Darpa will im Flug lenkbare Gewehrpatrone entwickelt haben

EXACTO heißt die erste "gelenkte kleinkalibrige Patrone", die in Echtzeit verfolgt und gesteuert werden kann

Kamikazedrohnen, die mit einer Sprengladung auf ein Ziel aufprallen und explodieren, gleichen einer Munition, die sich nach dem Abschuss noch durch Fernsteuerung lenken lässt. An einer solchen kleinkalibrigen Munition für Scharfschützen wird seit Jahren im Pentagon unter dem Titel Extreme Accuracy Tasked Ordnance (EXACTO) gearbeitet. Die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, präsentierte vor einigen Tagen ein Video mit Schusstests der Patronen mit Kaliber 0.50, die im Flug die Richtung ändern, um ein sich bewegendes oder sich beschleunigendes Ziel zu treffen.

Die Munition ist, wie der Name schon verrät, ein Exempel für den "sauberen Krieg", den das Pentagon verfolgt. Dabei geht es um Präzisionswaffen von Raketen und Bomben über Kampfdrohnen bis eben hin zu Munition, die ein Ziel möglichst genau ("chirurgisch") treffen und so "Kollateralschäden" vermeiden sollen, was militärische Operationen weniger angreifbar bzw. legitimer werden lassen soll. Damit verwandelt sich die Kriegsführung zumindest in asymmetrischen Kriegen zunehmend zur gezielten Tötung, während die Gegner mit Anschlägen meist auf "soft targets" zur Massentötung greifen und der gezielte Anschlag, das Attentat, auf einzelne Menschen in den Hintergrund tritt.

So wird EXACTO von der Darpa präsentiert. Bild: Darpa

Nach eigenen Angaben hat die Darpa in die Entwicklung von EXACTO investiert, weil in Afghanistan deutlich geworden sei, dass das Treffen von "sich bewegenden Zielen" unter widrigen Umständen wie scharfen Winden oder staubigem Gelände mit den vorhandenen Schusswaffen schwierig sei. Die US-Soldaten haben zwar kein Sturmgewehr G36 wie die deutschen, das schnell einmal danebenschießt, wenn es warm, also benutzt wird. Schon länger ist aber auch bekannt, dass US-Soldaten das altgediente Sturmgewehr M4 benutzen, das ebenfalls bei Erhitzung und schneller Schussfolge unter Störungen leidet und klemmt. Experten machen dafür u.a. das Kaliber 5,56 mm verantwortlich, das auch das G36, weil Nato-Norm, besitzt. Eigentlich schon unglaublich, dass lange bekannte Mängel nicht behoben werden, während man die Soldaten in den Krieg schickt.

EXACTO ist zwar keine Antwort auf die störanfälligen Sturmgewehre, aber es soll Scharfschützen ermöglichen, Ziele schneller und aus größerer Entfernung eben auch genauer zu treffen, "da jeder Schuss, der ein Ziel nicht trifft, die Sicherheit der Soldaten gefährdet, weil er auf ihre Präsenz hinweist und ihre Stellung herausstellt". EXACTO soll mithin die erste "gelenkte kleinkalibrige Patrone" werden, die in Echtzeit verfolgt und gesteuert werden kann.

EXACTO als Wunderwaffe. Bild: Teledyn

Jetzt also meldete Jerome Dunn, der Programmmanager der Darpa, stolz, dass die Forschungsbehörde ganz nach ihrem Auftrag das demonstrierte, was man für unmöglich gehalten hatte. Der Test mit einem Standardgewehr habe gezeigt, dass EXACTO "sich bewegende und fliehende Ziele mit extremer Genauigkeit aus einer Entfernung treffen kann, die mit herkömmlicher Munition nicht zu erreichen ist". Auch nicht geübte Schützen könnten damit bessere, d.h. tödlichere Ergebnisse erzielen. Das Video, das von der Darpa veröffentlicht wurde, lässt freilich wenig erkennen und könnte genauso gut eine Simulation sein.

Dunn sprach von einem Durchbruch, weil man gelenkte Patronen für alle Kaliber herstellen könne. Wie die Patronen gelenkt werden können, wird von der Darpa nicht verraten. Entwickelt wurde die Technik von Teledyne Scientific & Images. Das System besteht aus dem Gewehr mit der Patrone und einem optischen Leitsystem, das offenbar ein zweiter Soldat bedienen muss.

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