Dallas: Umfunktionierter Bombenroboter zur gezielten Tötung eines Verdächtigen

Vermutet wird, dass die Polizei von Dallas einen Bombenentschärfungsroboter wie den Andros F6A oder F6B, von Northrop Grumman verwendet hat. Bild: msha.gov

In Dallas wurde wohl erstmals ein ferngesteuerter Roboter zum Platzieren einer Bombe eingesetzt, um einen Täter auszuschalten

Über die Hintergründe des Angriffs auf die Polizisten in Dallas ist noch immer wenig bekannt. Im Augenblick stellt die Polizei es so dar, dass es sich vermutlich doch nur um einen Einzeltäter gehandelt hat und nicht um die koordinierte Aktion von mehreren Tätern, die Polizisten von unterschiedlichen Orten aus unter Beschuss genommen hatten. Zudem heißt es, der Täter habe gesagt, dass er Weiße, vor allem weiße Polizisten töten wollte. Er sei entsetzt über die Polizeigewalt und Black Lives Matter, er sei mit keiner Organisation verbunden und habe die Polizisten alleine erschossen.

Über drei Festgenommene, darunter eine Frau, war wenig mehr zu hören. Ein ursprünglich Verdächtiger, der mit einem Gewahr an dem friedlichen Protestzug gegen Polizeigewalt gegen Schwarze teilgenommen hatte, wurde wieder freigelassen. Er hatte eine Waffenlizenz, in Texas ist es erlaubt, Waffen offen zu tragen.

Auch über die Identität des Täters wollte Dallas-Polizeichef David Brown sich zunächst nicht weiter äußern und gab dafür Sicherheitsgründe an. Mittlerweile verbreiten Medien die Information, dass es es sich um den 25-jährigen Micah Xavier Johnson aus Mesquite handelt. Ein Schwarzer, der keine bekannten Beziehungen zu Terrorgruppen hatte und auch nicht vorbestraft war. Er soll bei einer Schützengruppe gewesen sein, offenbar liebäugelte er mit der Black Power Bewegung, überdies hat er als Reservist bis April 2015 bei der Army gedient, zuvor war er von November 2013 bis Juli 2014 in Afghanistan eingesetzt. Möglicherweise muss seine Tat als ein Amoklauf eines Einzelnen eingeordnet werden, wie er immer wieder vorkommt, nur dass hier direkt noch ein politisches Motiv eine Rolle spielte. Seine Facebook-Seite ist gesperrt.

Interessant ist jedoch auch, wie die Polizei den Täter ausschaltete. Zunächst ging das Gerücht um, er habe sich selbst getötet, was der Polizeichef jedoch als falsch bezeichnete. Nachdem sich der Mann in einem Parkhaus verschanzt und während mehrstündigen Verhandlungen erklärt hatte, er habe es mit Sprengfallen übersät, lieferten sich die Polizei und er einen Schusswechsel. Dann setzte die Polizei einen ferngesteuerten Roboter der Art ein, wie er normalerweise zum Entschärfen von Bomben verwendet wird. Dieses Mal brachte er jedoch einen Sprengsatz in die Nähe des Mannes und ließ ihn dort detonieren, wobei dieser an den Folgen starb. Man habe keine andere Wahl gehabt, sagte Brown, "als unseren Bombenroboter einzusetzen und ihn mit einem Sprengsatz zu beladen, der dort, wo der Verdächtige war, detonierte. Andere Optionen hätten unsere Polizisten in schwere Gefahr gebracht."

Aus Sicht des Polizeichefs ist die kreative Verwendung des Roboters zum Entschärfen von Bomben verständlich. Nachdem bereits 5 Polizisten vom Täter getötet und 6 angeschossen worden waren, ist es sowieso erstaunlich, dass die Polizei mehrere Stunden wartete und auf Verhandlungen setzte. Man kann vermuten, dass die Polizei die sowieso aufgeheizte Stimmung gegen Polizisten nicht noch weiter verschärfen wollte, aber man auch nicht weitere Polizisten gefährden wollte, da der Täter ja bereits bewiesen hatte, dass er zum Töten entschlossen war.

Praktisch macht es keinen Unterschied, ob der Täter schließlich durch von Polizisten abgegebene Schüsse ausgeschaltet wird oder durch einen Sprengsatz, den ein Roboter ferngesteuert zu diesem brachte und in die Luft gehen ließ. Aber es zeigt nicht nur, dass auch Nichtkampfroboter Dual-Use-Maschinen sind und zu tödlichen Waffen umfunktioniert werden können - nicht nur von der Polizei, die damit auch andere auf neue Ideen bringen könnte. Die Verwendung demonstriert auch, dass die gezielten Tötungen, die die USA seit Jahren mit ferngesteuerten Drohnen praktiziert, nun auch in den USA angekommen sind. Man wird nicht lange warten müssen, bis erstmals auch Drohnen oder andere Roboter für ähnliche Zwecke eingesetzt werden.

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