Cyborgs, Katastrophen und Visionen
Europas Transhumanisten schauen in die Zukunft
Nur eine Woche nach der Extro-5 (Von Maschinenintelligenz und dem Aufruf zum Widerstand gegen die Opponenten des Fortschritts) fand als Gegenstück auf dem alten Kontinent mit der TransVision 2001 die vierte europäische Konferenz zum Transhumanismus statt. Nach den Veranstaltungen vergangener Jahre in Weesp/NL, Stockholm und London, lag in diesem Jahr die Durchführung in den Händen der deutschen De:Trans in Berlin.
Die im Vergleich zum amerikanischen Äquivalent beschauliche Konferenz wurde in einem Hotel am Rande des Flughafens Tegel ausgetragen. Etwa 35 Teilnehmer wurden von einer Schar von einem Dutzend in- und ausländischer Journalisten begleitet. Das Gros der Besucher stammte aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien, hinzu kamen einzelne Verstreute aus anderen westeuropäischen Ländern.
Wachsendes Medieninteresse
Pünktlich am Samstag Morgen eröffnete Frank Prengel, Vorsitzender von De:Trans, knappen Wortes die Veranstaltung. Keine anheizende Rede, kein Beschwören der Gemeinschaft der Anwesenden - ach richtig, wir waren ja nicht in Amerika. Erster Programmpunkt waren Kurzberichte aus den Ländern der verschiedenen Teilnehmer, wo sich ein recht einheitliches Bild abzeichnete. Als Dachorganisation bietet die World Transhumanist Association eine Kontaktbörse, die es erlaubt, Gleichgesinnte in geographischer Nähe zu finden.
In Europa haben sich in Deutschland, den Niederlanden und Schweden kleine transhumanistische Vereinigungen etabliert, in denen sich jeweils etwa zwei Dutzend Mitglieder zusammengefunden haben, die hauptsächlich über das Internet und Mailinglisten organisiert sind. In Schweden ist eine Gruppe um den Ökonomen Waldemar Ingdahl ausgeschert und hat mit Eudoxa eine Denkfabrik gegründet, die gewerbliche Ziele mit verstärktem intellektuellen Einfluss verknüpfen möchte. Transcedo in den Niederlanden steht kurz vor der Errichtung einer Kryonikorganisation. Insgesamt sei ein verstärktes Einsickern zukunftsorientierter Ideen in die breite Gesellschaft auszumachen, und Fernsehauftritte in vergangenen Monaten sowie die Zahl der auf der TransVision anwesenden Journalisten belegten ein wachsendes Medieninteresse.
Der niederländische Unternehmensberater Arjen Kamphuis stellte im Schnelldurchlauf eine Präsentation vor, mit der er sonst Führungskräften von Großunternehmen und Regierungsbehörden einen Sinn für die Zukunft zu vermitteln sucht. Oftmals löse schon die Darstellung des gegenwärtig Machbaren Überraschung aus, ganz zu schweigen von der anschließenden Extrapolation über die Entwicklung der nächsten wenigen Jahrzehnte in den Bereichen Bio-, Nano- und Informationstechnik. Ziel dieser Präsentation sei es, seine üblichen Zuhörer zum Nachdenken zu bewegen. Den Begriff Transhumanismus vermeide er, die Leute seien der -ismen überdrüssig. Sein Rat an Unternehmen: Wer nicht lernt sich rasch anzupassen, wird bedeutungslos werden.
Das Recht auf Veränderung des Körpers
Wenn es jemanden gibt, der die Elemente der transhumanistischen Bewegung wie dynamisches Denken, praktischen Optimismus, das Streben nach Überwindung von traditionellen Grenzen durch Technik und Verstand, und den Wunsch nach Fortschritt verkörpert wie kein anderer, dann ist es Anders Sandberg. Der schwedische Neuroforscher strahlt ein immerwährende, unverwüstliche Freundlichkeit und gute Laune aus und ist auf Veranstaltungen wie der TransVision nicht mehr wegzudenken.
