Dänemarks Rechtpopulisten und die "Nationale Wikinger-Strategie"

Krigshistorisk Festival in Rødovre in Copenhagen. Bild: Leif Jørgensen/CC BY-SA-4.0

Die Dänische Volkspartei rückt angesichts Konkurrenz der anderen Parteien, die auch rechtspopulistische Politik übernommen haben, noch mehr nach rechts

Taffe Sprüche gegen Migranten sind gang und gebe im Staate Dänemark. Doch da sich nun bis auf eine Linkspartei jede Partei einer solchen Rhetorik bedient, leidet das Original - die "Dänische Volkspartei". Einst die erste populistische Stimme des Landes, rutschte sie bei den Europawahlen auf 10,7 Prozent, im Jahre 2014 waren es noch 26,6 Prozent. Und nun stehen am 5. Juni Wahlen zum nationalen Parlament an.

Die Partei will nun der Zukunft mit der Vergangenheit begegnen und lanciert die "Nationale Wikinger-Strategie".

Der Kulturbeauftragte der Partei, Alex Ahrendtsen, hat ein entsprechendes Konzept entworfen, dass das Wikinger-Image des skandinavischen Landes im In- und Ausland heben soll, wie die Zeitung Berlingske vom Dienstag berichtet. Nein, es habe nichts mit dem schlechten Wahlergebnis seiner Partei zu tun, erzählte Ahrendtsen der dänischen Zeitung. "Ja, es ist auch Teil meiner Kampagne", erklärte der Politiker dem Autor dieser Zeilen, dem er sein Konzept rasch hatte zukommen lassen. Weitere kulturpolitische Initiativen seinerseits würden folgen.

Das Konzept ziert ein Foto mit einer Männerhand, die durch ein Weizenfeld zieht (ähnlich der Szene aus dem Film "der Gladiator"). Die Institutionen, die Wikingerkultur vermitteln - Museen, aber auch touristische Märkte -, müssten ihre Kräfte zu einem Marketing für die Wikingerzeit bündeln, um so mehr ausländische Gäste anzuziehen, denen das "nationale Kulturerbe" vermittelt werden könne. Auch für die Dänen selbst sei der Blick zurück von Nutzen, sie könnten ihr Wissen über das Leben ihrer Vorfahren vertiefen.

Zudem verlangt der Verleger und Politiker ein neues Wikingerschiffmuseum in Roskilde, das 60 Millionen Dänische Kronen (acht Millionen Euro) kosten soll. Da die "nationale Wikinger-Strategie" Teil der Wahlkampagne ist, so sind die Rezipienten wohl die wahlberechtigten Nachfahren der frühmittelalterlichen Drachenschiff-Marine.

Zwar ist die Wikinger-Verehrung in Dänemark Mainstream und verbreiteter als in Schweden und nicht Beleg für völkische Gesinnung. Doch beschwört die "Dansk Folkeparti" schon seit langem die Wikingerlegende "Holger Danske", die sich einst mit Karl dem Großen angelegt haben soll und dem Mythos nach zu Leben erwacht, sollte Dänemark wieder in Gefahr sein.

Mit dem "nationalen Kulturerbe" der Wikinger in den Wahlkampf

Hilfe braucht jedoch erstmal die Partei selbst, zwar ist sie offiziell in der Opposition, jedoch toleriert sie die konservativ-liberale Minderheitsregierung unter Lars Lökke Rasmussen und steht somit auch in einer Verantwortung.

Glaubt man dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsener DR, so wurmte es viele ihrer Wähler, dass eine wichtige Zukunftsfrage außer Acht gelassen wurde. Wie viele Rechtspopulisten sehen auch die Politiker der "Dänischen Volkspartei" den Klimaschutz skeptisch, auch wurde die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg verspottet.

Gleichzeitig sind mit den "Neuen Bürgerlichen" und vor allem dem "Strammen Kurs" Parteien entstanden, deren Wählerschaft die Forderungen der DF unter Parteichef Kristian Thulesen Dahl mit seinen Forderungen nach weniger EU zu lasch sind. Schließlich gibt es in der Regierung schon die liberale Integrationsministerin Inger Stojberg, die auf der Webseite des Ministeriums mit einem Zähler für Verschärfungen des Ausländerrechts wirbt, derzeit gibt es 114.

Der "Stramme Kurs" unter dem jung-dynamischen Anwalt Rasmus Paludan verlangt nun, kurzerhand 300.000 im Lande lebendende Muslime rauszuschmeißen und Moscheen zu verbieten. Auch er nennt sich "liberal".

Die Dänische Volkspartei "will" oder "muss" angesichts solcher Konkurrenz noch mehr nach rechts rücken. Der Abgeordnete Martin Henriksen, der sich auch innerhalb der Partei durch scharfe Worte gegen Muslime hervor tat, erklärte am Dienstag angesichts des Aufwinds der kleinen radikalen Parteien. "Wenn die Wähler ein klares Signal senden wollten, dass im Bereich der Ausländer mehr getan werden muss, dann möchte ich sagen, dass die dänische Volkspartei die Botschaft erhalten hat."

Aber auch die oppositionellen Sozialdemokraten unter der energischen Mette Frederiksen sind dank eines Wandels der Ausländerpolitik von Integration zu Abgrenzung und Abschiebung im Umfrage-Aufwind. Mit dem Aufleben des Wikingermythos wollen nun auch die Original-Rechtspopulisten erfolgreich die Segel setzen. (Jens Mattern)