DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt in der Nähe von Peggys Leiche gefunden

Im Fall NSU finden sich immer wieder Berührungspunkte zu Kindern

Gibt es eine Verbindung zwischen dem Fall NSU und dem Fall Peggy (vgl. Der Fall Peggy)? Laut Medienberichten wurden am Skelett der am 7. Mai 2001 im Alter von 9 Jahren spurlos verschwundenen Peggy DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt gefunden.

Die Überreste von Peggy, die im oberfränkischen Lichtenberg zum letzten Mal lebend gesehen wurde, entdeckte ein Pilzsammler im Juli dieses Jahres in einem Wald wenige Kilometer von Lichtenberg entfernt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Fundort nicht der Ort ist, an dem Peggy ums Leben gekommen ist.

Dem Fall Peggy wie dem Fall NSU ist gemeinsam, dass sie von vielen Rätseln und Dunkelstellen durchzogen sind. Dass sich nun gerade die DNA von Uwe Böhnhardt am Skelett und einer Decke von Peggy befunden haben soll und so die beiden mysteriösen Fälle zusammengeführt werden, wirft viele Fragen auf. Theoretisch wäre möglich, dass die DNA-Spur durch eine Verunreinigung an das Skelett gekommen ist. Nach Spiegel Online sind sowohl das Skelett von Peggy als auch die Leiche Böhnhardts "im gleichen rechtsmedizinischen Institut untersucht worden".

Update: Mittlerweile wird berichtet, dass die DNA von Böhnhardt nicht direkt am Skelett von Peggy gefunden wurde. In einer gemeinsamen Presseerklärung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bayreuth heißt es: "In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit demTod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen."

Uwe Böhnhardt. Bild: BKA

Allerdings deuten seit geraumer Zeit immer wieder Nachrichten darauf, dass das "Gebilde" (und dessen Umfeld), das von den Behörden und Medien als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bezeichnet wird, auffällige Berührungen zu "Kindern" hatte.

In einem Artikel des Spiegels über das Leben Uwe Mundlos findet sich folgende bemerkenswerte Schilderung:

Mundlos' rassistische Einstellung war jedoch offensichtlich gespalten. Den bulgarischen Vater eines Freundes habe er als "guten Ausländer" bezeichnet. Ebenso habe er sich zu dem Kind seiner Cousine hingezogen gefühlt, dessen Vater ebenfalls aus Bulgarien stammte. Uwe Böhnhardt habe Mundlos einmal vor anderen gefragt, was er mit dem Kind wolle, es sei "ein Mischkind".

Spiegel

Die Stuttgarter Nachrichten berichteten 2012: "Im Fahrerhaus fand die Spurensicherung Kinderspielzeug: ein Plüschbär, eine Plastikpuppe, eine Wasserspritzpistole."

Medien berichten über einenangeblichen Fund von Kinderpornos auf einem Datenträger, der sich in der ausgebrannten Wohnung des NSU-Trios befunden habe. Gegen Zschäpe wurde zunächst auch "wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt". Allerdings stellte die Behörde das Verfahren ein, weil die Strafe dafür im Verhältnis zu der Strafe, die Zschäpe wegen ihrer angeblich begangenen anderen Straftaten erwartet, "voraussichtlich nicht beträchtlich ins Gewicht" falle, wie eine Sprecherin der Zwickauer Staatsanwaltschaft bekannt gab.

Und die Angestellte einer Autovermietung erzählte der Polizei, dass einer der beiden Uwes im Oktober 2011 bei der Anmietung eines Wohnmobils in Begleitung einer Frau und eines blonden Mädchens gewesen sei. Das Kind habe Mama zu der Frau gesagt.

Freitag 2013

Die Thüringer Zeitung berichtet über eine Zeugenaussage im "NSU-Prozess". Bei der Befragung einer 46-jährigen Zeugin, die zu Zschäpe Kontakt hatte, ereignet sich folgender Vorfall:

An diesem Punkt der Zeugenbefragung zeigt die 46-Jährige Nerven. Sie erklärte, dass sie derzeit "anderes im Kopf habe". "Was denn", will die Anwältin wissen und aus der Zeugin bricht es unter Tränen heraus: "Vor kurzem ist mein Vati gestorben, meine Tochter wurde sexuell missbraucht." Jetzt sei Schluss. Sie interessiere sich für das alles nicht mehr.

Thüringer Allgemeine 2013

Telepolis geht der Frage nach, ob der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg seit 2003 vom NSU Kenntnisse hatte. Die Frage hänge, so heißt es in dem Artikel, "an zwei Personen: dem früheren LfV-Beamten Günter S. und seinem Informanten Torsten O. Bisher hat Torsten O. die Version von Günter S. bestritten - jetzt bestätigt er sie in weiten Teilen." Zu Torsten O. heißt es weiter:

Am selben Tag lernt die Öffentlichkeit zum ersten Mal auch jenen Informanten leibhaftig kennen: Torsten O., der in Handschellen in den Saal geführt wird. Er sitzt eine mehrjährige Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauches von Minderjährigen sowie illegalen Munitionsbesitzes ab.

Erfuhr der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg doch 2003 von NSU?

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte 2014 einen Artikel mit der Überschrift: "Mord an Neunjährigem. Staatsanwaltschaft prüft Spuren zu NSU-Mann Böhnhardt". In dem Artikel wird dargelegt, dass bereits bei den Ermittlungen im Jahr 1993 sowohl Uwe Böhnhardt als auch ein Freund von ihm, Enriko T., verdächtigt wurden. T. gilt als mutmaßlicher Unterstützer des NSU. Er soll, so die SZ weiter, die Mordwaffe vom Typ "Cezka" besorgt haben.

Er gilt als Hauptzeuge im NSU-Prozess, war Anführer der Neonazi-Kameradschaft "Thüringer Heimatschutz" und arbeitete als V-Mann für den Verfassungsschutz. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Kindesmissbrauchs gegen Tino Brandt.

Süddeutsche Zeitung 2014

In der Dokumentation "Die Story im Ersten: Die Akte Zschäpe - Die letzten Rätsel des NSU" ist von einer "Schalldämmung" in Zimmern der Wohnung die Rede, in der das Trio gewohnt hat.

Der Thüringer Neonazi Tino Brandt wurde 2014 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Brandt war viele Jahre V-Mann des Verfassungsschutzes und war in engem Kontakt mit dem NSU gestanden.

Betrachtet man diese Nachrichten und Meldungen alleine für sich, halten sich die Auffälligkeiten im Hinblick darauf, dass das "NSU-Trio" und sein Umfeld eine eigenartige "Nähe zu Kindern" hatte, in Grenzen. Zusammengenommen zeigt sich jedoch ein Bild in Sachen NSU, wie es in der öffentlichen Rezeption des Falles bisher kaum wahrgenommen wurde und ein bezeichnendes Licht auf die rechtsextreme Szene mit ihrer Macho-Inszenierung wirft.

Die Überschrift wurde mit dem Update verändert und richtiggestellt.

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