Seinen diesjährigen Vortrag widmete Sandberg der Freiheit, die eigene Form zu bestimmen. Rechtsphilosophisch betrachtet lasse sich aus dem Recht auf Leben und dem Recht auf Freiheit auch das Recht auf den eigenen Körper ableiten, und mit diesem dann auch das Recht, den eigenen Körper verändern zu dürfen. In der Gesellschaft sei eine immer größere Akzeptanz von äußerlichen Modifikationen zu beobachten, sei es Freiheit in der Kleiderwahl, die Verbreitung von Tätowierungen und Piercings, Schönheitschirurgie, bis hin zu operativen Geschlechtsumwandlungen. Hand in Hand mit unserer Gewöhnung an diese Dinge und ihre zunehmende Verbreitung gehe auch eine Verbilligung und einfachere Anwendung. Gentherapie und die Früchte der Altersforschung würden in naher Zukunft noch weiterreichende Möglichkeiten der Veränderung eröffnen, und der Mensch als individualistisches Wesen werde sie auch wahrnehmen.
Sandberg ging noch einen Schritt weiter. Morphologische Freiheit sei nicht nur ein Grundrecht, sondern auch eine Notwendigkeit für eine reichhaltige, pluralistische Gesellschaft, und ein Schutz gegen erzwungene Veränderungen durch Dritte. Sandberg verwies darauf, dass sich viele Behinderte eben nicht als behindert, sondern als körperlich anders verstünden, und dass die Behindertenbewegung ein hervorragender Verbündeter für die Freiheit der eigenen Form sei. Leider gebe es zur Zeit noch kein zusammenhängendes Recht am eigenen Körper.
Ein weiterer Aspekt sei das öffentliche Gesundheitswesen, das die Behandlung von Krankheiten finanziere - aber was ist überhaupt eine Krankheit? Es bedürfe flexibler Lösungen und die gegenwärtigen Gesundheitssysteme seien nicht vorbereitet auf den Umgang mit der Erweiterung des menschlichen Körpers. Der Patient müsse Kunde und aktiver Teilnehmer werden. Politische und ethische Fragen türmen sich auf. Der oft geäußerten Ansicht, die radikale Veränderung des eigenen Körpers führe zu einem Verlust der Menschlichkeit, erteilte Sandberg eine klare Absage. Ganz im Gegenteil sei das Streben nach solcher Veränderung ein zutiefst menschliche Eigenschaft. Bezüglich der Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft in Privilegierte, die Zugang zu solchen Erweiterungen haben, und Unterprivilegierte, verwies er auf die immer raschere Geschwindigkeit, mit der neue Technik breite gesellschaftliche Durchdringung finde, und die damit verbundenen fallenden Kosten. Überhaupt seien die Gegenargumente zum Beispiel auch auf das Telefon anwendbar gewesen, was uns heute im Rückblick nur lächerlich erscheinen kann.
Ein leibhaftiger Cyborg
Cyborgs, Kunstwesen entstanden aus der Verschmelzung von Mensch und Maschine, sind Stoff der Science Fiction. In der populären Kultur unweigerlich als gefühllos, kalt und unmenschlich dargestellt, verknüpft man sie mit Horrorszenarien wie den Borg aus Star Trek. Seit einem Jahr ist der Engländer Peter Houghton ein Cyborg, und er kam auf die TransVision, um von seinem Leben als solcher zu berichten.
Ein Grippevirus hatte das Herz des ehemaligen Psychiaters befallen. Nach fünfjähriger schwerer Krankheit war die Leistungsfähigkeit des zentralen Organs auf ein Zehntel gefallen, Leber- und Nierenversagen drohten in Folge. Die Ärzte gaben ihm noch zwei Wochen, der undogmatische Katholik hatte mit seinem Leben abgeschlossen. Doch Houghton hatte Glück. Er wurde der weltweit erste Empfänger einer dauerhaft in das Herz eingesetzten Pumpe. Rund um die Uhr unterstützt die kleine Turbine in der linken Hauptkammer die Leistung seines Herzens. Eine Leitung führt durch den Körper zu einer über dem linken Ohr in den Schädelknochen geschraubten Buchse, über welche die Pumpe von außen mit Strom versorgt und gesteuert wird. Ein unscheinbares Ansteckkabel, das ein flüchtiger Betrachter vielleicht einer Hörhilfe zuordnen würde, verschwindet in einer Tasche mit Akkupack und Steuergerät. Ein Jahr nach der Operation ist der ehemals Todgeweihte, heute 62-jährige, ein rüstiger Rentner, der auch selbständig eine Konferenz im Ausland besuchen kann.
