen Immunitätsausweis durchzusetzen und ist nicht daran gescheitert. Aber die Möglichkeit schwebt in der Luft, auf diese Weise große Teile der Gesellschaft offen zu halten und entsprechenden Druck auf die Trägen, Unwilligen und Ängstlichen auszuüben.

In China wurden schon eine Million Menschen geimpft, westliche Konzerne im Überbietungswettkampf

Solche Probleme gibt es in China nicht. Dort wurde der durch eine Notzulassung eingeführte Sinopharm-Impfstoff, der aber noch weiter klinisch getestet wird, bereits einer Millionen Menschen verabreicht. Es habe keinen einzigen Fall einer schwereren gesundheitlichen Folge gegeben, so der Chef der staatlichen Firma, sondern nur milde Symptome. Zudem werden Menschen in Risikogruppen bereits mit einem Impfstoff des privaten Pharmakonzerns Sinovac Biotec geimpft. Zu diesen Risikogruppen gehören Mitarbeiter im Medizinsystem, aber auch in Schulen, Supermärkten und im öffentlichen Verkehrssystemen.

Wie freiwillig diese Impfungen sind, ist fraglich, allerdings sind die Chinesen deutlich williger, sich impfen zu lassen, als Menschen in westlichen Gesellschaften. China will - wie Russland - in der Konkurrenz der Impfstoffanbieter ganz vorne mitspielen. Je schneller man auf dem Markt ist und vorweisen kann, dass bei Massentests keine große Risiken entstehen, desto besser kann man sein Produkt vermarkten. Es geht um Milliarden - und natürlich auch um dadurch entstehende Abhängigkeiten und politische Einflussmöglichkeiten. Noch ist freilich unklar, wie gut und vor allem wie lange die Impfstoffe wirklich vor einer Ansteckung schützen.

Der US-Pharmakonzern Moderna hatte kürzlich mitgeteilt, sein Impfstoff habe eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent, womit er besser wäre, als der Impfstoff von Biontech/Pfizer, der nur mehr als 90 Prozent haben sollte. Man musste nicht lange darauf warten, bis Biontech/Pfizer im Überbietungsbewerb verkündeten, ihr Impfstoff sei doch besser, weil er nach den letzten Ergebnissen eine Wirksamkeit von 95 Prozent habe und bei allen Altersgruppen ähnlich gut abschneide. Das kann tatsächlich das Misstrauen fördern.

(Florian Rötzer)