Damaskus: Syrisches Militär wirft Israel Angriff auf Flughafen vor

Neuer F-35-Kampfjet. Foto: US-Airforce / gemeinfrei.

Die IDF schweigt dazu. Möglicherweise gaben Waffendepots der Hisbollah ein Ziel ab

Die syrische Armeeführung wirft Israel einen Angriff auf den Militärflughafen al-Mezzeh im Südwesten der Hauptstadt Damaskus vor. Der "abscheuliche Angriff" des israelischen Feindes, wie die Nachrichtenagentur Sana syrische Militärs zitiert, unterstütze terroristische Organisationen, indem er deren Moral erhöhe. Die Armeeführung warnt vor einem Nachspiel.

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Der Angriff ereignete sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach Mitternacht, so Sana. Die Führung der israelischen Streitkräfte, der IDF, bestätigte nicht, dass es sich um einen Angriff ihrerseits handelt. Die IDF kommentiere keine ausländischen Berichte über Militäroperationen, heißt es in der Times of Israel wie auch in Ha'aretz. Ein offenes Bekenntnis wäre auch das Eingeständis einer Völkerrechtsverletzung.

Über den genauen Hergang und das konkrete Ziel des Angriffs ist wenig bekannt, bzw. gibt es unterschiedliche Versionen, allein schon was die genaue Uhrzeit betrifft. Nur dass auf dem Flughafen Explosionen stattfanden und ein Feuer ausbrach, steht fest und das dokumentieren auch Videos (hier und dort), auf denen sonst nicht viel zu erkennen ist.

Mal ist von Jets die Rede, die aber nicht zu sehen sind, mal von Raketen, die mutmaßlich aus der Nähe des Sees Genezareth abgefeuert wurden, wie Times of Israel gestützt auf Angaben der syrischen Nachrichtenagentur Sana berichtet. Laut der Zeitung al-Watan sollen es Jets gewesen sein, wie Vanessa Beeley berichtet.

Ob es Tote oder Verletzte gegeben hat, geht aus offiziellen Berichten nicht hervor. Laut al-Masdar-News, ein Medium, das der syrischen Regierung nahesteht, äußerte ein ranghoher SAA-Offizier, dass es noch offen sei, ob es Tote gegeben habe. Allerdings würde es neben dem Munitionslager nicht viele Soldaten geben.

Die nächstliegende Erklärung für einen israelischen Angriff auf den Militärflughafen, der nicht weit von Assads Palast entfernt ist, findet sich genau darin, dass ein Munitionsdepot getroffen wurde. Der Flughafen wird angeblich von der Hisbollah und iranischen Revolutionären Garden genutzt.

Israels Führung hatte stets durchblicken lassen, dass man Waffenlieferungen an die Hisbollah in Syrien nicht zulassen werde. Es gab in der Vergangenheit mehrere israelische Angriffe über syrischem Gebiet, die dieser Absicht folgten. Der Flughafen in al-Mezzeh war bereits im Sommer 2013 Ziel von Angriffen unbekannter Seite. Laut Sana wurde Israel auch im Dezember vergangenen Jahres bezichtigt, den Flughafen angegriffen zu haben.

In Israel gibt es einige Beunruhigung darüber, dass sich die Hisbollah im Krieg in Syrien nicht nur Kampferfahrung holt, sondern auch erheblich aufgerüstet wird und dies in der Nähe der israelischen Grenze. Der gemeinsame Feind Hisbollah gibt immer wieder Anlass zu Spekulationen darüber, dass Israel mit der al-Qaida-Truppe Nusra-Front eine Sonder-Beziehung unterhält, die einen gegenseitigen Angriffsverzicht - und möglicherweise sogar gegenseitige Unterstützung - einschließt.

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Für solche Abmachungen liegen aber keine verlässlichen Beweise vor. Dass verwundete Kämpfer in israelischen Krankenhäusern behandelt wurden, wird aber nicht bestritten. Auch der frühere Mossad-Chef Efraim Halevy, ein Kritiker der Politik Netanjahus, bestätigte dies in einem Interview im Mai 2016 mit al-Jazeera. Er stellte dabei heraus, dass humanitäre Gründe eine Rolle spielen.

Im Falle von Hisbollah-Kämpfern würde dies allerdings anders bewertet, äußerte Halevy. Für die al-Qaida-Truppe gelte ein anderer Maßstab, da sie Israel nie angegriffen habe. Mit der Hisbollah seien dagegen Rechnungen offen. (Thomas Pany)

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