Houghton ist nicht als Transhumanist nach Berlin gekommen. Die meisten Ideen der Bewegung sind ihm neu. Viel nachgedacht hat er über seinen Zustand, dieses unerwartete zusätzliche Stück Leben. Eine zentrale Frage der Lebensverlängerung sei die Qualität der verliehenen Zeit. Eine andere die nach Unabhängigkeit, auch finanzieller. Und schließlich die Sinnfrage: Wofür überhaupt? Lebensverlängerung müsse einen Sinn haben, erweiterte und nicht erweiterte Menschen müssen sich gegenseitig respektieren. Houghton befürwortet das zusätzliche Leben, aber kein unendliches. Es müsse ein Recht auf den Tod geben. Houghton weiß nicht, wann der Tod in einholen wird. Das Kabel im Körperinnern könne versagen, die Lager der Pumpe verschleißen, oder Blutgerinsel könnten sich um das Gerät bilden.
Während in den Elfenbeintürmen die Bioethik-Kommissionen tagen, lebt Peter Houghton weiter. Als Mensch. Und niemand, der ihn kennen gelernt hat, könnte ihm dies aberkennen.
Der Tod als heilbare Krankheit?
Wen der Verfall schließlich eingeholt hat, für den besteht die letzte Chance in der Kryonik - umfassende Konservierung sofort nach Eintreten des gesetzlichen Tods, Tiefkühlung mit flüssigem Stickstoff, und die Hoffnung, dass mit der fortgeschrittenen Technik der Zukunft eine Wiederbelebung in welcher Form auch immer möglich sein wird. Der süddeutsche Kältetechnik-Unternehmer Rolf Sommer stellte auf der TransVision erstmals in Europa ein billiges und zuverlässiges System zur Lagerung von Kryonik-Patienten vor (Europäisches Kryonik-Projekt zur 'Lebensverlängerung' in Planung.
Ist der Tod durch die Folgen des Alterns nur eine Krankheit, die geheilt werden kann? In seinem Vortrag fasste der junge Gerontologe João Pedro de Magalhães Fakten über das Altern zusammen. So verdoppelt sich unsere Wahrscheinlichkeit zu sterben ab der Lebensmitte etwa alle acht Jahre. Seneszenz sei keineswegs universell, die meisten Amphibien und Reptilien, aber auch einige Fische und Vögel altern nicht. Andererseits weisen ausnahmslos alle Säugetiere Alterung auf, mit ähnlichen körperlichen Veränderungen. Hypothese: Es gebe einen zentralen Mechanismus, der die vielfältigen Alterungssymptome auslöse. Dazu kommen Verschleißerscheinungen, die kein Alterung im engeren Sinn darstellen.
Weithin bekannte Kandidaten als Auslöser der Alterung sind akkumulierende DNA-Schäden, die Längenbegrenzung der Telomere und freie Radikale. Gerade den Telomeren wurde viel öffentliche Aufmerksamkeit zuteil, aber obwohl sie essentiell für die Zellteilung sind, ist ein Zusammenhang mit der Alterung des Gesamtorganismus fraglich. Diverse als Mittel gegen das Altern propagierte Präparate - Vitamine, Antioxidantien, Insulin-ähnlicher Wachstumsfaktor, menschliches Wachstumshormon - seien samt und sonders wirkungslos. Einzig von der Kalorienrestriktion ist ein Erfolg bei Mäusen nachgewiesen und bei Affen wahrscheinlich, auch wenn für Letztere die Schlussergebnisse noch ausstehen. Allerdings scheint Kalorienrestriktion nur den Ablauf des genetischen Programms zu verlangsamen und nicht Alterung an sich zu verhindern. Dazu sind ihre Auswirkungen auf die Lebensqualität so beträchtlich, dass Kalorienrestriktion für die meisten Menschen nicht akzeptabel ist.
