Dakota Access Pipeline: Gefährlich und ohne Respekt

Rückkehr ins fossile Zeitalter?

Vielleicht taugte der Protest nicht als Wahlkampfthema, weil es nur um die Rechte indianischer Minderheiten ging. Auch besteht kein Zweifel daran, dass es beim Rohstoff Öl um handfeste wirtschaftliche Interessen geht. In einer Zeit, wo sich alle Welt verpflichtet, dem Klimawandel zu begegnen, wirkt der Bau einer Öl-Pipeline allerdings wie eine Provokation. Eine Leitung, die tonnenweise Rohöl tausende Kilometer quer durch die halbe USA befördert, ist ganz sicher kein Zeichen für eine Energiewende. Die USA zählt zu den weltweit größten Kohlendioxid-Emittenten.

Das geht auch aus dem im November veröffentlichten Emissions Gap Report 2016 der UNEP hervor. Gerade die USA wäre gut damit beraten, alle Anstrengungen auf die Etablierung erneuerbarer Energien zu richten. Damit könnte das globale Klimaschutzziel von unter 2° C vielleicht möglicherweise noch erreicht werden. Stattdessen will man offenbar weitere Jahrzehnte an veralteten, schmutzigen Energieträgern festhalten.

Die DAPL ist somit auch ein Symbol für den Eingriff und Raubbau der industrialisierten Welt an unberührter Natur. Und überall, wo diese Eingriffe stattfinden, haben Menschen darunter zu leiden. Zum Beispiel in Brasilien: Mehr als eine halbe Millionen Menschen leben in rund 240 indigenen Völkern im Amazonasgebiet. Ihre Lebensgrundlage sind der Wald, die Savanne und die Flüsse.

Hier fischen und jagen sie und sammeln Früchte, um sich zu ernähren. Mehr denn je bedrohen Brandrodung, Soja-Anbau, Viehzucht und industrielle Megaprojekte ihren Lebensraum. Dagegen kämpfen die Indigenen, die vor dem Gesetz noch als unmündig gelten, seit Jahrzehnten an. Sie kämpfen für ihre Rechte und den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen.

Was die Pipeline angeht, so initiierte die Bürgerbewegung SumOfUs eine Online-Petition, in der alle beteiligten Banken - zwanzig an der Zahl - aufgefordert werden, ihre Finanzierung einzustellen.

Nach dem Motto: Wo kein Geld fließt, fließt auch kein Öl. Inzwischen zieht der Protest immer größere Kreise. So gingen in Oslo und in Bergen tausende Menschen auf die Straße, darunter Angehörige der skandinavischen Ureinwohner. Die samischen Künstler wollen mit ihrer Demo "ihre Brüder und Schwestern auf der anderen Seite des Atlantiks unterstützen".

Der Protest richtete sich vor allem an die norwegische DNB, die an der Finanzierung des Projektes bislang beteiligt war. Inzwischen haben tausende Pipeline-Gegner auf die Bank Druck ausgeübt. Diese kündigte nun an, ihre Beteiligung am Unternehmen verkaufen zu wollen. Bleibt zu hoffen, dass andere Banken dem Beispiel folgen.

Kurzfilm-Tipp: End of the line - The women of Standing Rock (Susanne Aigner)

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