Für die Zukunft der Altersforschung haben Stammzellen ein enormes Potenzial. Erstaunlicherweise, so Magalhães, würden nur sehr geringe Mittel in die Altersforschung investiert. Insgesamt bleibe zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur unsere Unkenntnis und Ohnmacht zu konstatieren.
Im Anschluss gab Klaus Sames, Universität Hamburg, einen Überblick über die Alterung anhand von Organstrukturen, wobei er ein noch pessimistischeres Bild als Magalhães zeichnete. Alle Systeme, deren Zellen sich nicht ständig teilen, würden altern. Einige Zelltypen teilen sich überhaupt nicht, was zu ständigem Zellverlust führt. Eine Ersetzung durch Stammzellen sei prinzipiell möglich, aber manche Gewebetypen wie Knorpel oder das Gehirn gestatten keine Zellmigration. Zellverlust ist aber nicht die einzige Ursache der Sterblichkeit, dazu kommen Staubansammlung in der Lunge, eingeschränkte Blutversorgung von Knorpelgewebe, Vernarbung, unersetzbarer Verlust der Nierenfeinstrukturen, usw. Man müsse alle toten Zellen im Körper austauschen. Letztlich seien zur Verjüngung des Körpers Millionen paralleler Operationen auf Zellebene erforderlich, was nur mit nanotechnischen Mittel möglich werden könnte. Biologischen Ansätzen gab Sames keinerlei Chance.
Knalleffekte
Den zweiten Konferenztag leitete Nick Boström mit einer Übersicht über seinen Aufsatz zu existenziellen Risiken der Zukunft. Der schwedische Wissenschaftsphilosoph mit distinguiertem britischem Akzent ist inzwischen Dozent an der Yale Universität, wie Anders Sandberg eine feste Größe auf Veranstaltungen der transhumanistischen Bewegung und einer ihrer Vordenker. In seinem Vortrag gehe es nicht um blinde Schwarzseherei, sondern das Erkennen möglicher Risiken und ihre Klassifizierung. Allen vorgestellten Szenarien gemein war ihre globale Auswirkung und ihre Endgültigkeit. Da ein Ansatz mit Versuch und Irrtum für existenzielle Risiken nicht anwendbar ist, und sie außerhalb unserer Erfahrung liegen, ist vorausschauendes Denken gefragt. Im Folgenden führte Boström eine Liste von drohenden Gefahren auf, eingeteilt in mehrere Klassen, von der explosionsartigen Vernichtung bis zum langsamen Verlöschen, sortiert nach der geschätzten Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens, und von der Allerweltsvorstellung eines nuklearen Holocaust bis hin zu obskuren physikalischen Katastrophen.
Das Fermi-Paradox bezeichnet die scheinbare Diskrepanz zwischen dem Fehlen jeden Anzeichens extraterrestrischer Intelligenzen im Kosmos auf der einen und der nach unserem Wissensstand großen Wahrscheinlichkeit für ihr Auftreten auf der anderen Seite. Robin Hanson hat in diesem Zusammenhang den Begriff des Großen Filters geprägt, ein extrem unwahrscheinlicher Entwicklungsschritt, der irgendwo zwischen erdähnlichem Planeten und interstellarer Zivilisation liegen muss. Leider lässt sich nicht sagen, ob dieser Filter unbemerkt hinter uns liegt oder uns noch bevorsteht. Eine ganz andere Stoßrichtung verfolgt die durch einige Betrachtungen plausibilisierbare Überlegung, dass wir möglicherweise in einer Simulation leben, deren Abschaltung Boström immerhin an die drittwahrscheinlichste Stelle der Vernichtungen mit einem Knall stellte. Gegen andere Möglichkeiten der (Selbst)auslöschung empfahl er eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen, deren wichtigste es sei, das allgemeine Bewusstsein für die Möglichkeit existenzieller Risiken zu schärfen. Insgesamt steuerte Boström zwar wenig inhaltlich Neues bei, bestach aber durch die akademisch rigorose Aufbereitung der Thematik.
In den beiden folgenden Vorträgen attackierte Torsten Nahm, stellvertretender Vorsitzender von De:Trans, zuerst die Idee der Memetik. Das Konzept des Mems als selbstvervielfältigende Idee in der menschlichen Gesellschaft entstammt Richard Dawkins einflussreichem Buch "Das egoistische Gen" (The Selfish Gene). Seither gab es verschiedentlich Versuche, eine wissenschaftliche Memetik in Analogie zur Genetik zu etablieren. Von den drei Pfeilern, auf denen der Erfolg der Genetik ruhe - nämlich die unmittelbare Einsichtigkeit des Evolutionsprinzips, die Konstanz des Erbguts und die Vorhersage der Grenzen der möglichen Entwicklung - sei keiner auf die Memetik anwendbar. Die Genetik lebe in der Welt der Natur: Physik, Biochemie und Physiologie; die Memetik in der des Geistes: Psychologie und Soziologie. Letztlich seien Meme eben nur eine Metapher.
Nähe zum Renaissance-Humanismus
Ein Podium unter Leitung von Anders Sandberg und Arjen Kamphuis fasste die wichtigsten Ereignisse und Themen der Extro-5 zusammen. Hier wurde insbesondere deutliche Kritik geübt an der in Amerika gewählten Rhetorik bei der Auseinandersetzung mit oppositionellen gesellschaftlichen Bewegungen. Die Fülle an militärischen Metaphern sei nicht akzeptabel und schon gar nicht für die Diskussion in Europa verwendbar.
Zum Abschluss der Veranstaltung zeigte Brian Delaney die philosophischen Verbindungen zwischen Transhumanismus und dem klassischen Humanismus der Renaissance auf. So habe man schon damals nach radikaler Selbsttransformation aus eigener Kraft gestrebt, wenn auch die technischen Mittel weitaus bescheidener waren. Auch das damals weiter gefasste Verständnis des Menschseins passe besser zum Transhumanismus als die moderne, biologische Definition. Besonders irritierte den in Schweden ansässigen Amerikaner, dass die transhumanistische Bewegung sich zum Teil explizit im Gegensatz zum Humanismus definiere. Hier begann der Vortrag in eine offene Diskussion überzugehen, in der sich zeigte, dass der Begriff Humanismus im modernen Gebrauch drastisch von den Idealen der Renaissancebewegung abweicht und bei einer Selbstidentifikation mit "Humanismus" irreführende Assoziationen in der Öffentlichkeit drohen.
Wie mittlerweile Tradition schloss man mit der Entscheidung über die nächstjährige Veranstaltung: Die TransVision 2002 wird von der niederländischen Vereinigung Transcedo ausgerichtet werden, der genaue Austragungsort steht noch nicht fest. Die diesjährigen Teilnehmer zeigten sich durchweg sehr mit dem Treffen zufrieden und lobten die "deutsche Effizienz" der Organisation.
Bei aller Beschäftigung mit dem Fortschritt verwunderte es etwas, dass niemandem die Statik der transhumanistischen Bewegung selbst aufzufallen schien. In den letzten drei Jahren - eine kleine Ewigkeit schon nach Internetzeit und erst recht beim vermeintlichen Fall in die Singularität - ist die Zahl der Teilnehmer an der TransVision kaum gewachsen, wurden keine neuen transhumanistischen Organisationen in weiteren Ländern gegründet und blieben die Hauptakteure der Bewegung dieselben. Im Vergleich zur amerikanischen Extro fällt die weitgehend Abwesenheit von Machern auf. Waren dort z.B. mindestens drei aktive KI-Entwickler anzutreffen, so schien kaum einer der Referenten oder Besucher der TransVision selbst an zukunftsorientierter Technik zu arbeiten. Auch keine Spur von einem Knüpfen von Geschäftsbeziehungen. Die Bewegung beobachtet, kommentiert und reagiert, aber sie agiert nicht. Doch nur eine Gruppe von Fortschrittsgroupies? (Christian Weisgerber)